Buchneuerscheinungen – Juni 2017

Der Sommer ist da und für mich geht es schon bald in den wohlverdienten Urlaub. Zuvor habe ich aber ein Bisschen in den Neuerscheinungen für den Juni gestöbert und fünf Bücher herausgepickt.

1. Zoë Beck – Die Lieferantin 

„London, in einer nicht wirklich fernen Zukunft: Ein Drogenhändler treibt tot in der Themse, ein Schutzgelderpresser verschwindet spurlos. Ellie Johnson weiß, dass auch sie in Gefahr ist – sie leitet das heißeste Start-up Londons und zugleich das illegalste: Über ihre App bestellt man Drogen in höchster Qualität, und sie werden von Drohnen geliefert. Anonym, sicher, perfekt organisiert.
Die Sache hat nur einen Haken – die gesamte Londoner Unterwelt fühlt sich von ihrem Geschäftsmodell bedroht und will ›Die Lieferantin‹ tot sehen. Ein Kopfgeld wird auf sie ausgesetzt. Ellie beschließt zu kämpfen – ihre Gegner sind mächtig, und sie lauern an jeder Straßenecke.“ (Quelle)

Das klingt hochspannend und zudem sehr aktuell. Außerdem schreibt Zoë Beck einfach fabelhafte Krimis!

Informationen zum Buch: Paperback: 326 Seiten || Verlag: suhrkamp Taschenbuch|| Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 08.06.2017 || ISBN: 978-3-518-46775-6|| Preis: 14,95€

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2. Seth Dickinson- Die Verräterin: Das Imperium der Masken

„Seth Dickinson ist der provokativste und aufregendste Fantasy-Autor der letzten Jahre. Mit ›Die Verräterin‹ hat er den ersten Roman einer brisanten Fantasy-Trilogie vorgelegt, in der es um die großen Fragen nach Freiheit, Gerechtigkeit, Selbstverwirklichung und Rache geht.
Baru Kormoran ist eine junge und hochbegabte Frau, die miterleben muss, wie das Imperium der Masken ihre Heimat Taranoke erobert, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen: Der übermächtigen Handelsflotte hat die abgelegene Insel nichts entgegenzusetzen. Anstatt aufzubegehren, lässt Baru sich von den Imperialen anwerben und steigt rasch selbst zu einer Machtposition auf. Ihr Ziel: das Imperium von innen heraus zu zerstören.
Von ihren neuen Herren in die Kolonie Aurdwynn versetzt, bekommt sie es alsbald mit einer ganzen Reihe rebellischer Herzogtümer zu tun. Im Kampf um Macht und Freiheit findet sie sich zwischen den Fronten wieder und muss sich fragen, wo sie steht – aufseiten der Rebellion oder des Imperiums. Baru fällt eine Entscheidung, deren Tragweite sie nicht einmal selbst zu ahnen vermag …“ (Quelle)

Ich habe gelesen, dass der Auftakt dieser Reihe ein würdiger Nachfolger von Game of Thrones sein kann. Dann muss es ja gut sein…

Informationen zum Buch: Paperback: 560 Seiten || Verlag: FISCHER Tor|| Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 22.06.2017 || ISBN: 78-3-596-29672-9 ||     Preis: 16,99€

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3. Johann Hari – Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges

„Johann Hari begibt sich in seinem Buch ›Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges‹ auf eine Reise – von Brooklyn über Mexiko bis nach Deutschland – und erzählt dabei die Geschichten derjenigen, deren Leben vom Kampf mit Drogen geprägt ist: Dealern, Süchtigen, Kartellmitgliedern – den Verlierern und Profiteuren. Der Kampf gegen Drogen gilt inzwischen als gescheitert, der Handel ist immer noch ein blühendes Geschäft, alle Maßnahmen gegen den Konsum sind erfolglos. Hari versucht mit dem Wissen um die scheinbare Aussichtslosigkeit die folgenden Fragen zu beantworten: Woran liegt das? Was macht Drogen in all ihren Aspekten so erfolgreich? Seine einzigartige literarische Reportage ist eine Geschichte des Krieges gegen Drogen sowie ein mitreißendes und streitbares Plädoyer zum Umdenken.“ (Quelle)

Und noch ein Exemplar aus dem Fischer Verlag. Seit ich mich im Studium aus betriebswirtschaftlicher Sicht mit dem Drogenhandel beschäftigt habe, bin ich von diesem Thema regelrecht besessen. Der Handel mit Drogen macht einige Menschen sehr reich und zerstört das Leben vieler anderer. Der Krieg lässt nicht nach und die Regierungen kommen nicht gegen die Kartelle an. Ich bewundere die Journalisten, die es trotzdem wagen, solche Bücher und Artikel zu schreiben.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 448 Seiten || Verlag: FISCHER Taschenbuch || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 22.06.2017 || ISBN: 978-3-596-03419-2 || Preis: 12,99€

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4. Don Winslow – Corruption

„In den Straßenschluchten von New York lässt der internationale Star-Autor Don Winslow ein alptraumhaft realistisches Szenario von Drogen, Menschenhandel, Mord entstehen. Er zeichnet die todbringende Allianz von staatlichen Stellen und organisiertem Verbrechen: Sie sehen sich als Elitetruppe der Polizei, eine verschworene Einheit, ausgestattet mit weitreichenden technischen und rechtlichen Möglichkeiten. Gemeinsam sollen sie für Ruhe und Ordnung in ihrem Revier sorgen, dem nördlichen Manhattan. Und genau das tun sie. Hier gelten ihre Spielregeln, hier geschieht nichts ohne ihr Wissen. Doch die Truppe ist extremem Stress ebenso ausgesetzt wie extremen Risiken … und extremen Verlockungen … “ (Quelle)

Nochmal organisiertes Verbrechen, aber diesmal in Form eines Kriminalromans, geschrieben aus der Sicht eines korrupten Polizisten. Steven King und Lee Child sind schon begeistert und bescheinigen dem Buch das Potenzial, zum bisher besten Polizeiroman zu werden. Das ist eigentlich schon Grund genug, dieses Buch zu lesen, finde ich!

Informationen zum Buch: Hardcover: 544 Seiten || Verlag: Droemer HC || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 20.06.2017 || ISBN: 978-3-426-28168-0 || Preis: 22,99€

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5. Carina Bartsch – Nachtblumen

„Auf jede Nacht folgt ein Tag Das Leben könnte so einfach sein. Wäre es manchmal nicht so verdammt schwer. Jana schläft am liebsten unter dem Bett. Collin friert gerne. Jana wünscht sich vertraute Menschen um sich herum. Collin möchte mit anderen Leuten nichts zu tun haben. Auf Sylt begegnen sich die beiden in einem Wohnprojekt und leben für die nächsten zwei Jahre Zimmer an Zimmer. Da ist eine Mauer, die sie trennt. Und eine Tür, die sie verbindet. Nach den Bestsellern «Kirschroter Sommer» und «Türkisgrüner Winter» erzählt Carina Bartsch hier eine sehr berührende Liebesgeschichte zwischen zwei Außenseitern: gefühlvoll, authentisch, atmosphärisch.“ (Quelle)

Das Cover hat mich zuerst gepackt. Die Geschichte klingt sehr romantisch und gleichzeitig nachdenklich. Für mich sind solche Bücher eine tolle Sommerlektüre.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 544 Seiten || Verlag: Rowohlt Taschenbuch || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 23.06.2017 || ISBN: 978-3499291081 || Preis: 9,99€

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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt: KW 20

Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt
Was mich diese Woche interessiert und begeistert hat.

Gelesen ||

|| Die Haut ist unser größtes Organ und wird von uns sehr beansprucht. Wir cremen und peelen, was das Zeug hält, setzen sie lauter Umwelteinflüssen aus, strapazieren sie durch Kratzen und verbrennen sie in der Sonne. Ich war da leider keine Ausnahme und bekam die Quittung durch ein Sensibelchen, welches mir inzwischen keine Fehltritte mehr erlaubt und gleich mit Rötungen, Trockenheit und einem fahlen Teint straft. Von dem Bestseller HAUTNAH von Dr. Yael Adler habe ich mir vor allem ein besseres Verständnis des Themas Hautpflege und einiger hilfreicher Tipps für den Alltag erhofft. Bekommen habe ich ein unterhaltsames Sachbuch, das nicht nur sehr informativ, sondern gleichzeitig witzig und spannend geschrieben ist. Man erhält eine fundierte und einfache Erklärung der medizinischen Zusammenhänge und zusätzlich Tipps, wie man seine Haut gesund und natürlich pflegt. Und natürlich braucht man dafür keine 50 € teuren Crèmes (was mir eigentlich vorher auch schon klar war…).

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|| Die Flüchtlingsdebatte findet kein Ende, zumindest nicht in den Köpfen und das Thema kommt in jeder privaten oder beruflichen Runde mal wieder auf den Tisch. Meistens kommen dann Kommentare, die mir schwer aufstoßen und auf die ich keine Antwort habe, denn natürlich verstehe ich die Sorgen in mancher Hinsicht. Den Satz „von meinen Steuergeldern…“ kann ich aber nicht mehr hören. Wird von unseren Steuern nicht auch dafür gesorgt, dass wir hier gute Straßen, saubere Innenstädte und Schulbildung für alle Kinder haben? Und warum leben wir in Deutschland, beziehungsweise der westlichen Welt? Nennt es Glück oder Zufall, aber wir haben sonst nichts dafür getan. Und in manchen Situationen würde uns ein Bisschen Demut ganz gut tun. Um diesen Punkt geht es in dem Artikel von Lisa Jaspers, der Gründerin des Fair Trade Fashion Labels „Folkdays“.

Wo ist eigentlich unsere Demut?

Gehört ||

Eine bunte Mischung!

|| LEA – Wunderkerzenmenschen

|| Future – Mask Off

|| Tina Dico – Someone You Love

Gesehen ||

|| Ein absoluter Klassiker aus meiner Kindheit: DIE NANNY. Die Geschichte um das Kindermädchen Fran Fine, die mit ihrer verrückten aber liebevollen Art die Familie Sheffield um den Finger wickelt. Die Hauptfigur Fran hat eine Stimme, die Gläser zum Springen bringt und trägt Outfits, die kurz vor der Geschmacksverirrung stehen. Damit ist die Serie nichts für meinen Freund ;). Ich finde sie dafür sehr unterhaltsam und kurzweilig. Gut, um nach einem anstrengenden Tag für 20 Minuten abzuschalten.

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|| Inzwischen kenne ich zwar auch den Film, aber die Serie FARGO habe ich unabhängig davon begonnen. Diese Serie ist vieles: Makaber, böse, witzig, spannend, blutig. Die Schauspieler sind grandios und die Story extrem skurril. Der Humor ist so tiefschwarz, wie ich es lange nicht mehr in einer Serie erlebt habe. Nachdem ich nun den Film gesehen habe, finde ich dass die erste Staffel sich zwar lose an diesem orientiert, aber doch eine eigene Geschichte erzählt. In der zweiten Staffel geht es dann um eine andere Story, die jedoch Bezug zu Figuren aus der ersten hat. Aktuell sind die ersten drei Episoden der dritten Staffel auf deutsch bei Netflix verfügbar.

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|| Ebenfalls aus meiner Kindheit, aber neu für mich entdeckt ist der japanische Zeichentrickfilm PRINZESSIN MONONOKE. Der Film regt sehr zum Nachdenken an, denn der Konflikt zwischen mythischen Tiergöttern, die den Wald beschützen und den sich ausbreitenden Menschen passt heutzutage besser denn je. Der Mensch zerstört Regenwälder, Meere, den Boden… und so irgendwann sich selbst. Obwohl der Film den Egoismus des Menschen scharf anprangert, ist die Trennlinie zwischen Gut und Böse verschwommen. Die Wahrheit ist komplexer als Machthunger oder das Streben nach Frieden. Es geht um Freiheit, Humanismus und das Leben im Einklang mit dieser Welt. Für mich ein erwähnenswerter Film, der neben der tollen Geschichte auch mit seiner grandiosen Filmmusik überzeugt.

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Entdeckt ||

|| Schon lange bin ich auf der Suche nach einem praktischen To-Go-Becher. Das sollte eigentlich nicht so schwer sein, ist die Auswahl doch scheinbar unendlich groß. Leider scheint Funktionalität und Ästhetik in dieser Sparte jedoch schwer zusammenzupassen. Die besten Bewertungen erhalten die Cups von Emsa, die man ja auch überall sieht, ich persönlich aber langweilig finde. Schön sollte der Becher sein, aber trotzdem klassisch, damit ich mich nicht zu schnell daran satt gesehen habe. Meine Wahl fiel nun auf dieses schöne Stück von Stelton. Natürlich wahnsinnig teuer und die Amazon Bewertung ist eher mittelmäßig. Jetzt bin ich mir nicht sicher… Sollte ich Schönheit wirklich stärker gewichten als den praktischen Aspekt. Die schlechten Bewertungen kommen daher, dass der Becher die Heißgetränke nicht für mehrere Stunden warm hält. Allerdings ist das für meine Zwecke auch irrelevant. Da hab ich eher Angst, mir ständig die Zunge zu verbrennen und normalerweise hält so ein warmes Getränk auch nur von der Haustür bis zum Arbeitsplatz. Was also tun? Schön sind die Teile ja wirklich…

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Ich freu mich, von euren Erfahrungen oder Empfehlungen zu hören.

Gelesen: Meine geniale Freundin – Elena Ferrante

Ich glaube, kaum jemand konnte letztes Jahr an diesem Roman vorbeikommen. Hervorgerufen wurde der Hype vor allem dadurch, dass die Autorin ihre Identität geheim hält. Ich finde Hypes immer etwas schwierig. Je länger man wartet, desto höher steigen die Erwartungen und diesen kann die Geschichte irgendwann nicht mehr standhalten. Auch ich wurde von dem Sturm mitgerissen und musste das Buch haben! Dann habe ich aber relativ lange damit gewartet, es in die Hand zu nehmen. Ich befürchtete, dass meine viel zu hohen Erwartungen enttäuscht würden.

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Handlung
Die Romanreihe erzählt die Geschichte von Elena und Lila, zwei Freundinnen, die im Neapel der 50er Jahre leben. Ihre Familien stammen aus ärmlichen Verhältnissen und die zwei Mädchen wachsen mit Gewalt, Angst und Chancenlosigkeit auf. Der erste Band beschreibt die Kindheit und Jugend von Elena und Lila und wird aus der Sicht von Elena erzählt.

Aufgewachsen in Rione, einem armen Stadtviertel von Neapel, eint beide Mädchen der Traum, ein besseres Leben als ihre Eltern zu führen. Sie wollen dem Elend entkommen und reich werden. In der Schule wird schnell klar, dass beide Mädchen großes Potenzial besitzen. Lila verfügt über eine enorme Auffassungsgabe und scheint hochintelligent, während Elena zwar auch sehr intelligent ist, aber vor allem durch Fleiß überzeugt. Es entsteht ein regelrechter Wettstreit und ein ständiges Messen der Fähigkeiten zwischen den Freundinnen. Lila ist durch ihre Unerschrockenheit die geborene Anführerin und Elena leidet sehr darunter, dass ihrer Freundin scheinbar alles wie von selbst zufliegt, während sie selbst hart für ihren Erfolg kämpfen muss. Allerdings wird Lila von ihren Eltern nicht erlaubt, die weiterführende Schule zu besuchen, wodurch sich eine Kluft zwischen den Freundinnen auftut. Elena wählt den Weg der Bildung, während Lila sozialen Aufstieg durch eine vorteilhafte Heirat erfährt.

Thematik
Die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen besteht aus einem ständigen Wettstreit. Vor allem Elena hat mit starken Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen und ist regelrecht abhängig von Lilas Gunst und Zuneigung. Somit wirkt die Figur der Elena in der ersten Hälfte des Buches auch relativ blass und uninteressant. Dies ändert sich jedoch, als klar wird, dass die beiden Mädchen unterschiedliche Lebenswege einschlagen werden.

Elena entwickelt sich zu einer hochgebildeten jungen Frau, die zwar immer noch stark abhängig von der Gunst anderer ist, aber intellektuell eine andere Stufe erreicht, als der Rest ihrer Umgebung. Es zeichnet sich ab, dass Elena ihr vorbestimmtes Leben verlassen wird. Sie entfernt sich von ihren Freunden und ihrer Familie. Doch trotz diverser Konflikte bleibt die Freundschaft zwischen Elena und Lila bestehen und wird mit ihnen erwachsen.
Trotz aller Konkurrenz ist die Freundschaft stark und von Liebe geprägt, wie es vielleicht nur eine Freundschaft zwischen zwei Frauen sein kann.

„Wir sind seit zwanzig Tagen ein Paar.“
„Liebst du ihn?“
„Nein.“
„Und weiter?“
Ich sah sie herausfordernd an.
„Liebst du denn Stefano?“
Sie sagte ernst:
„Sehr.“
„Mehr als deine Eltern, mehr als Rino?“
„Mehr als alle anderen, aber nicht mehr als dich.“

(Elena Ferrante, Meine geniale Freundin, S. 358)

Gleichzeitig wird das damalige Leben in einem italienischen Armenviertel thematisiert. Es herrscht Nachkriegszeit und den Menschen mangelt es an Geld und Arbeit. Gewalt und Aggression gehören zum Alltag und schon Kinder wissen, dass es bestimmte Familien gibt, deren Zorn man nicht auf sich ziehen sollte. Denn es herrschen die Camorra und beim Lesen spürt man häufig die Präsenz der italienischen Mafia, wenn sie auch nie direkt genannt wird.

Fazit
„Meine geniale Freundin“ ist für mich ein überzeugender Auftakt zu dieser neapolitanischen Saga. Für mich hat die Geschichte einen gewissen Sog entwickelt, den ich nicht genau erklären kann. Am Anfang des Buches findet man eine Auflistung der vorkommenden Figuren, sowie ihrer Beziehungen und Verwandtschaften untereinander. Ich muss sagen, dass diese auch nötig war, um sich vor allem Am Anfang zurechtzufinden.
Ferrantes Sprache ist relativ schlicht und der Satzbau einfach. Für mich persönlich war das Lesen dadurch aber sehr angenehm und die Figuren erscheinen sehr intensiv und nah. Zudem schreibt sie sehr bildhaft und schafft es, ein armes italienisches Viertel der 50er Jahre vor meinem Auge entstehen zu lassen.
Auch der Aspekt der Mafia fasziniert mich sehr und ich bin gespannt, was in dieser Hinsicht noch kommt.
Ich finde diese Geschichte um die Freundschaft zweier junger Frauen sehr spannend. Trotz ihrer Unterschiede eint die beiden ihr Wunsch nach einem Ausbruch aus ihrem vorherbestimmten Leben und ich bin gespannt, wie sich die beiden jungen Frauen in den nächsten Bänden entwickeln werden.
Der zweite Band ist schon in den Buchläden und auf meiner Wunschliste!

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 426 Seiten || Verlag: Suhrkamp Verlag  (30. August 2016) || ISBN: 978-3-518-42553-4  || Preis: 22,00 €

Buchneuerscheinungen – Mai 2017

Alles neu macht der Mai. Ich habe ein bisschen in den Neuerscheinungen der Verlage für den Mai gestöbert und mir fünf Exemplare rausgesucht, die mein Interesse geweckt haben. Es sind Bücher aus verschiedenen Themenbereichen und ich habe bisher nichts von den Autoren gelesen.

1. Siddhartha Mukherjee – Das Gen. Eine sehr persönliche Geschichte

„Großartig, fesselnd und folgenreich: Pulitzerpreisträger und Bestseller-Autor Siddhartha Mukherjee erzählt meisterhaft die Geschichte der Entzifferung des Mastercodes, der unser Menschsein bestimmt. Das große Buch eines begnadeten Erzählers und Arztes, das gewaltige Panorama einer machtvollen Entdeckung.
Als Siddhartha Mukherjee seinen Bestseller »Der König aller Krankheiten« beendet hatte, machte er sich auf eine Reise in die indische Heimat. Er besucht Cousin Moni, der an Schizophrenie leidet – wie auffällig viele seiner Verwandten. Fasziniert beginnt Mukherjee sich mit der Geschichte der Gene zu beschäftigen: Von den Erbsenkreuzungen Mendels bis zur neuesten Gen-Bearbeitungs-Methode CRISPR schreibt Mukherjee den spannenden Roman einer wissenschaftlichen Suche und verwebt ihn mit der Geschichte seiner Familie. Packend und einzigartig.“ (Quelle)

Nachdem ich letztens einen Artikel über die Möglichkeit der Lebensverlängerung mithilfe jungen Blutes gelesen habe, bin ich von Berichten aus der medizinischen Wissenschaft fasziniert. Gencodes fand ich schon im Biologieunterricht spannend  und durch die persönliche Familiengeschichte des Autors, wird das Ganze beim Lesen noch greifbarer. Ich hoffe, dass Buch ist verständlich geschrieben und liefert interessante Fakten.

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 768 Seiten || Verlag: S. FISCHER || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.05.2017 || ISBN: 978-3-10-002271-4 || Preis: 26,00€

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2. Hollie Overton – Babydoll

„Lily Risers neues Leben beginnt an einem kalten Winterabend: Nur mit einem dünnen Schlafanzug bekleidet tritt sie vor die Tür, drückt ihre Tochter an sich – und rennt los. Weg von dem Haus im Wald, weg von dem Mann, der sie acht Jahre lang gefangen hielt. Dem Vater ihrer Tochter Sky, dem Mann, der an diesem Abend zum ersten Mal einen Fehler machte, als er vergaß, die Tür zu verriegeln. Doch schnell wird klar, dass es für Lily kein Zurück zur Normalität gibt. Zu viel ist geschehen, zu tief sind die Wunden, die sie und ihre Familie durch die Entführung davongetragen haben. Schritt für Schritt tasten sie sich in eine mögliche Zukunft, ohne zu ahnen, dass die dramatischste Bewährungsprobe noch vor ihnen liegt. Denn selbst im Gefängnis plant Lilys Entführer bereits, wie er sie, seine Babydoll, für ihren Ungehorsam bestrafen wird …“ (Quelle)

Ich bin am Cover hängengeblieben und fand auch den Inhalt sehr vielversprechend. Die Protagonistin hat etwas traumatisches erlebt und wird sicher Schwierigkeiten haben, überhaupt ein annähernd normales Leben führen zu können. Ich bin gespannt, wie die Autorin dies umsetzt und natürlich, ob die Geschichte eher in Richtung Thriller oder psychologisches Drama geht.

Informationen zum Buch: Paperback: 352 Seiten || Verlag: Goldmann || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 15.05.2017 || ISBN: 978-3-442-20520-2 || Preis: 15,00€

Babydoll von Hollie Overton
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3. Kendare Blake – Der schwarze Thron: Die Schwestern (1)

„Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen können. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren — doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod — er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …“ (Quelle)

Ich habe lange keine neue Fantasy Romanreihe angefangen, aber dieser erste Band hat meine Lust geweckt. In den USA ist die Reihe durch die Decke gegangen und begeistert die Leser. Die Pressestimmen sprechen von einer meisterhaften Welt, einem brutalen Plot und starken Figuren. Erinnert mich an Game of Thrones, weshalb ich mich sehr auf diese Reihe freue.

Informationen zum Buch: Paperback: 448 Seiten || Verlag: Penhaligon || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 09.05.2017 || ISBN: 978-3-7645-3144-7 || Preis: 14,99€

Der Schwarze ThronDie Schwestern von Kendare Blake
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4. Mark Watson – Die Stadt im Nichts

„Ein etwas undurchsichtiger Auftrag führt den Werbetexter Tim Callaghan nach Dubai. Bevor er weiß, wie ihm geschieht, steht er zwischen Wolkenkratzern, die inmitten der Wüste erbaut wurden, und fährt bei 45 Grad in vollklimatisierten SUVs über achtspurige Highways. Doch kaum hat er sich an seine neue Umgebung gewöhnt, wird ein Mitarbeiter seines Teams tot aufgefunden. Das Merkwürdige daran ist, dass es niemanden so recht zu stören scheint …“ (Quelle)

Für mich geht es bald in den Urlaub und am Strand lese ich gern leichte, unterhaltsame Bücher. Ein bisschen Spannung und Witz darf aber gerne dabei sein, denn der Groschenroman-Typ bin ich eher weniger. Dieses Buch klingt danach, als wäre es genau das Richtige.

Informationen zum Buch: Paperback: 288 Seiten || Verlag: Heyne Encore || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 22.05.2017 || ISBN: 978-3-453-27116-6 || Preis: 16,99€

Die Stadt im Nichts von Mark Watson
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5. Ezekiel Boone – Die Brut: Sie sind da

„Etwas lebt. Und es vermehrt sich rasend schnell.
Am Amazonas stirbt eine Wandergruppe. Kurz zuvor war ein merkwürdiges Summgeräusch zu hören.
In Indien schnellen die Seismographen in die Höhe, doch es folgt kein Erdbeben.
In China wird eine Atombombe gezündet. Angeblich versehentlich.
In Minneapolis stürzt ein Flugzeug vom Himmel. Im Wrack findet Agent Mike Rich eine verbrannte Leiche aus der etwas Schwarzes kriecht.
Biologin Melanie Guyer erhält in Washington eine FedEx-Sendung. Ein mysteriöser Fund von den Nazca-Linien.
Nervenzerrende Spannung – Sie werden das Atmen vergessen!“ (Quelle)

Das klingt nach einem echt spannenden Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Zudem finde ich es spannend, wenn es nicht einen Täter gibt, der gejagt wird, sondern eine unbekannte Gefahr das Leben bedroht. Ich habe auch schon gesehen, dass noch ein zweiter Band herauskommen wird.

Informationen zum Buch: Paperback: 400 Seiten || Verlag: FISCHER Taschenbuch || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.05.2017 || ISBN: 978-3-596-03553-3 || Preis: 9,99€

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt: KW 16

Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt
Was mich diese Woche interessiert und begeistert hat.

Gelesen |

|| Die letzte Woche war kurz, dank der Ostertage. Ich muss ja sagen, an so eine Vier-Tage-Woche könnte ich mich sehr gut gewöhnen. Fünf Tage die Woche acht Stunden im Büro zu verbringen, lässt mich manchmal wirklich so fühlen, als würde ich im berüchtigten Hamsterrad rennen. Manchmal zwar etwas langsamer, aber immer weiter und weiter… Und ich habe es mit Gleitzeit noch sehr gut getroffen!
Richtig machen es in der Hinsicht schon die Skandinavier, die sehr offen gegenüber alternativen Arbeitsmodellen sind. Es gibt inzwischen auch Studien, die belegen, dass die typische 40-Stunden Woche nicht automatisch zu mehr Produktivität am Arbeitsplatz führt. Das hat auch ein Hamburger Unternehmen erkannt, wodurch es einen unschlagbaren Vorteil bei der Jobsuche bietet. In diesem Artikel kommen Mitarbeiter und Gründer zu Wort, in deren Unternehmen nicht mehr als 6 Stunden pro Tag gearbeitet wird. Sehr interessant und nachahmenswert, wie ich finde.
Feierabend um 15 Uhr? Der Abschied vom Acht-Stunden-Tag.

|| Die Themen Ausgrenzung, Rassismus und Vorurteile gegenüber dem Islam beschäftigen mich immer wieder. Gerade wenn im Bekanntenkreis eine hitzige Debatte entbrennt, lässt mich das lange Zeit nicht los. Ein Artikel, der sehr stark und interessant ist, stammt vom Psychologen und Streetworker Ahmad Mansour. Er setzt sich kritisch mit seiner Religion, dem Islam auseinander und fordert eine tabufreie Debatte. Der Beitrag regt zum Nachdenken an und sollte auf jeden Fall gelesen werden.
Wir sind nicht eure Kuscheltiere.

|| Beendet habe ich diese Woche „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Es hat mir sehr gut gefallen und eine Rezension wird folgen.

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|| Neu angefangen habe ich „The Girls“ von Emma Cline. Der Roman lag schon viel zu lange auf meinem SUB. Ich bin sofort tief in die Geschichte eingetaucht und schon jetzt, nach noch nicht mal der Hälfte, sehr begeistert. Mal schauen, wie sich das noch entwickelt.

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Gehört |

|| Kaleo – Way down we go

|| Lorde – Green Light

|| Alice Merton – No Roots

Gesehen |

|| Schon vor einigen Jahren, aber aktuell wieder für mich entdeckt: NEW GIRL! Diese Serie ist einfach so witzig und herzerwärmend. Ich liebe jede einzelne Figur mit ihren besonderen Eigenarten und die Serie lebt einfach von Situationskomik. Zudem sind die kurzen Folgen von ca. 20 Minuten ideal, um zwischendurch kurz abzuschalten. Leider verleitet das aber auch zu Binge Watching…

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|| Trotz einiger Schwächen kann ich nicht aufhören BLACKLIST zu schauen. Wir haben die Serie auf Empfehlung von Freunden angefangen und waren zunächst gar nicht überzeugt. Vor allem mit der weiblichen Hauptfigur konnte ich erst gar nicht warm werden. Sie ist teilweise doch sehr naiv und anstrengend. Zudem gibt es in der Serie immer wieder Situationen, in denen man die Handlung der Figuren nicht ganz nachvollziehen kann und die Logik etwas auf der Strecke bleibt. Manches wirkt arg konstruiert und vorhersehbar. Ich gebe einer neuen Serie aber meist eine Staffel, bevor ich mich endgültig gegen sie entscheide und Blacklist hat mich, trotz aller Schwächen, in ihren Bann geschlagen. Die Story an sich ist nämlich sehr rasant und spannend und James Spader als Reddington weiß zu überzeugen.
Kurzer Plot: Jahrzehntelang zählte der ehemalige Regierungsagent Raymond Reddington zu den meistgesuchten Verbrechern der USA. Aus unerfindlichen Gründen stellt er sich plötzlich dem FBI und unterbreitet folgendes Angebot: Er hilft, die größten Schwerverbrecher der Welt zu schnappen, wenn er im Gegenzug ausschließlich mit Elizabeth Keen, einer frischgebackenen FBI-Profilerin, zusammenarbeiten darf.

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Entdeckt |

Lange habe ich die Evil Eye Ohrringe von Delfina Delettrez angeschmachtet, aber sie entsprechen einfach nicht meinem Budget. Jetzt habe ich diese hier von evesjewl.com entdeckt und sie erscheinen mir ein guter Kompromiss. Nicht nur wunderschön, sondern auch handgearbeitet in Österreich und jedes Stück ein Unikat.

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Was habt ihr diese Woche zu empfehlen?

Gelesen: Lauter Fremde! Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht! – Livia Klingl

Klappentext:

Ein Riss geht durch das Land. Auf der einen Seite stehen jene, die für mehr Miteinander, mehr Solidarität, mehr Offenheit eintreten. Auf der anderen jene, die zurück möchten in die „gute, alte Zeit“, als es noch keine Globalisierung gab, keine Flüchtlinge und keine Angst vor sozialem Abstieg. Die Bruchlinien gehen quer durch die Familien, sogar Freundschaften zerbrechen daran. Warum ist heute eine aggressionslose Kommunikation darüber kaum mehr möglich? Warum werden Flüchtlinge zum Sündenbock gestempelt für alles, was schiefläuft in diesem Land? In ihrer Analyse greift Livia Klingl die Vorurteile auf, sortiert sie und zeigt: Die Flüchtlingsfrage ist oft nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Problemen nicht beschäftigen zu müssen. Mit 21 Menschen hat Livia Klingl Interviews zum Thema Fremdheit und Fremdsein geführt. Entstanden sind 21 Porträts, die zeigen, welch vielfältiges Mosaik unsere Gesellschaft ist.

Ich habe dieses Buch bei einer Lovelybooks Leserunde als kostenloses Exemplar erhalten. Die Thematik hat mich sehr angesprochen und ich war gespannt, was eine ehemalige Krisen- und Kriegsberichterstatterin zu dem Thema „Fremdheit“ beizutragen hat. Ich habe mir von dem Buch neue Aspekte der Flüchtlingskrise erhofft, die meiner Meinung nach nicht an Aktualität verloren hat.

Worum geht es?

Die österreichische Autorin Livia Klingl geht in „Lauter Fremde“ dem Gefühl des Fremd sein nach und analysiert auf nüchterne Weise, woher die Angst vor dem/den Unbekannten kommt und wie unterschiedlich Menschen mit diesem Thema umgehen.
Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin wie die Flüchtlingskrise unsere Gesellschaft prägt. Sie bringt Beispiele von Hass Postings aus den sozialen Netzwerken, die wir alle in ähnlicher Form schon einmal gelesen haben und die mir persönlich wirklich Angst machen.
Livia Klingl erklärt in klaren und nüchternen Worten, dass uns Dinge nur als bedrohlich erscheinen, weil sie uns nicht vertraut sind. Was der Mensch nicht kennt, ist meistens erst mal negativ. Das kennen wir alle, auch aus dem Alltag.
Gleichzeitig verdeutlicht sie, welch sicheres und wohlhabendes Leben wir führen und dass Menschen fliehen, weil sie sich dieses Leben wünschen. Sie wünschen sich Freiheit, Demokratie und Sicherheit. Sie sind Menschen wie wir, mit dem Unterschied, dass uns ihre Sitten, ihre Sprachen und vielleicht ihr Aussehen und Verhalten (noch) nicht vertraut sind.

Der zweite Teil des Buches besteht aus 21 Portraits von in Österreich lebenden Personen, die ihre Geschichte erzählen. Der Begriff „Fremd“ wird somit ganz unterschiedlich definiert und bringt den Leser dazu, die eigenen Gedanken zu diesem Thema zu reflektieren. Die persönlichen Berichte sind unheimlich interessant und an manchen Stellen auch schwer zu fassen. Ich konnte sie nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern musste zwischendurch immer wieder innehalten, um über das Gelesene nachzudenken. Die Portraits sind dabei in einem journalistischen Stil geschrieben.

Meine Gedanken zum Thema

Ich selbst bezeichne mich als einen weltoffenen und sehr toleranten Menschen. Allerdings nicht tolerant gegenüber Menschen, die ich für fremdenfeindlich halte. Dieses Buch hat mir einen anderen Blickwinkel aufgezeigt und dazu geführt, dass ich bei negativen Kommentaren über „die Fremden in unserem Land“ nicht einfach wütend werde, sondern versuche die Gründe für dieses Verhalten und die Angst zu verstehen. Wie die Autorin auf S. 17 ganz treffend schreibt: „Eine indifferente Stellung zu den Fragen der Flüchtlingskrise ist fast nicht mehr möglich, Grautöne fehlen vollkommen im Diskurs, ebenso wie Fachwissen (…)“.
Die Diskussion wird auf beiden Seiten sehr einseitig geführt, was zu einer wachsenden Kluft zwischen den beiden Gruppen führt. Toleranz ist in jeglicher Form wichtig. Ich denke, dass wir alle nur noch in unserer eigenen Blase leben. Wir hören die Meinung, die wir haben, verfolgen Medien mit dieser Meinung und haben Freunde, die so denken wie wir. Wir wundern uns, warum Trump gewählt wurde, denn wir kennen niemanden, der das getan hätte. Wir glauben nicht, dass es in Deutschland starken Rassismus gibt und dann bin ich schockiert, wenn mir eine schwarze Bekannte erzählt, dass sie als Kind im Bus von älteren Jugendlichen auf den Boden getreten wurde.
Unser Miteinander, egal in welcher Form, leidet in der heutigen Zeit enorm und der Fremdenhass wird dadurch nur verstärkt. Es kann nicht nur schwarz und weiß geben. Jeder Mensch ist anders. Verallgemeinerungen und Vorurteile bringen uns in keiner Weise nach vorn. Das muss uns allen klarwerden und dort müssen wir ansetzen. Wir müssen uns verstehen. Nicht nur das Unbekannte aus anderen Ländern, sondern auch das Fremde im eigenen Land. Wir müssen lernen, die Angst zu verstehen, denn nur so können wir sie bekämpfen. Ich denke dafür liefert das Buch einen sehr guten Beitrag.

Ich empfehle es, dass Buch zu lesen. Mir haben die analytische Herangehensweise und das Beleuchten der Thematik aus verschiedenen Perspektiven sehr gefallen. Die Autorin schafft es, nüchtern und doch fesselnd Erklärungen für das Gefühl der Fremdheit zu geben. Der Schreibstil war flüssig zu lesen. Die Portraits zeigen ganz unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Erlebnissen und Meinungen. Dadurch hat sich ein sehr differenziertes Gesamtbild ergeben. Die einzige Schwäche des Buches ist für mich der journalistische Schreibstil bei den einzelnen Portraits. Für mich entstand dadurch eine gewisse Distanz und ich hätte mir eine weniger objektive Beobachtung gewünscht.

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Eigene Darstellung

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 208 Seiten || Verlag: Kremayr & Scheriau (Januar 2017) || ISBN: 978-3-218-01061-0 || Preis: 22,00 €

Gelesen: Winternähe – Mirna Funk

Winternähe ist der 2015 erschienene Debütroman der Autorin Mirna Funk und hat mich nachhaltig beeindruckt. Durch Zufall bin ich auf den Roman gestoßen. Ich habe irgendwann ein Interview mit der Autorin gelesen und den Roman danach auf meine Wunschliste gesetzt.

Handlung
Die Protagonistin Lola ist Fotografin und lebt in Ost-Berlin. Sie ist das Kind einer nicht-jüdischen Mutter und eines jüdischen Vaters. Lola selbst fühlt sich als Jüdin, da sie von ihren Großeltern väterlicherseits aufgezogen wurde. Nach dem orthodoxen Judentum jedoch gilt sie nicht als solche, denn die jüdische Religionszugehörigkeit wird über die mütterliche Linie weitergegeben. Dieser Umstand wird im Buch an einigen Stellen näher thematisiert und von verschiedenen Sichtweisen beleuchtet. Lola fühlt sich innerlich zerrissen und identitätslos. Nicht nur, dass sie Schwierigkeiten hat, durch ihren Glauben ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Gleichzeitig belastet sie die schwierige Beziehung zu ihren Eltern.
Schließlich entscheidet Lola sich, ihrem israelischen Freund Shlomo nach Tel Aviv zu folgen. Dort spielt der zweite Teil des Romans. Es ist Juli 2014 und Ausbruch des Gaza Kriegs. Der Konflikt, der in Deutschland so weit weg schien, ist plötzlich direkt vor ihrer Haustür. Tagsüber wirft Lola sich in die Euphorie ihrer Verliebtheit zu Shlomo und nachts hört sie Bomben fallen.
In Tel Aviv beginnt Lola damit, Antworten auf die Frage zu finden, wer sie wirklich ist und versucht, den Kontakt zu ihrem Vater wieder aufleben zu lassen. Im Laufe der Geschichte entfernt sich Lola somit immer mehr von ihrem eigentlichen Lebensmittelpunkt Berlin und arbeitet sich zu ihren Wurzeln vor.

Thematik
Gleich zu Beginn des Romans wird Antisemitismus thematisiert. Dieser tritt in einer latenten Form auf und scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein.
Lola wähnt sich in einem fortschrittlichen Milieu, fühlt sich jedoch immer mehr von antisemitischen Angriffen betroffen. Nicht nur Bekannte, auch Kollegen und sogar Freunde äußern zweifelhafte Kommentare und relativieren den Holocaust. So sind beispielsweise die „geldgierigen Juden“ Schuld daran, dass die Mieten in Berlin steigen. Oder es wird der Holocaust mit der Palästina-Politik verglichen. Gleichzeitig empfinden die Menschen um Lola herum das ständige Erinnern an die deutsche Vergangenheit als anstrengend und überholt.
Für Lola ist diese Weigerung der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit fast unbegreiflich.

Für euch ist das alles gefühlte dreihundert Jahre her. Warum aber ist das alles für mich gerade erst passiert? […] Warum bin ich mein ganzes Leben mit diesen Geschichten groß geworden, von Menschen, die überlebt haben, von Menschen, die ihre gesamte Familie verloren haben, und ihr nicht? […] Ich kann dir sagen, warum. Weil eure Großeltern nicht reden! Weil sie euch nichts erzählt haben. Zum Beispiel, wie es so war als SS-Offizier oder warum sie Hitler gewählt haben. Wie sie dabei zuschauten, als ihre Nachbarn abgeholt wurden, oder wie sie die verdammten Leichen aufeinandergestapelt haben. Ihr seid alle mit Großeltern aufgewachsen, die geschwiegen haben, und deshalb glaubt ihr, dass das alles Schnee von gestern ist.

Es ist wahr, dass inzwischen außerhalb des Klassenraums wenig über den Holocaust gesprochen wird. Kaum jemand hat noch lebende Verwandte, die während des zweiten Weltkriegs gelebt haben. Vieles wird zudem in deutschen Familien totgeschwiegen. Und trotzdem ist da bei so vielen ein unbewusstes Gefühl von Schuld. Ein Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen und das unangenehme Eingeständnis, dass wir nicht wissen wollen, welche Rolle unsere Großeltern oder Urgroßeltern zu dieser Zeit gespielt haben. Wir differenzieren ganz klar zwischen heute und damals.

Ich war letztes Jahr im Herbst in Krakau und war im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, sowie in Birkenau. Das, was wir dort gesehen haben, können Worte kaum beschreiben.
Man liest Zahlen getöteter, vergaster, verhungerter, gefolterter Menschen. Man hört eine Zahl toter Kinder, aber erst dort bekommen diese Zahlen eine Größe. Man kann sie ins Verhältnis setzen und das lässt den Atem stocken.
Besonders Birkenau, mit seiner riesigen, weiten Fläche und dem Zaun, den man aus Filmen kennt, lässt einen ganz still werden. Es sind Ausmaße eines Schreckens, die man sich sonst nicht vorstellen kann. In dieser Hinsicht kann ich verstehen, warum Lola, beziehungsweise die Autorin der Meinung sind, dass wir nicht vergessen sollten. Nicht relativieren und es als Vergangenheit abhaken. Man sollte nie aufhören, sich vor Augen zu führen, wie schnell sich Dinge verselbstständigen können und zu was für Taten Menschen fähig sind.

Fazit

Obwohl die Protagonistin Lola vor ihrem Leben in Berlin flüchtet, beschreibt die Autorin keine schwache Persönlichkeit. Im Gegenteil. Lola wirkt stark, in ihrer Meinung gefestigt und teilweise auch sehr exzentrisch und egoistisch. Das alles macht es sehr interessant, ihrer Geschichte zu folgen. Gleichzeitig war es an einigen Stellen aber sehr anstrengend Lolas Gedanken oder Handlungen nachzuvollziehen. Teilweise ging sie mir sogar ein bisschen auf die Nerven und sie ist definitiv keine Buchfigur, die ich in mein Herz geschlossen habe. Hervorzuheben ist ganz klar der Anstoß, sich als Leser Gedanken über Antisemitismus in Deutschland und das Leben in Tel Aviv zu machen. Für mich ist das Buch ganz klar eine Leseempfehlung.

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Bildquelle

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 352 Seiten ||Verlag: S. FISCHER (23. Juli 2015) || ISBN: 978-3-10-002419-0 || Preis: 19,99 €

HH: Refill it – Wegwerfen war gestern

logo-refillitWir kennen es alle. Man ist morgens müde und schlecht gelaunt auf dem Weg zur Arbeit oder Uni und weiß, dass man ohne die nötige Portion Koffein nicht wirklich in den Tag starten kann. Auch ich bin ihn regelmäßig gegangen. Den Weg zum Café an der Ecke um schnell einen großen Milchkaffee zu ordern und diesen dann auf dem Weg zur Vorlesung, in der Übung, oder am Schreibtisch im Büro zu trinken. Jedes Mal gab es einen To Go Becher, der die Hände wärmte und jedesmal wanderte dieser anschließend in den Müll.

Laut „Deutscher Umwelthilfe“ werden in Deutschland 320.000 Einweg-Kaffeebecher pro Stunde verbraucht! Ich musste diesen Satz mehrmals lesen. Es geht hier nicht um einen Monat oder eine Woche. Nein, es ist noch nicht mal die Zahl eines Tages. Es ist die Menge von To-Go Bechern, die nach knapp einer  Stunde in der Tonne landen! Wenn man diese Summe auf das Jahr hochrechnet und dann für die ganze Welt, ist das eine so große Zahl, dass mir fast schlecht wird bei der Vorstellung, was für Müllberge wir damit produzieren.

Ich besitze zwar seit einiger Zeit einen To-Go Becher, den ich mir auf dem Weg befüllen lassen kann. Aber wie es so häufig ist, bleibt das Ding ständig zuhause stehen, ist in den Untiefen einer Tasche verschwunden oder einfach zu unhandlich um immer mitgeschleppt zu werden.
Schande auf mein Haupt, aber viel zu häufig muss ich doch auf die Wegwerf-Plastik-Alternative zurückgreifen.

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Foto: Peter Bauer

Seit dem ersten November hat in Hamburg ein Pilotprojekt gestartet, was sich gegen den Wegwerfwahnsinn und für nachhaltigen Konsum einsetzt. REFILL IT! ist das erste Mehrweg-Pfandbechersystem in Hamburg und will den Müllbergen von Einweg-Kaffeebechern entgegenwirken. Das Konzept dazu stammt vom Kaffee Händler El Rojito und wird inzwischen von zwölf weiteren hamburger Cafés unterstützt.
Der Kunde kauft in einem der teilnehmenden Cafés einen Mehrwegbecher samt Deckel und Mundstück. Entweder behält er nun seinen eigenen Becher und lässt diesen überall neu befüllen, oder er gibt ihn bei einem der Cafés zurück und erhält das Pfandgeld für den Becher. Das Mundstück behält jeder Kunde aus hygienischen Gründen.
Der Gastronom, der den Becher zurückgenommen hat, spült diesen aus und führt ihn anschließend in den Kreislauf zurück.
Ein wirklich tolles und unterstützenswertes Projekt, mit echten Hingucker Bechern!

Weitere Infos hier und auf Facebook.

Titelbild: Julie Nagel

Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen seine Würde zu nehmen.

In den letzten Tagen wurde in der Presse wieder häufiger von einer Frau berichtet, die eigentlich schon von meinem Radar verschwunden war.
Gina-Lisa Lohfink. Mittlerweile findet man auf diversen Plattformen Artikel über das Sex-Video, in dem sie mit zwei Männern zu sehen ist. Es wurde schon 2012 veröffentlicht, allerdings war das mediale Interesse damals nicht so hoch. Denn inzwischen ist der Fall vor Gericht. Es geht um Vergewaltigung und die Frage nach Opfer und Täter. Es geht um Wahrheit und Schutz.

Journalisten, die das ganze Video gesehen haben, berichten von Szenen, die in keinster Weise an einen inszenierten PR Gag denken lassen. In der Welt liest man beispielsweise „Aber in diesem Film wirkt sie wie ausgewechselt. Merkwürdig abwesend, nein, abwehrend. Sie liegt auf einer Couch, dreht den Kopf zur Seite und wiederholt immer dieselben Worte: „Hör auf!“
Was sagen uns diese Worte? Merkwürdig, wie ausgewechselt, abwesend, abwehrend. Und das immer wieder zitierte „Hör auf!“.
Es ist vollkommen egal, was für ein Bild man von Gina-Lisa Lohfink hat. Es ist irrelevant, wie sie sich in der Öffentlichkeit gibt, kleidet, was sie sagt und mit was für Szenen sie bisher auf sich aufmerksam gemacht hat. Bei dieser Sache ist sie ein Opfer. Ein Opfer, dass für seine Rechte einstehen will und kämpft. Für sich und für alle Menschen, die ähnliche Situationen erlebt haben. Sie steht mutig für eigentlich selbstverständliche Rechte ein und erntet dafür einen nicht enden wollenden Medienrummel, mit hässlichen Kommentaren, verurteilenden Worten und einer Erniedrigung ihrer Person.
In den wenigsten Artikeln der großen deutschen Presse wird Solidarität gezeigt. Stattdessen wird wahlweise versucht, möglichst sachlich über die Vorfälle zu berichten – wozu natürlich auch der öffentliche Zusammenbruch im Gerichtsgebäude gehört – oder sie wird zu einem Klischee des „wasserstoffblonden Busensternchens“, dass sich einmal bei GNTM versucht hat.
„Sie hat ja vorher schon solche Videos gedreht, da soll sie sich jetzt nicht so anstellen.“
„Wer sich so präsentiert, ist selbst Schuld.“
Hör auf! Das sollte ein klares Indiz sein und doch steht jetzt das Opfer vor der Anklagebank und soll eine hohe Geldstrafe wegen Falschaussage zahlen. Und ich sage bewusst Opfer, denn nichts anderes war sie in dieser Situation und ist sie jetzt, wo das Recht in unserem ach so liberalen Staat, eine misshandelte Frau nicht schützt. Was ist ein Mensch noch wert, wenn er erniedrigt, gedemütigt und misshandelt werden kann, um anschließend in den Dreck getreten zu werden.
Schon vor längerer Zeit wurde über eine mögliche Überarbeitung des deutschen Sexualstrafrechts diskutiert. Ein verbal ausgesprochenes Nein sollte ein eindeutiges Zeichen sein, dass die Person keiner sexuellen Handlung zustimmt. Alles was danach passiert, gilt dann als Vergewaltigung.
Es wurde nicht durchgesetzt.
Eine vergewaltigte Person muss sich körperlich wehren, damit von einer Vergewaltigung gesprochen werden kann. Ist dies nicht ersichtlich, aufgrund optischer Indizien, gilt sie als Lügnerin.
Das Gesetz ist vollkommen auf das Opfer fokussiert und natürlich gilt in unserem Rechtsstaat, dass der Angeklagte frei ist solange seine Schuld nicht bewiesen wurde. Aber in diesem Fall ist klar, dass es sich nicht um einvernehmlichen Sex handelt. Dass die Frau sich zwar nicht aktiv wehren kann wehrt, aber doch mehrmals hörbar sagt, dass die Dinge gegen ihren Willen geschehen.

Es wird häufig von der Gefahr gesprochen, dass Männer schnell zu Unrecht verurteilt werden können, wenn es keine eindeutigen Beweise gibt. Diese Angst verstehe ich, aber es impliziert, dass Frauen von vornherein dazu neigen, in diesem Fall zu ihrem eigenen Vorteil zu handeln und die Männer deshalb stärker geschützt werden müssen. Es soll hier gar nicht um die Geschlechterfrage gehen, aber doch sind es immer wieder Frauen, die verurteilt werden. Frauen zeigen sich in Musikvideos zu aufreizend. Frauen spielen mit den Männern, in dem sie ihre Sexualität einsetzen. Frauen müssen vermeiden, nachts alleine durch die Straßen zu gehen. Frauen sollten sich nicht zu weiblich kleiden, wenn sie ernst genommen werden wollen. Väter verbieten ihren Töchtern, bestimmte Kleidungsstücke zu tragen, Partner wollen nicht, dass andere Männer ihre Freundinnen anstarren und finden, dass sie dieses eine Top nur zuhause tragen sollte. Frauen verurteilen andere Frauen für wechselnde Affären. Und gibt es überhaupt etwas zwischen prüde und schlampig?
Hat irgendjemand schon mal Channing Tatum vorgeworfen, dass er sich zu billig gibt, weil er öffentlich von seiner Karriere als Stripper berichtet und mittlerweile zwei Filme zu dem Thema gedreht hat? Interessiert es irgendjemandem, wie tief ausgeschnitten Justin Biebers Shirts sind, oder dass die Boxershorts des Nachbarn zu sehen ist, weil seine Jeans fast unterm Hintern hängt?
Wo ist der Unterschied? Warum werden Frauen so viel häufiger sexualisiert als Männer? Was ist falsch daran, gerne eine Frau zu sein und dies auch zu zeigen? Nur weil ich schon mehrere Männer vor dir hatte, heißt das nicht, dass ich mich nur kurz ziere, oder mich unter Wert verkaufe. ICH bestimme über das, was ich will. ICH entscheide, wer mich wann wie berühren darf und nur ICH muss mich im Spiegel anschauen können.

Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen seine Würde zu nehmen.

Gelesen: Underground Economy – Sudhir Venkatesh

In dem Buch berichtet der Soziologe Sudhir Venkatesh über die Feldstudie, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität von Chicago in den 90er Jahren betrieb. Dabei geht es um die Erforschung der sozialen Strukturen und Lebensbedingungen in den Sozialbaugebieten Chicagos.

Sein Weg führt ihn in die Robert Taylor Homes, die von einer Drogengang beherrscht werden. Sein Plan ist, mit ausgearbeiteten Fragen mehr über die sozialen Verhältnisse und Lebensweisen der Bewohner zu erfahren. Schnell merkt der junge Doktorand jedoch, dass er mit seinem Fragebogen und naiver Unschuld nicht weit kommen wird, da die dort lebenden Menschen Außenstehenden eher misstrauisch gegenüber eingestellt sind. Sudhir schafft es, sich mit J.T., dem jungen Anführer der dort herrschenden Drogengang „Black Kings“ anzufreunden und gewinnt dessen Vertrauen. Unter der Annahme, dass Sudhir seine Biografie schreibt, nimmt dieser ihn unter seine Fittiche und gewährt ihm Einblicke in das Leben im amerikanischen Ghetto und der Organisation einer mit Drogen handelnden Gang. Fast zehn Jahre besucht Sudhir regelmäßig die Robert Taylor Homes und gewinnt das Vertrauen vieler Bewohner. Er schließt Freundschaften und gewinnt Einblicke in das Leben der sozialschwachen Schicht Amerikas. Was als Feldstudie für seine Promotion begann, endet als spannende Reportage über ein Viertel in dem mehr als 90% der Bewohner von Sozialhilfe leben. Man erfährt etwas über die wirtschaftlichen und institutionellen Mechanismen, die vorherrschen, wenn eine Gemeinschaft von der Regierung und staatlichen Sicherheitskräften aufgegeben wurde. Zudem gibt sie Einblicke in die Arbeit einer lokalen Drogengang und deren Hierarchieaufbau.

Mir hat vor allem die Mischung aus sachlicher Betrachtung und gleichzeitiger Nähe zu den Bewohnern zugesagt, die der Autor in seinem Werk beschreibt. In einem illegalen Markt werden während der Tauschbeziehung keine rechtlichen Regelungen eingehalten. Die Teilnehmer müssen also ihre eigenen Mechanismen finden, um Regelungen und Verträge durchzusetzen.Natürlich kennt man Geschichten über Ghettos und die Gesetze von Drogengangs, aber dass ein Wissenschaftler sich so nah an seine „Quelle“ bewegt, ist auf jeden Fall bemerkenswert und bietet neue Eindrücke. Der Autor schafft es, dass man Mitgefühl mit einem Crack Dealer empfindet und trotzdem schockiert Passagen liest, in denen die Gewalt beschrieben wird, mit der die Gruppe über ihr Territorium herrscht. Besonders schlimm fand ich die Beschreibung des geduldeten Missbrauchs und des Todes zweier Kindern, die unabsichtlich in den Kampf zweier verfeindeter Gangs geraten sind.

Aufgrund einer Uni Arbeit, habe ich das Buch in der Hoffnung gelesen, mehr über die wirtschaftlichen Aspekte des Drogenhandels zu erfahren. Allerdings liegt der Fokus hier ganz klar auf den soziologischen Aspekten. Mich hat die Geschichte und Schreibweise jedoch so gefesselt, dass ich das Buch trotzdem beendet habe und dabei von den Geschichten und Schicksalen der verschiedenen Figuren gefesselt wurde. Man erfährt interessante Fakten und bekommt sehr persönliche und nahe Einblicke in eine Gesellschaftsform, mit der man im Alltag kaum bis keine Berührungspunkte hat. Enttäuschend ist für mich nur, dass Prof. Venkatesh es zwar schafft, eine detaillierte und sehr persönliche Geschichte über das Leben in einem amerikanischen Ghetto zu erzählen, gleichzeitig jedoch keinerlei neuen Ansätze für die Verbesserung der Lage macht. Er sieht sich selbst als eine Art stiller Beobachter und vermeidet es, bis auf ein paar Ausnahmen, in das Geschehen einzugreifen. Am Ende des Buches war es für mich deshalb unbefriedigend zu wissen, dass diese Menschen genauso weiterleben werden wie bisher. Mit Drogen, Prostitution, Unterdrückung, Korruption und Herrschaft durch Gewalt.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 336 Seiten || Verlag: Econ (9. Oktober 2008) || ISBN-10: 3430200199 || Originaltitel: Gang Leader for a Day. A Rogue Sociologist Takes to the Streets

 

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