Buchneuerscheinungen – Juni 2019

Langsam wird es wärmer, wird auch Zeit wirklich Zeit, wo der Juni doch schon vor der Tür steht. Dann kann man endlich wieder mit den Büchern draußen am See oder auf dem Balkon liegen.

1. Gabriel García Márquez – Die Liebe in den Zeiten der Cholera

„Die schönste Liebesgeschichte der Welt und einer der bedeutendsten Romane des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage wartet Florentino Ariza auf Fermina Daza. Schon als Achtzehnjähriger hat er sich unsterblich in sie verliebt, in ihren stolzen Gang und den schweren Zopf auf ihrem Rücken. In poetischen Briefen hat er um sie geworben, für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit gewonnen, und sie dann doch an Doktor Juvenal Urbino verloren. Aber nie hat er aufgehört, sie zu lieben.“ (Quelle)

Keine Neuerscheinung in dem Sinne, sondern ein Klassiker in neuem Gewand. Da ich das Buch aber noch nie gelesen habe, es aber auf meiner Liste von „Büchern, die ich im Leben gelesen haben will“ steht, ist es eine Auflistung wert.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 512 Seiten || Verlag: FISCHER  || Erscheinungsdatum: 26.06.2018 || ISBN: 978-3-492-31221-9|| Preis: 11,00 €

2. Theresa Hannig – Die Unvollkommenen

„Bundesrepublik Europa, 2057: Es herrscht Frieden in der Optimalwohlökonomie, einem lückenlosen Überwachungssystem, in dem mithilfe von Kameras, Linsen und Chips alles erfasst und gespeichert wird. Menschen und hochentwickelte Roboter sollen Seite an Seite leben. Störenfriede werden weggesperrt.So auch die Systemkritikerin Lila. Als sie im Gefängnis aus einem künstlichen Koma erwacht, stellt sie fest, dass ihr schlimmster Albtraum wahr geworden ist: Die BEU wird von einer KI regiert. Samson Freitag wird als Gottkönig verehrt und erpresst von den Bürgern optimalkonformes Verhalten. Für Lila steht fest, dass sie Samsons Herrschaft und die Entmündigung der Menschen beenden muss. Ihr gelingt die Flucht, doch Samson spürt sie auf und bietet ihr einen Deal an, den Lila nicht ausschlagen kann…“ (Quelle)

Klingt mega spannend und zwischendurch lese ich sehr gern Zukunftsutopien/-dystopien.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 399 Seiten || Verlag: Bastei Lübbe || Erscheinungsdatum: 28.06.2019 || ISBN:  978-3-404-20947-7 || Preis: 10,00 €

3. Johannes Klaus – The Travel Episodes: Über die Lust am Alleinreisen

„Jeden Tag nach den eigenen Wünschen und Vorlieben leben? Die Freiheit, zu bleiben oder zu gehen, wie es einem beliebt? Im eigenen Tempo reisen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen? Diese Autorinnen und Autoren erzählen vom Reisen mit sich selbst und wie es die eigene Wahrnehmung verändert. Denn das Solo-Reisen öffnet verborgene Türen und fremde Herzen, es macht verwundbar, aber auch empfänglich für die Wunder der Ferne. Diese Geschichten zeugen von der Lust, einfach allein loszuziehen und doch nicht einsam zu sein. Für Alleinreisende und all jene, die es werden wollen“ (Quelle)

Meine erste kleine Soloreise steht im Juni an. Zwar erst mal nur eine Woche und ich bleibe innerhalb von Deutschland, aber aufregend ist es trotzdem. Ferne Ländern faszinieren mich, vor allem wenn man sie fernab von Pauschaltourismus und Reisegruppen kennenlernen kann. Von diesem Buch erhoffe ich mich Inspiration, ein bisschen Mut neue Länder auch allein zu erkunden und vor allem eine Prise Fernweh.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 256 Seiten || Verlag: Malik  || Erscheinungsdatum: 04.06.2019 || ISBN: 978-3-492-40500-3 || Preis: 15,00 €

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Werbeanzeigen

Gelesen: Paulo Coelho – Untreue

Mehr als ein Jahr ist vergangen, ohne dass ich diesen Blog mit Leben gefüllt habe. Ich hatte irgendwie zu viele andere Dinge in meinem Leben und die Lust an diesem verloren. Die Lust ist aber wieder da und ich überlege, wie ich das hier anders gestalten kann. Andere Inhalte vielleicht, oder eine zweite Plattform dafür… Mal schauen, was ich da mache, aber starten möchte ich mit einem „Gelesen“ Artikel.

Von Paulo Coelho kannte ich bereits „Der Alchimist“, was mir damals gut gefallen hat. Eine philosophische Geschichte, erzählt mit einem nüchternen und verständlichen Schreibstil, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Als ich dann in einer Buchhandlung auf dem Sonderangebote Tisch den Namen „Coelho“ entdeckte, zögerte ich nicht lange und nahm das Buch mit.
Vorweg möchte ich sagen, dass die Bücher von Coelho nicht für jeden Geschmack etwas sind. Man muss bereit sein, sich in diese Gedankenwelt fallen zu lassen und ein wenig zwischen den Zeilen des schnörkellosen Schreibstils forschen.

untreue-9783257243482
Bildquelle

Handlung

Die Protagonistin Linda ist 31 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern in Genf. In ihrem Beruf als Journalistin ist sie erfolgreich und dank des Jobs ihres Mannes genießt ihre Familie nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch einen gewissen Luxus im Alltag. Man könnte meinen, Linda lebt ein perfektes Leben, aber schon auf den ersten Seiten wird klar, wie unglücklich diese Frau ist. Sie stellt ihr Leben, ihre Entscheidungen und persönlichen Werte in Frage. Der Alltag mutet für sie wie ein Gefängnis an, langweilig und bedeutungslos. Als sie im Rahmen eines Interviews auf ihren Exfreund Jakob aus Schulzeiten trifft, beginnt sie mit ihm eine Affäre und verspürt endlich wieder tiefe Emotionen. 

Thematik

In gewisser Weise ist die Untreue von Linda nur ein Versuch, ihren traurigen Gefühlen und eigentlichen Problemen zu entkommen. Das Thema Depressionen kommt zur Sprache, allerdings finde ich es schwierig einzuordnen ob Linda tatsächlich daran leidet. Dafür wird mir die Thematik zu oberflächlich behandelt.
Die heimlichen Treffen geben Linda einen Kick und sie verfällt in eine regelrechte Obsession diesem anderen Mann gegenüber. Stalkt ihn und seine Frau und versucht sich für ihn unverzichtbar zu machen. Gleichzeitig empfindet sie Scham und Schuldgefühle ihrem Ehemann gegenüber, der sich verständnisvoll und liebevoll zeigt, als sie ihm von ihren traurigen Gedanken berichtet. Es wird klar, dass Lindas Problem nicht die Ehe mit ihrem Mann ist, den sie definitiv liebt, sondern vielmehr eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, zu schnell „erwachsen“ geworden zu sein. Gerade in den ersten Kapiteln konnte ich die scheinbar irrationale Negativität von Linda gut nachvollziehen, auch wenn diese auf rein egoistischen Motiven beruht. Aber sind wir nicht alle irgendwie egoistisch, vor allem wenn es um das eigene Glück geht? Einige ihrer Gedanken haben mich zum Nachdenken über mein eigenes Leben angeregt. Ist es sinnvoll, immer dem vermeintlich geraden Weg zu folgen oder macht es an einigen Abbiegungen Sinn, eventuell mal in eine andere Richtung zu denken und etwas zu wagen? Denn sobald man nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist (Stichwort Eigentum & Familie…), ist es viel schwieriger, Wagnisse einzugehen. Der Ehebruch macht Linda nur kurzzeitig glücklicher, wobei ich dieses Wort auch schwierig finde, es ist eher so, dass sie intensiver „fühlt“, sich dem „Trott“ entronnen sieht und endlich wieder Aufregung verspürt.

Schlussendlich kehrt Linda reumütig zu ihrem Mann zurück, mit der Absicht ihm alles zu beichten. Als dieser ihr jedoch das Gefühl gibt, zu wissen was vorgefallen ist, wobei er mit unerwartetem Verständnis reagiert und davon spricht, dass der Mensch und die Liebe im Allgemeinen nicht immer vernünftig sind, schweigt sie. Scheinbar geben die beiden ihrer Ehe eine neue Chance und erkennen, dass es am Ende nur auf die Liebe ankommt.

Das Ende hat mich demnach irgendwie enttäuscht zurückgelassen. Es mutet fast kitschig an, wie die Familie Silvester feiert und Linda sich wieder geborgen und angekommen fühlt. Im Endeffekt hat sie nichts an ihrem Leben geändert, sondern ist ausgebrochen, hat ihren Mann betrogen und dabei erkannt, dass das was sie hatte auch das ist, was sie eigentlich will.
Ist das nun eine Rechtfertigung für Affären, da sie einem zeigen, was man hat? Diese Erklärung finde ich zu einfach. Auch ihren Mann verstehe ich nicht. Wusste er nun, dass sie eine Affäre hatte oder redet Linda sich nur ein, dass er Verständnis für ihre Situation hat und eigentlich ahnt er nichts von ihrem Betrug? Denn seine ruhige Art und das einfache Hinnehmen der Situation ist für mich nicht nachvollziehbar.

Fazit

Insgesamt ist die Handlung relativ simpel und die Geschichte lebt für mich vom Schreibstil und den Denkanstößen des Autors. Die erste Hälfte des Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich habe über viele Dinge nachgedacht. Wie verwöhnt ist unsere Gesellschaft, mit all den Annehmlichkeiten, die die westliche Welt bietet. Wir meinen, dieses Leben sinnvoll nutzen zu müssen und scheitern vielleicht daran „sinnvoll“ zu definieren. Ist mit „sinnvoll“ nicht vor allem gemeint, dass wir uns glücklich und mit uns selbst, unseren Entscheidungen und der Art zu leben im Reinen fühlen? Das Ende kam dann sehr abrupt und erinnerte mich an einen schlechten Liebesfilm, der am Ende noch versucht eine moralische Botschaft mitzugeben, welche man in dieser Form schon hundertmal gehört oder gesehen hat.
Das Buch liest sich schnell weg und hat mich zum Teil gut unterhalten und auch zum Nachdenken angeregt. Eine direkte Empfehlung würde ich aber nicht aussprechen, da gibt es sicherlich andere Bücher mit ähnlicher Thematik, die einen größeren Mehrwert bieten.

yfKVEohTQoen%Rzkjmjpbg

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 320 Seiten || Verlag: Diogenes Verlag     (01. Mai 2016) || ISBN-13: 978-3-257-24348-2 || Preis: 12,00 €

Gelesen: Christine Zureich – Garten, Baby!

Mein Elternhaus liegt am Rand von Hamburg, genau an der Elbe. Ich bin zwischen Kuhweiden, Äckern und Teichen groß geworden und war auf einen Bus angewiesen, der nur einmal die Stunde fuhr.
Ich habe es geliebt, so nah an der Natur zu sein, aber spätestens als Teenager wurde die Sehnsucht nach der Stadt, nach einem reichhaltigen Angebot an Kultur- und Freizeitbeschäftigungen und kurzen Wegen groß. Also bin ich in zentrale Lage gezogen und erfreue mich nun an der großstädtischen Anonymität.
Trotzdem war mir ein Park in der Nähe wichtig und das Gefühl, nicht sofort mit Verlassen des Hauses, auf einer vielbefahrenen Straße zu stehen. Denn da ist immer noch das Verlangen nach Natur und Stille. Der Wunsch, an einem kühlen Morgen über nebelverhangene Felder zu spazieren und ganz still und ehrfürchtig stehen zu bleiben und das aufgetauchte Reh zu beobachten.
Urban Gardening ist ein Kompromiss zwischen den Vorzügen der Großstadt und naturnahen Randgebieten. Deshalb hat mich der Roman „Garten, Baby!“ mit seinem wunderschönen Cover auch gleich angesprochen, der mir vom Ullsteinfünf-Verlag zum Vorab Lesen zugeschickt wurde.

 

9783961010158_cover
Bildquelle

Handlung
Das Mittdreißiger-Paar Doro und Rob lebt zwar in der Großstadt, ist der Natur aber sehr verbunden. Gemeinsam mit ihrem Nachbarn Fred haben Doro und Rob deshalb im Hinterhof ihres Mietshauses ein eigenes Gartenprojekt gestartet. Die ganze Wohngemeinschaft wird in das Projekt eingebunden und zwischen Zucchini Pflanzen und überzüchteten Katzen wird über das Leben philosophiert, Freundschaft geschlossen, geliebt und gestritten.

Thematik
Verschiedene Generationen und Charaktere von Menschen finden in diesem Buch zusammen und in kurzen Kapiteln wird aus ihrem Leben erzählt. Auch wenn die Geschichte aus Sicht von Doro erzählt wird, erfährt man doch viel über die anderen Hausbewohner, die ohne das gemeinsame Gartenprojekt wohl niemals miteinander in Kontakt gekommen wären.
Gerade in großen Mietshäusern ist Anonymität vorherrschend und die meisten Leute wissen nicht mal die Namen ihrer Nachbarn, außer diese nehmen regelmäßig ihre Zalando Pakete an…

Christine Zureich beschreibt, wie es auch anders sein kann. Da wird der alleinerziehenden Mutter geholfen, wenn sie kurzfristig eine Betreuung für ihr Kind braucht. Da bekommt man jeden Beziehungsstreit der Nachbarn mit und nimmt Rücksicht, wenn es mal wieder heftig gescheppert hat. Es wird über die Marotten der alten Frau Dittrich gelacht, die geradezu klischeehaft gelangweilte Rentnerin, für die es nicht spannenderes gibt, als das Leben ihrer Nachbarn.
Durch die kurzen Kapitel werden kleine Geschichten mitten aus dem Leben erzählt, die zwar aufeinander aufbauen, aber doch in sich geschlossene Kurzgeschichten sein könnten. Das macht den Lesefluss sehr angenehm.

Fazit
Ich brauchte einen Moment um in den Schreibstil der Autorin zu finden, der für mich neu und gewöhnungsbedürftig war. Ehrlicherweise war ich bei der Kürze des Romans davon ausgegangen, ihn flüchtig und locker weg lesen zu können. Der Schreibstil erforderte von mir aber doch ein gewisses Maß an Konzentration und Ruhe, um die Wörter ganz auf mich wirken lassen zu können. Dann war das Lesen aber ein Genuss.

Mir hat es sehr gut gefallen, dass durch das Projekt des gemeinsamen Gartens ein Rahmen geschaffen wurde, indem die verschiedenen Protagonisten zusammenkamen. Dadurch wirkte es stimmig, dass diese unterschiedlichen Charaktere so viel miteinander teilen. Es war schön zu lesen, wie die einzelnen Figuren Entwicklungen durchliefen. Bei einigen Situationen musste ich auch schmunzeln, denn gerade die Figur der neugierigen und meckernden Frau Dittrich kommt wohl jedem irgendwie bekannt vor.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten und den Traum eines eigenen Gartens wieder größer werden lassen.

img_0300.jpg

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 176 Seiten || Verlag: Ullstein fünf Verlag  (23. Februar 2018) || ISBN-13: 978396101015 || Preis: 16,00 €

Vielen lieben Dank an den Ullstein fünf Verlag für das *Rezensionsexemplar.

Buchneuerscheinungen – Februar 2018

Der erste Monat diesen Jahres ist schon rum und ich bin sehr wenig zum Lesen gekommen. Irgendwie hänge ich noch ein bisschen fest im letzten Jahr. Nichtsdestotrotz gibt es im Februar drei tolle Bücher, die ich mir näher anschauen will.

1. Ellen Marie Wiseman – Die bittere Gabe

„Noch nie im Leben durfte die zehnjährige Lilly ihre Kammer auf Blackwood Manor verlassen. Die Menschen würden bei ihrem Anblick zu Tode erschrecken, so ihre Mutter. Umso erstaunter ist das Mädchen, als sie eines Tages mit in den Zirkus darf. Doch statt eine Vorstellung zu bestaunen, wird Lilly an die Freakshow verkauft und fortan als »Eisprinzessin« ausgestellt. Ihr Schicksal bessert sich erst, als sie entdeckt, wie gut sie mit den Elefanten umgehen kann. Aber erst zwanzig Jahre später wird ihr hartes Los gesühnt …“ (Quelle)

Ich bin gespannt, welche „Gabe“ Lilly hat und was das alles mit Elefanten zu tun hat. Das Zirkusleben fand ich schon immer faszinierend und die Geschichte klingt sehr mysteriös und wird sicher auch teilweise hart sein.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 464 Seiten || Verlag: Piper  || Erscheinungsdatum: 01.02.2018 || ISBN: 978-3-492-31221-9|| Preis: 11,00 €

produkt-10003281
Bildquelle

2. Elena Ferrante – Die Geschichte des verlorenen Kindes

„Elena ist schließlich doch nach Neapel zurückgekehrt, aus Liebe. Die beste Entscheidung ihres ganzen Lebens, glaubt sie, doch als sich ihr nach und nach die ganze Wahrheit über den geliebten Mann offenbart, fällt sie ins Bodenlose. Lila, die ihren Schicksalsort nie verlassen hat, ist eine erfolgreiche Unternehmerin geworden, aber dieser Erfolg kommt sie teuer zu stehen. Denn sie gerät zusehends in die grausame, chauvinistische Welt des verbrecherischen Neapels, eine Welt, die sie Zeit ihres Lebens verabscheut und bekämpft hat.“ (Quelle)

#Ferrantefever. Mehr muss ich nicht sagen, denn ich fiebere diesem Buch wirklich entgegen.

Informationen zum Buch: Gebunden: 614 Seiten || Verlag: Suhrkamp || Erscheinungsdatum: 02.02.2018 || ISBN: 978-3-518-42576-3 || Preis: 25,00

42576
Bildquelle

3. Joanna King – Vier Schwestern

„Vier Schwestern, die sich Jahre nicht gesehen haben, treffen sich zum gemeinsamen Sommerurlaub in einem Küstenort der Cinque Terre. Sie hoffen auf unbeschwerte Tage und Dolce Vita – bis eine der vier ohne Nachricht verschwindet. In den nervösen Stunden der Suche und des Wartens treten zwischen den anderen Spannungen zutage, die weit zurückreichen in die Zeit ihrer Kindheit und Jugend. Hätten die Schwestern den jahrelangen Streit ihrer Eltern beschwichtigen, vielleicht sogar deren Trennung verhindern können? Und sind ihre eigenen Ehen und Beziehungen wirklich so vorbildhaft, wie sie es sich gegenseitig glauben machen wollen?
Mit einem Mal scheint für alle alles auf dem Prüfstand zu stehen: Ehemänner und Geliebte, Wertvorstellungen und Lebensmodelle, Zukunftshoffnungen und die Vergangenheit der gesamten Familie.“ (Quelle)

Die Beziehungen innerhalb von Familien sind bisweilen sehr kompliziert und diese klingt nach viel Drama. Durch den Aspekt der verschwundenen Schwester kommt zusätzlich ein geheimnisvoller Faktor und ich bin gespannt, was die Geschichte bringt!

Informationen zum Buch: Gebunden: 256 Seiten || Verlag: mare  || Erscheinungsdatum: 13.02.2018 || ISBN: 978-3-86648-268-5 || Preis: 20,00 €

Vier Schwestern_Cover_U1.indd
Bildquelle

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: Dann schlaf auch du – Leïla Slimani

Der Roman „Dann schlaf auch du“ von Leïla Slimani wurde in Frankreich mit dem Literaturpreis Prix Goncourt ausgezeichnet und auch hier in Deutschland überschlagen sich förmlich die positiven Kritiken. Ich bin dementsprechend mit sehr hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und habe es nach zwei Tagen beendet.

Dann schlaf auch du von Leila Slimani
Bildquelle

Handlung
In dem Roman wird die Geschichte der jungen Familie Massé und ihrer Nanny Louise erzählt. Myriam und Paul sind jung Eltern geworden und leben mit ihren zwei Kindern Mila und Adam in Paris. Paul ist auf dem Weg ein erfolgreicher Musikproduzent zu werden und auch Myriam möchte endlich als Anwältin in das Berufsleben einsteigen.
Um all das unter einen Hut zu bekommen, entscheiden die beiden, ein Kindermädchen einzustellen: Louise.
Innerhalb kürzester Zeit macht sich Louise für das junge Paar unentbehrlich. Nicht nur, dass sie sich hervorragend um die Kinder kümmert, sie macht nebenbei den Haushalt, kocht für die Familie und sorgt dafür, dass sich alle wohl fühlen.
Sie ist ein Teil der Familie und wird von Myriam und Paul sogar mit in den Urlaub genommen. Alles scheint perfekt, aber nach und nach bemerkt das junge Paar immer mehr Eigenarten in Louises Verhalten und vor allem Myriam beginnt Louise unheimlich zu werden. Allerdings ahnt die junge Mutter nichts von den Abgründen, die sich in Louises Seele auftun und schließlich kommt es zur Tragödie…

Thematik
Dieses Buch verrät schon auf den ersten zwei Seiten die ganze Tragödie dieser Geschichte. Was auf den folgenden Seiten beschrieben wird ist eine erschreckende und zugleich sehr passende Beschreibung unserer Gesellschaft.
Die Autorin beschreibt die Abgrenzung zwischen zwei verschiedenen sozialen Klassen. Obwohl die Geschichte in Frankreich spielt, lässt sich dieses Bild genau so auf Deutschland übertragen
Die Nanny Louise ist ein Gast im Haus ihrer Arbeitgeber. Ein sehr willkommener zwar, den man auch übernachten lässt, aber doch ein Gast. Das Paar will ein guter Arbeitgeber sein und versucht, es der Nanny angenehm zu machen und ihr kein schlechtes Gefühl zu geben. Aber wenn Louise auf Freunde der Familie trifft, gibt es kein gemeinsames Gesprächsthema und die Kluft zwischen den beiden Seiten wird deutlich. Da ist eine unsichtbare Linie, die nicht überschritten wird.
Trotzdem ist die Nanny der Familie so nah, wie niemand sonst. Sie kennt ihre Sorgen und Nöte, bekommt Streitereien und intime Momente mit. Und ihr wurde der kostbarste Schatz dieser Familie anvertraut. Das Leben der eigenen Kinder.
Louise fühlt sich in ihrem eigenen Leben nicht wohl. Ihre Wohnung ist für sie nur ein Ort, an dem sie die Zeit überbrücken muss, bis sie wieder in ihr „wahres Zuhause“ fahren kann.

Die Autorin ist selbst Mutter und beschreibt auf den Punkt genau den Konflikt, der viele junge Paare und vor allem Frauen heutzutage beschäftigt.
Wie kann man sich sicher sein, alles unter einen Hut zu kriegen? Und ist das überhaupt zu schaffen? Insgeheim gibt es doch häufig die Gewissheit, dass es nicht möglich ist, gleichzeitig Karriere zu machen, das eigene Sozialleben zu pflegen und voller Liebe und Hingabe die Kinder großzuziehen. Und wo macht man Abstriche?

„Sie hatte die Vorstellung immer weit von sich gewiesen, dass die Kinder ihren persönlichen Erfolg und ihre Freiheit beeinträchtigen könnten. Wie ein Anker, der einen mit nach unten reißt, der das Gesicht des Ertrunkenen in den Schlamm zieht. Diese Erkenntnis hatte sie anfangs total deprimiert. Sie fand es ungerecht und entsetzlich frustrierend. Ihr war klar geworden, dass sie das Gefühl, unvollkommen zu sein, die Dinge nicht richtig zu machen, einen Bereich ihres Lebens zugunsten eines anderen zu opfern, nie wieder loswerden würde. Sie hatte ein Riesendrama daraus gemacht und partout nicht von ihrer Idealvorstellung der Mutterrolle abweichen wollen. Hatte darauf beharrt zu glauben, dass alles möglich sei, dass sie all ihre Ziele erreichen würde, dass sie weder verbittert noch erschöpft sein würde. Dass sie weder Märtyrerin noch die Mutter Courage geben würde.“

(Leïla Slimani, Dann schlaf auch du, S.40f)

Myriam und Paul bekommen mit, dass Louise hoch verschuldet ist und ohne die Familie vereinsamt. Sie empfinden einige ihrer Taten sogar als grenzüberschreitend und wollen den klammernden Griff lösen, mit dem Louise an ihnen festhält.
Aber sie schauen dann doch immer wieder weg, denn sie brauchen die Sicherheit, die diese ihnen bietet. Sie wissen nicht mehr, wie sie ohne sie auskommen sollen.

Fazit
Dieses Buch ist kein Thriller oder Kriminalroman, auch wenn ich das zunächst erwartet habe. Die Autorin schreibt in einem ruhigen Stil, der aber nach und nach eine Wucht entfaltet und einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

In einigen Kapiteln wird mit Rückblicken aus Louises Vergangenheit gearbeitet, wobei zum Teil aus der Sicht anderer Figuren geschildert wird.
Dadurch erfährt man viel über die Gefühlslage des Kindermädchens und das unter der perfekt gepflegten Oberfläche eine unsichere Persönlichkeit liegt.
Allerdings finde ich, dass hier noch mehr hätte erklärt werden können. Viele Fragen bezüglich Louises Verhalten bleiben offen und vor allem das Ende hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen.

Ich habe das Buch deshalb nicht nur mit einem tiefen Aufseufzer zugeklappt, sondern auch mit dem Gefühl, noch nicht ganz am Ende angekommen zu sein. Das war ein bisschen schade.
Trotzdem hat mich „Dann schlaf auch du“ sehr nachdenklich gestimmt und vor allem der ruhige Schreibstil Slimanis hat mir unheimlich gut gefallen! Den Namen der Autorin werde ich mir definitiv merken.

IMG_0260

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 224 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag (21. August 2017) || ISBN: 978-3-630-87554-5|| Preis: 20,00 €