Wie viel Milch brauchen wir?

Laut aktuellen Medienberichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhalten Milchbauern schätzungsweise nur noch 20 Cent pro Liter Milch. Damit ist der Preis in der jüngsten Zeit noch einmal drastisch gesunken.
20 Cent. Das bedeutet, dass die meisten Bauern nicht einmal ihre Kosten decken können. Und 20 Cent bedeuten für uns Verbraucher, dass wir im Supermarkt zu den Angeboten für greifen können, bei denen der Liter Milch nur 55 Cent kostet. Wie entstehen diese Zahlen? Ganz einfach gesagt, besteht das typische Wirtschaftsprinzip, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Wenn das Angebot jedoch die Nachfrage übersteigt, müssen die Preise sinken. Genau das ist momentan der Fall. In Europa und auch Deutschland wird viel mehr Milch produziert, als die Konsumenten nachfragen. Gründe sind das Auslaufen der Milchquote in der EU vor einem Jahr, wodurch die europäischen und deutschen Milchbauern mit Anbietern auf einem Weltmarkt konkurrieren müssen, der Importboykott Russlands als Antwort auf verhängte Sanktionen und eine gesunkene Nachfrage aus China.
Allerdings werden Rufe laut, dass auch der mächtige Handel einen Teil der Verantwortung dafür trägt, dass schon viele kleinere Bauern ihren Betrieb aufgeben mussten. Es ist von Preisdumping und Konkurrenzkämpfen die Rede, bei denen zuerst die Kleinsten auf der Strecke bleiben. Die Macht der großen Einzelhändler ist eine andere Geschichte, Fakt ist aber, dass sie nicht allein für diese Situation verantwortlich sind.
Es ist traurig, wenn Menschen plötzlich vor dem Ende ihrer Existenz stehen, kleine Betriebe geschlossen werden müssen, weil es den Bauern in unserer Welt nicht mehr möglich ist, in einem Wettbewerb zu bestehen. Allerdings muss man sich als Verbraucher auch klar darüber werden, woher Milch kommt und dass die Menge, die produziert wird, schon seit Jahren zu viel ist.

Version 2

Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie ein Kalb zur Welt bringen. Dieses wird ihr nach der Geburt weggenommen und meist mit der Flasche aufgezogen, damit die Milch der Kuh vollständig für den Menschen genutzt werden kann. In den ersten Wochen nach dem Kalben ist der Milchfluss am größten, weshalb die Tiere bei der ersten Möglichkeit wieder künstlich befruchtet werden und kalben müssen. Der Milchstrom soll nicht versiegen und die Kuh wirtschaftlich rentabel bleiben. Es ist vielen Leuten nicht bewusst, was für ein Stress das für die Tiere ist. Nicht nur, dass ein Kalb ohne sorgendes Muttertier aufwachsen muss, gleichzeitig muss die Kuh sich einer fast permanenten Schwangerschaft aussetzen und den psychischen Druck aushalten, wieder und wieder von ihren Kälbern getrennt zu werden. Die meisten Milchkühe bleiben nur 4 bis 5 Jahre am Leben, da dann ihre Milchleistung nachlässt. Und das obwohl Kühe bis zu 15 Jahre alt werden können!
Leider ist es in den meisten großen Betrieben so, dass nicht das Wohl der Tiere im Vordergrund steht, sondern das Erreichen der maximalen Produktionsmenge an Milch. Auch Biobauern müssen die Kälber von den Muttertieren trennen und sorgen dafür, dass die Kühe regelmäßig gedeckt werden. Zwar ist das Herrenalter im Schnitt etwas höher als bei konventionellen Betrieben, aber auch hier werden die Kühe geschlachtet, sobald der Milchfluss nachlässt.
Einen guten Artikel zur Haltung von Kühen in einem Biobetrieb findet man hier.

Abgesehen von der ethischen Sicht, ist heutzutage bekannt, dass die Sprüche der Großelter, wie „Du brauchst Milch für deine Knochen“, „Milch ist gesund“ und „Milch lässt dich stärker und größer werden“ so nicht ganz richtig sind. Der menschliche Körper benötigt nämlich keine bestimmten Nahrungsmittel sondern spezielle Nährstoffe. Und diese bekommt man auch anders. Eiweiß kommt in nahezu allen Pflanzen vor, und auch die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren kann über eine rein pflanzliche Ernährung sichergestellt werden. Hülsenfrüchte, Getreide, Sojaprodukte, Nüsse, Quinoa und Amaranth sind besonders gute Eiweißlieferanten. Gute Kalziumquellen sind Mandeln, Sesam, Sojaprodukte und grünblättriges Gemüse wie Grünkohl.
Ich ernähre mich seit ca. sechs Monaten vegetarisch, aber nicht vegan. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Käse in all seinen Formen liebe und unheimlich gern esse. Allerdings wird mein Bewusstsein und mein kritisches Denken in Bezug auf die Nahrungsmittelindustrie und den allgemeinen Konsumwahn unserer Gesellschaft, immer stärker. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, auf reine Milch als Getränk zu verzichten, konsumiere sie aber noch in anderen Produkten wie Käse oder Sahne… Kein Mensch ist perfekt und mein nächster Schritt lautet zunächst einmal, mich intensiver mit diesen Dingen auseinanderzusetzen und vor allem bewusster zu konsumieren.
Ich freue mich über jeden, der mich auf dieser Reise begleitet. Mit all ihren Erfahrungen, Erkenntnissen, Erfolgen und Rückschlägen.

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2 Kommentare zu „Wie viel Milch brauchen wir?

    1. Hallo Georg,
      ja das stimmt!

      Ich denke auch, dass wir ohne Milch leben können. Aber es ist nicht ganz so einfach, wenn man sich nicht intensiv damit auseinandersetzt, wo Milch überall enthalten ist. Allerdings fällt auch das schon leichter, als noch vor ein paar Jahren.

      Liebe Grüße
      Saskia

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