Gelesen: Während die Welt schlief – Susan Abulhawa

Lange ist es hier sehr still gewesen, aber manchmal hält das wirkliche Leben so viel bereit, dass man kaum Zeit für sich selbst findet. Aber jetzt, kurz vor dem Ende diesen Jahres, kehrt doch langsam wieder Ruhe ein und ich finde wieder die Zeit und Freude eine Rezension zu verfassen. Dafür habe ich mir das Buch „Während die Welt schlief“ von Susan Abulhawa ausgesucht.

Waehrend die Welt schlief von Susan Abulhawa
Bildquelle

Handlung
Erzählt wird der Verlauf des Nahost-Konflikts als Familiengeschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Zu Beginn lernt man die palästinensische Familie Abuhija kennen, die friedlich in einem kleinen Dorf lebt. Der Frieden nimmt jedoch jäh ein Ende, als die ganze Dorfgemeinschaft brutal aus ihren Wohnstätten vertrieben wird und Zuflucht in einem Flüchtlingslager finden muss.
Die Protagonistin Amal wird in eben diesem Lager geboren und lernt die wahre Heimat ihrer Eltern nie kennen. Stattdessen muss sie schon früh erfahren, was es heißt, in ständiger Angst zu leben. Obwohl Amal eine innige Beziehung zu ihrem Vater hat, bleibt ihre Mutter ihr immer fern. Während der Vertreibung aus dem Dorf verschwand ihr Bruder Ismael und diesen Verlust hat ihre Mutter nie ganz verkraftet.
Als Leser erfährt man, dass Ismael von einem jüdischen Mann geraubt wurde um seiner traumatisierten Frau ein Kind zu schenken. Der Junge wächst fortan als David auf und weiß nichts von seiner Herkunft.
Amals gesamtes Leben ist geprägt von Krieg, Gewalt und Leid und anhand ihres Einzelschicksals wird geschildert, was einer vertriebenen Familie auf der Flucht vor Krieg widerfahren kann.

Thematik
Die Figuren in diesem Roman sind fiktiv, aber die Geschehnisse sind es nicht. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Ruf nach einem selbstständigen jüdischen Staat lauter. Nach Ausrufung Israels als ebendiesem verschärfte sich der Nahost Konflikt noch weiter. Die Sehnsüchte, Ängste und die Verzweiflung der Familie Abuhija stehen stellvertretend für alle vertriebenen Palästinenser.
Das Buch hat einen autobiografischen Hintergrund und die Autorin prangert an, dass die Welt all die Jahre „geschlafen“ und die leidvolle Situation der Palästinenser nicht ausreichend wahrgenommen hat. Sie wirft den Medien und der Politik vor, die Situation nicht ausreichend oder sogar verzerrt dargestellt zu haben. Dadurch ergibt sich natürlich eine sehr subjektive Beschreibung der Geschehnisse, auch wenn durch Amals Bruder David (Ismael) die jüdische Seite berücksichtigt wird.
Auf beiden Seiten steht Hass, Gewalt und Angst. Es ist schwer, Partei für eine Seite zu ergreifen, denn zu tief und lange währt dieser Krieg. Solche Bücher helfen dabei, verschiedene Seiten zu beleuchten und eine differenzierte Meinung zu entwickeln.

Fazit
Diese Geschichte hat sich tief in mein Gedächtnis gebrannt und ist keine leichte Kost. Ich habe geweint und noch lange nach Ende der Geschichte viel Schmerz empfunden.
Der feine Schreibstil der Autorin zieht den Leser förmlich in die Geschichte hinein und man fühlt mit jeder einzelnen beschriebenen Figur.

Wir leben in einer relativ sicheren Welt und vergessen viel zu häufig, wie es anderen Menschen geht, die nicht das Glück hatten in unserer privilegierten Gesellschaft aufzuwachsen.
Dieses Buch hat mich gelehrt, dass es wichtig ist, die Augen nicht vor dem Rest der Welt zu verschließen. Jede Handlung obliegt einem Grund. Das sollte man nie vergessen.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 484 Seiten || Verlag: Diana (09. April 2012) || ISBN: 978-3-453-35662-7 || Preis: 9,99 €

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