Gelesen: Dann schlaf auch du – Leïla Slimani

Der Roman „Dann schlaf auch du“ von Leïla Slimani wurde in Frankreich mit dem Literaturpreis Prix Goncourt ausgezeichnet und auch hier in Deutschland überschlagen sich förmlich die positiven Kritiken. Ich bin dementsprechend mit sehr hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und habe es nach zwei Tagen beendet.

Dann schlaf auch du von Leila Slimani
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Handlung
In dem Roman wird die Geschichte der jungen Familie Massé und ihrer Nanny Louise erzählt. Myriam und Paul sind jung Eltern geworden und leben mit ihren zwei Kindern Mila und Adam in Paris. Paul ist auf dem Weg ein erfolgreicher Musikproduzent zu werden und auch Myriam möchte endlich als Anwältin in das Berufsleben einsteigen.
Um all das unter einen Hut zu bekommen, entscheiden die beiden, ein Kindermädchen einzustellen: Louise.
Innerhalb kürzester Zeit macht sich Louise für das junge Paar unentbehrlich. Nicht nur, dass sie sich hervorragend um die Kinder kümmert, sie macht nebenbei den Haushalt, kocht für die Familie und sorgt dafür, dass sich alle wohl fühlen.
Sie ist ein Teil der Familie und wird von Myriam und Paul sogar mit in den Urlaub genommen. Alles scheint perfekt, aber nach und nach bemerkt das junge Paar immer mehr Eigenarten in Louises Verhalten und vor allem Myriam beginnt Louise unheimlich zu werden. Allerdings ahnt die junge Mutter nichts von den Abgründen, die sich in Louises Seele auftun und schließlich kommt es zur Tragödie…

Thematik
Dieses Buch verrät schon auf den ersten zwei Seiten die ganze Tragödie dieser Geschichte. Was auf den folgenden Seiten beschrieben wird ist eine erschreckende und zugleich sehr passende Beschreibung unserer Gesellschaft.
Die Autorin beschreibt die Abgrenzung zwischen zwei verschiedenen sozialen Klassen. Obwohl die Geschichte in Frankreich spielt, lässt sich dieses Bild genau so auf Deutschland übertragen
Die Nanny Louise ist ein Gast im Haus ihrer Arbeitgeber. Ein sehr willkommener zwar, den man auch übernachten lässt, aber doch ein Gast. Das Paar will ein guter Arbeitgeber sein und versucht, es der Nanny angenehm zu machen und ihr kein schlechtes Gefühl zu geben. Aber wenn Louise auf Freunde der Familie trifft, gibt es kein gemeinsames Gesprächsthema und die Kluft zwischen den beiden Seiten wird deutlich. Da ist eine unsichtbare Linie, die nicht überschritten wird.
Trotzdem ist die Nanny der Familie so nah, wie niemand sonst. Sie kennt ihre Sorgen und Nöte, bekommt Streitereien und intime Momente mit. Und ihr wurde der kostbarste Schatz dieser Familie anvertraut. Das Leben der eigenen Kinder.
Louise fühlt sich in ihrem eigenen Leben nicht wohl. Ihre Wohnung ist für sie nur ein Ort, an dem sie die Zeit überbrücken muss, bis sie wieder in ihr „wahres Zuhause“ fahren kann.

Die Autorin ist selbst Mutter und beschreibt auf den Punkt genau den Konflikt, der viele junge Paare und vor allem Frauen heutzutage beschäftigt.
Wie kann man sich sicher sein, alles unter einen Hut zu kriegen? Und ist das überhaupt zu schaffen? Insgeheim gibt es doch häufig die Gewissheit, dass es nicht möglich ist, gleichzeitig Karriere zu machen, das eigene Sozialleben zu pflegen und voller Liebe und Hingabe die Kinder großzuziehen. Und wo macht man Abstriche?

„Sie hatte die Vorstellung immer weit von sich gewiesen, dass die Kinder ihren persönlichen Erfolg und ihre Freiheit beeinträchtigen könnten. Wie ein Anker, der einen mit nach unten reißt, der das Gesicht des Ertrunkenen in den Schlamm zieht. Diese Erkenntnis hatte sie anfangs total deprimiert. Sie fand es ungerecht und entsetzlich frustrierend. Ihr war klar geworden, dass sie das Gefühl, unvollkommen zu sein, die Dinge nicht richtig zu machen, einen Bereich ihres Lebens zugunsten eines anderen zu opfern, nie wieder loswerden würde. Sie hatte ein Riesendrama daraus gemacht und partout nicht von ihrer Idealvorstellung der Mutterrolle abweichen wollen. Hatte darauf beharrt zu glauben, dass alles möglich sei, dass sie all ihre Ziele erreichen würde, dass sie weder verbittert noch erschöpft sein würde. Dass sie weder Märtyrerin noch die Mutter Courage geben würde.“

(Leïla Slimani, Dann schlaf auch du, S.40f)

Myriam und Paul bekommen mit, dass Louise hoch verschuldet ist und ohne die Familie vereinsamt. Sie empfinden einige ihrer Taten sogar als grenzüberschreitend und wollen den klammernden Griff lösen, mit dem Louise an ihnen festhält.
Aber sie schauen dann doch immer wieder weg, denn sie brauchen die Sicherheit, die diese ihnen bietet. Sie wissen nicht mehr, wie sie ohne sie auskommen sollen.

Fazit
Dieses Buch ist kein Thriller oder Kriminalroman, auch wenn ich das zunächst erwartet habe. Die Autorin schreibt in einem ruhigen Stil, der aber nach und nach eine Wucht entfaltet und einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

In einigen Kapiteln wird mit Rückblicken aus Louises Vergangenheit gearbeitet, wobei zum Teil aus der Sicht anderer Figuren geschildert wird.
Dadurch erfährt man viel über die Gefühlslage des Kindermädchens und das unter der perfekt gepflegten Oberfläche eine unsichere Persönlichkeit liegt.
Allerdings finde ich, dass hier noch mehr hätte erklärt werden können. Viele Fragen bezüglich Louises Verhalten bleiben offen und vor allem das Ende hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen.

Ich habe das Buch deshalb nicht nur mit einem tiefen Aufseufzer zugeklappt, sondern auch mit dem Gefühl, noch nicht ganz am Ende angekommen zu sein. Das war ein bisschen schade.
Trotzdem hat mich „Dann schlaf auch du“ sehr nachdenklich gestimmt und vor allem der ruhige Schreibstil Slimanis hat mir unheimlich gut gefallen! Den Namen der Autorin werde ich mir definitiv merken.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 224 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag (21. August 2017) || ISBN: 978-3-630-87554-5|| Preis: 20,00 €

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Buchneuerscheinungen – Januar 2018

Der Januar ist bald schon wieder zur Hälfte rum, aber ich wollte diese Kategorie nicht einschlafen lassen. Denn auch für mich ist es immer schön, durch die Verlagsvorschauen zu blättern und mir die interessantesten Bücher raus zu picken und hier vorzustellen. Also verzeiht mir den verspäteten Beitrag, aber die ersten Januarwochen hat sich bei mir die Raum- und Zeitlosigkeit der Tage zwischen den Jahren noch nicht ganz verflüchtigt…

Allerdings gibt es hier jetzt nicht mehr fünf, sondern nur noch drei vorgestellte Bücher. Denn an dem Satz „Weniger ist mehr“ ist manchmal ja doch etwas wahres dran!

1. Nell Zink – Nikotin

„Penny Baker, soeben mit dem College fertig, jetzt arbeitslos und zudem durch den kürzlichen Tod ihres Vaters neben der Spur, beschließt, erst mal dessen verfallendes Elternhaus in Jersey City zu renovieren, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Doch Überraschung: Sie findet es besetzt von ein paar netten, noch rauchenden Anarchisten, die ihrer WG den Namen „Nicotine“ verpasst haben. Erster Eindruck: „Als hätte man ungefragt einen Haufen Bettwanzen, die immerhin den Abwasch machen.“
Mit der Zeit jedoch geben ihr die Bewohner und andere Hausbesetzer aus der Nachbarschaft einen Sinn für Zugehörigkeit und Gemeinschaft, den Penny dringend braucht, und bald zieht sie nebenan ein und engagiert sich in den politischen Kämpfen der Besetzer.
Nur hat der Rest der Familie andere Pläne: Ihre Mutter und ihr spießiger Halbbruder, dem sie noch nie ganz grün war, würden die jungen Chaoten am liebsten von der Polizei räumen lassen. Doch Penny nimmt den Kampf für sie auf – vor allem für Rob, den aus Überzeugung asexuell lebenden Mann, in den sie sich verliebt hat.
Dies ist ein Roman über den Kampf zwischen Habenichtsen und Immer-mehr-Wollern, zwischen Idealismus und Pragmatismus – ein Buch über Amerika heute, das kaum witziger, böser, klüger sein könnte.“ (Quelle)

Witzig, klug und böse. Lange habe ich kein Buch mehr in der Hand gehabt, was diese drei Dinge vereint. Wäre mal wieder an der Zeit! Ich erhoffe mir schrullige Figuren, die man ganz fest in sein Herz schließt!

Informationen zum Buch: Hardcover: 400 Seiten || Verlag: Rowohlt  || Erscheinungsdatum: 24.01.2018 || ISBN: 978-3-498-07670-2|| Preis: 22,95 €

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2. Mike Nicol – Korrupt

„Bring Linda Nchaba nach Südafrika zurück! So lautet der Auftrag an Agentin Vicki Kahn, die sich um die Sicherheit des Staates kümmern soll. Dass Linda nicht nur Expertin in Sachen Kindesentführung, sondern auch ein Topmodel mit besten Verbindungen zum Sohn des südafrikanischen Präsidenten ist, macht die Sache nicht einfacher. Auch, als Vicki beobachten muss, wie Linda am Amsterdamer Flughafen außer Gefecht gesetzt wird. Und sie ihre wichtigste Kontaktperson in Berlin tot auf dem Küchenfußboden findet. Kopfschuss. Vickis Instinkt sagt ihr: Such das Weite! Aber leider ist auch ihr eigener Geliebter in den Fall verwoben …“ (Quelle)

Dieses Buch hatte mich alleine schon durch den Titel. Ich hege eine kleine Leidenschaft für organisierte Kriminalität und kriminelle Machenschaften, die sich hinter einer Wand aus schönem Schein verbergen. Die Beschreibung versprach zwar nicht ganz das, was ich mir vorgestellt habe, aber die Geschichte klingt wahnsinnig spannend und vor allem rasend schnell!

Informationen zum Buch: Brochur: 512 Seiten || Verlag: btb  || Erscheinungsdatum: 09.01.2018 || ISBN: 978-3-442-71592-3 || Preis: 10,00

Korrupt von Mike Nicol
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3. Andreas Gößling – Wolfswut

 

„Ein paar harmlos aussehende Fässer in der Garage ihres verstorbenen Vaters verwandeln das Leben von Lotte Soltau in einen Trümmerhaufen: In den Fässern lagern fünf brutal zerstückelte Frauen, teilweise müssen die Verstümmelungen bei lebendigem Leib zugefügt worden sein. Während Lotte noch versucht zu begreifen, wie ihr Vater, ein geselliger, musisch begabter Mann, zu den Taten eines Serienkillers fähig sein konnte, geschieht ein neuer grausiger Mord, diesmal an einem 16-jährigen Jungen. Und die Tat trägt eindeutig die Handschrift des toten Soltau …“ (Quelle)

Eigentlich schon ein Buch aus dem Jahr 2016, aber ich hatte von dem Buch noch nicht gehört und war von der Geschichte sehr gepackt. Für mich fühlt es sich wie ein neu erschienenes Buch an und das Genre „True Crime“ fesselt mich immer sehr.

Informationen zum Buch: Klappenbrochur: 528 Seiten || Verlag: Knaur TB  || Erscheinungsdatum: 12.01.2018 || ISBN: 978-3-426-52132-8|| Preis: 14,99 €

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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: Während die Welt schlief – Susan Abulhawa

Lange ist es hier sehr still gewesen, aber manchmal hält das wirkliche Leben so viel bereit, dass man kaum Zeit für sich selbst findet. Aber jetzt, kurz vor dem Ende diesen Jahres, kehrt doch langsam wieder Ruhe ein und ich finde wieder die Zeit und Freude eine Rezension zu verfassen. Dafür habe ich mir das Buch „Während die Welt schlief“ von Susan Abulhawa ausgesucht.

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Handlung
Erzählt wird der Verlauf des Nahost-Konflikts als Familiengeschichte, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt. Zu Beginn lernt man die palästinensische Familie Abuhija kennen, die friedlich in einem kleinen Dorf lebt. Der Frieden nimmt jedoch jäh ein Ende, als die ganze Dorfgemeinschaft brutal aus ihren Wohnstätten vertrieben wird und Zuflucht in einem Flüchtlingslager finden muss.
Die Protagonistin Amal wird in eben diesem Lager geboren und lernt die wahre Heimat ihrer Eltern nie kennen. Stattdessen muss sie schon früh erfahren, was es heißt, in ständiger Angst zu leben. Obwohl Amal eine innige Beziehung zu ihrem Vater hat, bleibt ihre Mutter ihr immer fern. Während der Vertreibung aus dem Dorf verschwand ihr Bruder Ismael und diesen Verlust hat ihre Mutter nie ganz verkraftet.
Als Leser erfährt man, dass Ismael von einem jüdischen Mann geraubt wurde um seiner traumatisierten Frau ein Kind zu schenken. Der Junge wächst fortan als David auf und weiß nichts von seiner Herkunft.
Amals gesamtes Leben ist geprägt von Krieg, Gewalt und Leid und anhand ihres Einzelschicksals wird geschildert, was einer vertriebenen Familie auf der Flucht vor Krieg widerfahren kann.

Thematik
Die Figuren in diesem Roman sind fiktiv, aber die Geschehnisse sind es nicht. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde der Ruf nach einem selbstständigen jüdischen Staat lauter. Nach Ausrufung Israels als ebendiesem verschärfte sich der Nahost Konflikt noch weiter. Die Sehnsüchte, Ängste und die Verzweiflung der Familie Abuhija stehen stellvertretend für alle vertriebenen Palästinenser.
Das Buch hat einen autobiografischen Hintergrund und die Autorin prangert an, dass die Welt all die Jahre „geschlafen“ und die leidvolle Situation der Palästinenser nicht ausreichend wahrgenommen hat. Sie wirft den Medien und der Politik vor, die Situation nicht ausreichend oder sogar verzerrt dargestellt zu haben. Dadurch ergibt sich natürlich eine sehr subjektive Beschreibung der Geschehnisse, auch wenn durch Amals Bruder David (Ismael) die jüdische Seite berücksichtigt wird.
Auf beiden Seiten steht Hass, Gewalt und Angst. Es ist schwer, Partei für eine Seite zu ergreifen, denn zu tief und lange währt dieser Krieg. Solche Bücher helfen dabei, verschiedene Seiten zu beleuchten und eine differenzierte Meinung zu entwickeln.

Fazit
Diese Geschichte hat sich tief in mein Gedächtnis gebrannt und ist keine leichte Kost. Ich habe geweint und noch lange nach Ende der Geschichte viel Schmerz empfunden.
Der feine Schreibstil der Autorin zieht den Leser förmlich in die Geschichte hinein und man fühlt mit jeder einzelnen beschriebenen Figur.

Wir leben in einer relativ sicheren Welt und vergessen viel zu häufig, wie es anderen Menschen geht, die nicht das Glück hatten in unserer privilegierten Gesellschaft aufzuwachsen.
Dieses Buch hat mich gelehrt, dass es wichtig ist, die Augen nicht vor dem Rest der Welt zu verschließen. Jede Handlung obliegt einem Grund. Das sollte man nie vergessen.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 484 Seiten || Verlag: Diana (09. April 2012) || ISBN: 978-3-453-35662-7 || Preis: 9,99 €

Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt: KW 46

Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt
Was mich diese Woche interessiert und begeistert hat.

Gelesen ||

||Beendet habe ich SCHWIMMEN von Sina Pousset. Ein wirklich wundervolles Buch, was mich nachhaltig beeindruckt hat.

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||Außerdem wurde von Juliane von I AM JANE und Jemima von Hochhorst die Aktion Stephen King Novemver 2017 ins Leben gerufen, die ihr unter dem Hashtag #SKN17 findet. Ich habe also die Gelegenheit genutzt um endlich mit ES anzufangen, was bei mir schon viel zu lange auf dem Stapel ungelesener Bücher liegt. Die Ausgabe wurde mir von meiner Oma vermacht und fällt schon halb auseinander. Leider ist das Buch aufgrund seiner Dicke relativ schwierig im Bett zu lesen. Deshalb habe ich auch erst etwas mehr als ein Drittel geschafft… Somit wird der #SKN17 bei mir wohl zu einem #SKD17. Aber das Buch begeistert mich sehr und überzeugt durch einen höheren Gruselfaktor als der aktuelle Film im Kino.

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Gehört ||

||Ich höre aktuell sehr gerne Podcasts und Hörbücher zu diversen Gelegenheiten: Auf dem Weg ins Fitnessstudio, morgens wenn ich zur Arbeit gehe, beim Putzen und Kochen…
Ganz hoch im Kurs steht der Podcast HERRENGEDECK von Adriana und Laura, bei dem ich mir manchmal ein lautes Lachen nicht verkneifen kann. Ich finde es vor allem unglaublich, wie schlagfertig die beiden sind und dass ihnen zu jedem Thema ein witziger Gedanke einfällt.

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||Mein aktuelles Hörbuch ist der vierte Teil um Carl Mørck, den Leiter des Sonderdezernat Q der Kopenhagener Kriminalpolizei: VERACHTUNG
Jussi Adler Olsen hat mich mit dieser Kriminal Reihe komplett in seinen Bann geschlagen

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|| CASPER!
Ich war letzte Woche auf seinem Konzert in Hamburg und bin immer noch ganz geflasht und begeistert. Hat mich die Musik vorher schon mitgerissen, hat sein Live Auftritt mich dermaßen tief berührt, dass ich die Musik jetzt nochmal tiefer empfinde!

Gesehen || 

||Die großartige Mafiaserie SOPRANOS. Ich frage mich eigentlich nur noch, warum ich nicht schon viel früher damit begonnen habe, da ich die Thematik der organisierten Kriminalität sowieso extrem faszinierend finde.
Ein Mafiaboss, der sich wegen Depressionen und Angstzuständen in psychologische Behandlung geben muss. Die Serie zeigt das Leben von Tony Soprano und seinem Clan aus New Jersey. Die Serie ist Kult und ich habe viel zu lange gebraucht um damit zu starten. Inzwischen schaue ich die zweite Staffel und bin schon begeistert von der Tiefe der Figuren und den komplexen Handlungssträngen. Die Serie besticht zudem durch einen besonderen Humor, der die Gewalttaten noch brutaler aussehen lässt. Fünf Staffeln habe ich noch vor mir und freue mich, tiefer in dieses Fernsehepos einzutauchen.

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Entdeckt ||

|| Die App TooGoodToGo, die das Ziel hat der Lebensmittelverschwendung den Kampf anzusagen. Als User hat man die Möglichkeit, übrig gebliebenes Essen von teilnehmenden Restaurants, Bars oder Supermärkten für einen reduzierten Preis zu erwerben. Man bestellt und bezahlt direkt über die App und braucht die Portion dann nur im angegebenen Zeitfenster im Laden abzuholen. Super easy und klappt bisher unkompliziert.
Ich finde das eine tolle Sache um den riesigen Mengen an nicht verkauften und somit weggeworfenen Lebensmitteln entgegenzuwirken. Einige haben den berechtigten Kritikpunkt angebracht, dass die Lebensmittel lieber kostenlos an Einrichtungen wie die Tafel gegeben werden sollten. Leider ist es aber der Fall, dass diese Einrichtungen schon so weit ausgelastet sind, dass sie keine größeren Lieferungen annehmen können, als sie es aktuell tun. Vor allem frische Lebensmittel können dort auch nicht  nicht gelagert werden. Bedeutet: Alle Lebensmittel, die über TooGoodToGo verkauft werden, würden ansonsten in der Tonne landen. Hat von euch jemand schon Erfahrungen mit der App gemacht? Ich hab inzwischen gesehen, dass die Gründer auch bei „Die Höhle der Löwen“ waren…

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Foto: Too Good To Go

 

Ich freue mich, von euren Erfahrungen oder Empfehlungen zu hören.

Gelesen: Schwimmen – Sina Pousset

Vor einigen Wochen hat mich der Debutroman „Schwimmen“ von Sina Pousset erreicht. Ullstein fünf ist das jüngste Verlagsprogramm der Ullstein Buchverlage. Veröffentlicht werden deutschsprachige Schriftsteller/innen, die noch unbekannt sind und durch besondere Erzählweisen überzeugen. Als ich das kleine blaue Buch in den Händen hielt und den Klappentext las, war mir schnell klar, dass dies ein ganz besonderer Roman ist.

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Ullstein fünf

Handlung
Erzählt wird zunächst der Alltag von Milla, die neben ihrem Job als Lektorin die kleine Emma aufzieht. Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag, doch als Milla in der Jackentasche ihres besten Freundes Jan einen Zettel findet, scheint sich in ihr ein Knoten zu lösen. Schnell wird klar, dass Jan tot ist und Milla für eine lange Zeit in unterdrückter Trauer gelebt hat, gepaart mit dem Gefühl von Schuld.
Sie beschließt, Kristina zu besuchen und sich mit ihr gemeinsam der Vergangenheit zu stellen. Fast leise und vorsichtig nährt man sich dem Sommer, den Milla, Kristina und Jan gemeinsam am Meer verbracht haben und der mit Jans tragischem Tod geendet hat. Man erfährt etwas über die enge Freundschaft zwischen Milla und Jan, die seit Kindertagen besteht und warum Emma zu Milla nicht „Mama“ sagt.

Thematik
Freundschaft, Liebe, Familie. All das sind Themen, die im Roman eine wichtige Rolle spielen. Noch viel wichtiger ist aber das Gefühl, was die junge Autorin mit ihrer Sprache hervorruft.

„Milla erstarrt, ihre Worte hängen noch vor ihrem Mund und können nicht zurück. Schon lässt er los, schon ist er weg. Jan geht an ihr vorbei, so schnell, dass sie die Luft fühlt, die er mit sich nimmt, nach drinnen. Sie steht da, allein, einen Moment lang und hält die Finger an ihren Mund. Sie wartet, bis ihr das Blut langsam wieder aus den Wangen weicht. Dann folgt sie ihm.“

(Sina Pousset, Schwimmen, S. 141f)

Das Buch ist auf eine zarte Weise melancholisch und nachdenklich. Es erzählt die Geschichte von jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach sich selbst und ihren Träumen sind.
Der Umgang mit und die Bewältigung von Trauer sind ein zentrales Thema und die Verzweiflung der Protagonisten ist spürbar.

Fazit
Sina Pousset hat mit ihrem Debutroman eine ganz besondere Geschichte geschaffen. Die Autorin lässt den Leser tief in die Gefühlswelt ihrer Figuren eintauchen. Obwohl die Geschichte sehr traurig und tragisch ist und der Roman von einem bedrückten Gefühl dominiert wird, schenkt die Geschichte schlussendlich Hoffnung. Und dieses Gefühl bleibt nach der letzten Seite in mir verankert. Durch die wunderschöne Sprache der Autorin hallt die Geschichte noch lange nach und bleibt im Gedächtnis. Teilweise ist der Roman sehr schmerzhaft, dabei aber immer auf eine zarte Weise, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Gerade während der aktuell kalten und grauen Jahreszeit lässt sich dieser Roman sehr gut lesen und man kann sich ganz in der Geschichte verlieren.
Ich hoffe, noch mehr von dieser talentierten jungen Frau lesen zu können.
Hier findet ihr noch ein lesenswertes Interview von Sina Pousset und ihrer Lektorin Aylin Salzmann, die neben ihrer beruflichen Zusammenarbeit auch eine Freundschaft verbindet.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 224 Seiten || Verlag: Ullstein fünf Verlag  (08. September 2017) || ISBN: 978-3-961-01007-3 || Preis: 18,00 €

Vielen lieben Dank an den Ullstein fünf Verlag, der mir das Buch kostenlos zugeschickt hat.

Buchneuerscheinungen – November 2017

Der November hält schon fast Einzug und ausnahmsweise hatten auch wir hier in Hamburg ein verlängertes Wochenende. Dieses habe ich an der See verbracht und frische Luft und heißen Tee genossen. Für die kommenden stürmischen und kalten Herbsttage habe ich mir wieder fünf Bücher ausgesucht, die im November neu erscheinen.

1. Jan Costin Wagner – Sakari lernt, durch Wände zu gehen

„Auf dem Marktplatz der finnischen Stadt Turku steigt ein junger Mann in einen Brunnen. Er ist nackt und offenbar verwirrt. Und er hat ein Messer bei sich.
Im Nachhinein kann sich niemand so recht erklären, warum einer der herbeigeeilten Polizisten ihn erschossen hat – vor allem nicht der Schütze selbst.
Er versucht, mehr über den jungen Menschen zu erfahren, dem er das Leben genommen hat, und wendet sich hilfesuchend an seinen Kollegen Kimmo Joentaa. Kimmo, inzwischen selbst alleinerziehender Vater einer Tochter, sucht die Eltern des Toten auf – und stößt auf Spuren einer Katastrophe, die nicht nur das Leben des Jungen aus dem Brunnen, sondern das zweier Familien tragisch und tiefgreifend verändert hat.
Kimmo Joentaa beginnt, die losen Fäden zu verknüpfen. Und er begreift, dass diese Ermittlung ihn vor allem mit der Frage konfrontiert, woran Menschen sich in unserer Welt festhalten können, wenn schlimmste Befürchtungen wahr werden.“ (Quelle)

Vom Autor habe ich noch gar nicht gehört, aber ich bin schon jetzt sehr gespannt auf dieses Buch. Die Geschichte klingt düster und geheimnisvoll. Also genau das Richtige bei einer heißen Tasse Tee und einer kuscheligen Decke, während draußen der Sturm tobt.

Informationen zum Buch: Hardcover: 240 Seiten || Verlag: Galiani-Berlin || Erscheinungsdatum: 09.11.2017 || ISBN: 9978-3-86971-018-1 || Preis: 20,00 €

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2. Juli Zeh – Leere Herzen

„Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, „Die Brücke“, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der „Brücke“ steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.
Als die „Brücke “ unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr…“ (Quelle)

Politthriller lese ich zwischendurch sehr gerne. Vor allem aktuell ist dieses Genre für mich sehr spannend. Dieser hier spielt in der Zukunft und scheint an George Orwell Geschichten zu erinnern. Ich erhoffe mir viel und gehe davon aus, dass mich dieses Buch verstört und sehr nachdenklich zurücklassen wird. Auf jeden Fall mein Monatsfavorit!

Informationen zum Buch: Hardcover: 352 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 13.11.2017 || ISBN: 978-3-630-87523-1 || Preis: 20,00 €

Leere Herzen von Juli Zeh
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3. Edward St. Aubyn – Dunbar und seine Töchter

„Sein ganzes Leben lang hat Henry Dunbar auf nichts und niemanden Rücksicht genommen, besessen von der Vision, seinen kleinen Zeitungsverlag zu einem Medienkonzern auszubauen. Auf dem Zenit seiner Macht hat nur noch einen einzigen, aber mächtigen Feind: das Alter. Dunbar weiß, er muss sein Reich in die Hände seiner Töchter legen. Nur zwei der Kinder hält er für geeignet. Doch das Leben erteilt ihm eine bittere Lektion.“ (Quelle)

Ein mächtiger Despot, der sein Lebenswerk in den richtigen Händen sehen will. Das klingt auf jeden Fall interessant.
Der Roman ist inspiriert von Shakespeares König Lear. Shakespeare bedeutet für mich Verrat, Missgunst, tiefe familiäre Abgründe und eine dramatische Wendung, die alles zu Fall bringt. Und genau das erwarte ich hier auch!

Informationen zum Buch: Hardcover: 356 Seiten || Verlag: Knaus || Erscheinungsdatum: 20.11.2017 || ISBN: 978-3-8135-0698-3|| Preis: 20,00 €

Dunbar und seine Toechter von Edward St Aubyn
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4. John Green – Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

„Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.“ (Quelle)

Ein neuer John Green. Das garantiert bei mir meistens bitterliche Tränen und ein wehmütiges Gefühl beim Zurückstellen ins Regal. Zusätzlich bin ich erst vor Kurzem auf das Thema Resilienz aufmerksam geworden. Das Buch befasst sich mit dieser Thematik und ich denke, dass Green hier eine feine aber sehr intensive Geschichte gesponnen hat.

Informationen zum Buch: Hardcover: 288 Seiten || Verlag: Hanser || Erscheinungsdatum: 10.11.2017 || ISBN: 978-3-446-25903-4 || Preis: 20,00 €

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5. Margret Steckel – Jette, Jakob und die anderen

„Das bukolische Idyll einer wohlbehüteten Kindheit auf dem Lande am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wird zunehmend überschattet von den bedrohlichen Vorzeichen des Unheils. Zu Beginn wundern sich die Geschwister Jette und Jakob noch über den seltsamen »Bösen Braunen« aus dem Radio, über den die Mama so gern – wenn auch nur heimlich – flucht. Doch nur allzu bald müssen sie erfahren, was das wirklich Böse ist. Denn ihre kindliche Unschuld bewahrt auch Jette und Jakob, ihre Familie und Freunde nicht davor, dass sie mit dem Grauen eines Krieges konfrontiert werden, der immer näherkommt und schließlich auch auf dem elterlichen Hof Einzug hält.“ (Quelle)

Ein dünnes Buch mit einer Geschichte über die Grauen des Krieges, Flucht und Verlust. Aus der Sicht von Kindern erscheinen diese Themen noch viel dunkler und zugleich werden sie aus einer anderen Perspektive betrachtet. Einer unschuldigen. Sicherlich eine sehr intensive Geschichte.

Informationen zum Buch: Hardcover: 160 Seiten || Verlag: capybarabooks || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 07.11.2017 || ISBN: 978-99959-43-13-4 || Preis: 17,95 €

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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: Die Flut – Arno Strobel

Ich bin vor ein paar Jahren durch Zufall auf meinen ersten Strobel Thriller gestoßen. Als Mängelexemplar in einer Buchhandlung mitgenommen, hat „Das Skript“ mich von der ersten Seite an gefesselt.
Schnell zogen weitere Bände ein und ich wurde immer sehr gut unterhalten.
Zuletzt kam nun „Die Flut“ dazu“ und ich erhoffte mir eine spannende Geschichte mit vielschichtigen Figuren und einem eiskalten Killer.

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Handlung
Das junge Paar Michael und Julia macht Ferien auf der Insel Amrum. Dorthin wurden sie von Michaels Arbeitskollegen Andreas eingeladen, um die Zeit gemeinsam mit ihm und seiner Frau zu verbringen. Schnell wird klar, dass die vier nicht auf einer Wellenlänge sind und die Stimmung ist eher mäßig. Dann geschieht am Strand ein grausamer Mord, bei dem eine Frau stirbt, während ihr Partner dabei zusehen muss. Es scheint, als hätte es der Täter auf Pärchen abgesehen und zu allem Unglück gerät Michael in das Visier des leitenden Polizeibeamten. Die vier sind also gezwungen, auf der Insel auszuharren.

Thematik
Innerhalb der Geschichte kommt es immer wieder zu Perspektivwechseln zwischen den vier Protagonisten und den zwei ermittelnden Polizisten. Gelegentlich gibt es auch kurze Passagen aus Sicht des Täters. Gerade diese Passagen haben es in sich, da der Täter von enormer Intelligenz ist und Freude dabei empfindet, sein Spielchen mit der Polizei zu treiben. Der Täter ist ein absoluter Psychopath, was sehr deutlich wird, als er sich an Szenen aus seiner Kindheit erinnert.

Es war,als presse etwas Fremdartiges Gedanken aus seinem Verstand, die er nicht denken wollte, Sogar sein umfangreicher Wortschatz bot ihm keine Möglichkeit genauer zu beschreiben, was er empfand. Nicht einmal für sich selbst, Diese Unzulänglichkeit machte ihn wütend, so sehr, dass er aufsprang, zu Sarah lief und ihr ohne Zögern seine geballte Kinderfaust ins Gesicht schlug.

(Arno Strobel, Die Flut, S. 8)

Ich fand die Figur des Täters sehr interessant, aber leider ist diese etwas in den Hintergrund gerückt und die Motive spielten nur am Rande eine Rolle. Insgesamt erinnerte die Handlung eher an einen Kriminalroman denn an einen Thriller.

Die Konflikte innerhalb der Gruppe der Protagonisten hätten zur Spannung beitragen können. Denn zu der anfänglichen schlechten Laune sind dann auch noch Misstrauen und Stress hinzugekommen. Aber irgendwie liefen die Streitereien immer nach dem gleichen Schema ab und gerade die zwei Frauen gingen mir irgendwann nur noch auf die Nerven.

Fazit
Ich muss leider sagen, dass mich das Buch enttäuscht hat. Durch die kurzen Kapitel war das Buch zwar schnell gelesen, aber der Plot und die Figuren konnten mich nicht überzeugen.
Die Protagonisten waren allesamt unsympathisch und haben sehr oft unlogisch gehandelt. Die Szenen aus der Sicht des Täters, sowie die Taten an sich waren sehr kurz gehalten und ein wirkliches Spannungsgefühl kam dabei nicht auf.
Insgesamt dümpelte die Geschichte dadurch ziemlich vor sich hin.

Sehr schade, aber wäre das mein erstes Buch von Strobel gewesen, hätte ich wohl kein anderes mehr gelesen.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 368 Seiten || Verlag: Fischer Taschenbuch (21. Januar 2016) || ISBN: 978-3-596-19835-1|| Preis: 9,99 €

Gelesen: Die Geschichte der getrennten Wege – Elena Ferrante

Gleich nach Abschluss des zweiten Bandes Die Geschichte eines neuen Namens bin ich in die nächste Buchhandlung um mir den folgenden Band zu holen. Trotz des eher ruhigen Starts hatte der zweite Teil zum Ende hin richtig Fahrt aufgenommen und ich musste wissen, wie es weiterging.
Nachdem dann auch noch die Buchhändlerin versprach, dass der dritte Teil den zweiten noch um Längen schlagen würde, konnte ich es kaum erwarten, wieder in die Geschichte um Lenù und Lila einzutauchen.
Die Rezension von „Die Geschichte der getrennten Wege“ hat jetzt leider doch etwas auf sich warten lassen, aber manchmal spielt das Leben halt so.

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Handlung
Wie schon der Name vermuten lässt, gehen Lenù und Lila inzwischen getrennte Wege. Lenù, zuvor als erfolgreiche Schriftstellerin gefeiert, verbringt ihre Tage nun als Hausfrau und Mutter. Gelangweilt von ihrem Alltag und frustriert von dem mangelnden Interesse an ihrer Person, bemüht sie sich weiterhin um Anerkennung. Dabei versinkt sie immer mehr in einer melancholischen und teilweise depressiven Stimmung.
Lila hat sich von ihrem Mann Stefano, sowie ihrem Liebhaber Nino getrennt und lebt nun mit ihrem Sohn bei Enzo. Dieser ist ein alter Jugendfreund der Mädchen und schon seit Schultagen in Lila verliebt. Zusammen meistern sie ihren Alltag eher schlecht als recht, gehen Knochenjobs nach und lernen bis spät in die Nacht gemeinsam für Enzos Studium. Doch trotz der Nähe zwischen den beiden, bleibt ihre Beziehung rein platonisch.
Die beiden Freundinnen halten lose Kontakt und telefonieren unregelmäßig.
Im Laufe der Geschichte wird Lila in die politischen Wirren der damaligen Zeit hineingezogen, schafft es es jedoch, sich schlussendlich ein neues Leben mit einer erfolgreichen Karriere aufzubauen. Lenù hingegen scheitert an weiteren Versuchen, einen Roman zu verfassen und langweilt sich in ihrer Ehe, bis plötzlich eine alte Liebe wieder in ihr Leben tritt.

Thematik
Der Grund, dass mich dieser Roman so mitgerissen hat, liegt an den gesellschaftspolitischen Aspekten, die den Roman thematisch beherrschen. Italien wird von blutigen Unruhen erschüttert. Faschisten und Kommunisten liefern sich einen heftigen Kampf, es kommt zu Studentenrevolten und die Rufe nach Reformen werden immer lauter. Auch die Frauenbewegung nimmt an Fahrt auf und vor allem Lenù beschäftigt sich intensiv mit dem herrschenden Frauenbild und ihrer eigenen Rolle in der Gesellschaft.
In Zwischentönen werden auch immer wieder die Machenschaften der Camorra thematisiert, zu welchen ich mir gerne noch mehr Details gewünscht hätte.

Fazit
Mich konnte dieser Roman vollends überzeugen, auch wenn ich schon andere Stimmen gehört habe, die den Erzählfluss langatmig und wenig anregend fanden. Dem kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Für mich liegt Ferrantes Talent gerade darin, mit ihrer Sprache auch Alltagsgeschehnisse anschaulich und mitreißend zu schildern.
Zwar finde auch ich die Freundschaft der zwei Protagonistinnen teilweise schwer nachvollziehbar, aber unrealistisch ist diese Beziehung damit nicht. Ich habe tatsächlich schon öfter Menschen getroffen, die in für mich ungesunden Beziehungen steckten. Die sich gerade aufgrund der vermeintlichen Unterlegenheit, zu einer anderen Person hingezogen fühlten. Sowohl platonisch als auch romantisch. Und gerade Lenù hat mit Lila eine Freundin, die viele Kindheits- und Jugenderinnerungen mit ihr teilt, welche ihr aktuelles Umfeld nur teilweise bis gar nicht nachempfinden kann. Diese Verbundenheit sollte in einer Freundschaft nicht unterschätzt werden.
Der Roman hat für mich einige Spannungsbögen, die sich teilweise bis zum Ende durchziehen. Dies lässt auf ein fulminantes Finale im vierten und letzten Teil hoffen, der leider erst im Februar nächsten Jahres erscheinen soll.

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 540 Seiten || Verlag: Suhrkamp Verlag (28. August 2017) || ISBN: 978-3-518-42575-6 || Preis: 24,00 €

HH: Der Seelenbrecher | Kellertheater Hamburg

Im Kellertheater Hamburg wurde heute „Der Seelenbrecher“ von Sebastian Fitzek aufgeführt. Ich konnte mir schwer vorstellen, wie man einen Fitzek Roman auf die Theaterbühne bringt, aber entgehen lassen wollte ich mir das Erlebnis auf keinen Fall.
Und Erlebnis ist hier das richtige Wort, denn dem Zuschauer wird schon vor Beginn der Vorstellung klar gemacht, dass er sich hier nicht im Kellertheater sondern in der Berliner Teufelsbergklinik befindet. Man ist Teil eines Experiments und wer den Roman gelesen hat, weiß worauf das hinausläuft. Alle anderen kann ich aber beruhigen, kein Zuschauer musste auf die Bühne und es wurde auch keine aktive Teilnahme oder Beteiligung verlangt. Aber das Gefühl war trotzdem ein anderes, als hätte man einfach nur vor der Bühne Platz genommen.

Kurz der Inhalt:
Es beginnt recht friedlich… und endet als Albtraum. Caspar, der ohne Gedächtnis und halb erfroren vor einer Berliner Psychoklinik gefunden wird, versucht verzweifelt Erinnerungsfetzen zusammen zu setzen. Dr. Sophia Dorn, eine attraktive, sehr selbstbewusste Klinikärztin und ihr Chef Prof. Raßfeld sowie die schon etwas betagte, aber pfiffige Patientin Greta Kaminski helfen ihm dabei. Durch die Medien erfahren sie von einem Psychopathen, der drei junge Frauen entführt, seelisch zerstört hat und von der Polizei als „Seelenbrecher“ gesucht wird. Die vermeintliche Ruhe in der Klinik wird plötzlich gestört.

Ein Rettungswagen verunglückt vor der Einfahrt und bringt zwei neue „Gäste“ ins Haus: Tom, den etwas schrägen Rettungssanitäter, und seinen offenbar durchgeknallten Patienten, der sich im Auto ein Messer in den Hals gerammt hat. Von diesem Augenblick an überschlagen sich die erschreckenden Ereignisse in der Klinik, die durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist. Der „Seelenbrecher“ geht um. Verzweifelt versuchen Patienten und Klinikpersonal zu überleben, was nicht allen gelingt. Menschliche Abgründe und Charakterstärke tun sich auf. Misstrauen, Rache und Verzweiflung, aber auch Mut und Überlebenswillen.

Mit Hilfe von Visionen und Aktionen lässt Regisseurin Katrin Kuhn einen Klinik-Albtraum entstehen. Und ganz nebenbei lernen die Zuschauer noch einiges über Hypnose und Todesschlaf (Quelle).

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Die Spieldauer betrug knapp zwei Stunden, mit einer 20 Minütigen Pause, die ich aber nichtmal gebraucht hätte, weil das Stück so mitreißend war.
Ich muss dazu sagen, dass ich den Roman vorher nicht gelesen hatte und somit auch den Plot nicht kannte. Und wie bei jedem guten Fitzek war die Identität des Täters bis zum Ende nicht klar.
Die schauspielerische Leistung war insgesamt gut, nur einige Darsteller spielten für meinen Geschmack etwas übertrieben. Dafür konnten mich andere so überzeugen, dass man ihnen noch ewig hätte zusehen können.
Das Stück war spannend und die Effekte sorgten einige Male für ein erschrockenes Zucken im Zuschauerraum. Es gab immer wieder Szenen, in denen man sich vor Aufregung und Spannung in die Sessellehnen krallte.
Ich wurde sehr gut unterhalten und kann jedem Psychothriller Liebhaber, der in Hamburg wohnt oder verweilt, dieses Stück empfehlen. Eine weitere Aufführung findet am 19. November 2017 statt.

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website des Kellertheater Hamburg.

Buchneuerscheinungen – Oktober 2017

Der Oktober ist zwar schon in vollem Gange, aber die letzten Wochen gab es leider keine freie Minute, in der ich mich mit den Neuerscheinungen im Oktober beschäftigen konnte. Deshalb nun etwas verspätet meine Auswahl.

1. Gaël Faye – Kleines Land

„»Ich wollte eine vergessene Welt heraufbeschwören, von unseren glücklichen Tagen erzählen, bevor wir uns als ein Haufen Versprengter in allen Teilen der Welt wiederfanden.« Gaël Faye

Als Kind pflückte Gabriel in Burundi mit seinen Freunden Mangos von den Bäumen. Heute lebt er in einem Vorort von Paris. Dorthin floh er, als der Bürgerkrieg das Paradies seiner Kindheit zerstörte. Doch die Gedanken an das verlorene Glück verfolgen ihn: Er muss noch einmal zurück. – »Kleines Land« ist ein überwältigender Roman, voller Schrecken und Glückseligkeit – ein Stück französischer Weltliteratur.“(Quelle)

Zu diesem Buch gibt es so viele lobende Stimmen, dass das hier wirklich ein starker Roman sein muss. Der Krieg kann bei Menschen so viel anrichten, vor allem in Kinderseelen. Viel zu oft vergessen wir, wie gut es uns hier geht und das unsere Heimat ein friedliches Land ist.

Informationen zum Buch: Hardcover: 224 Seiten || Verlag: Piper || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-492-05838-4 || Preis: 20,00 €

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2. Lindsey Lee Johnson – Der gefährlichste Ort der Welt

„Als Tristan Bloch eines Morgens auf sein Fahrrad steigt und losradelt, auf die Golden Gate Bridge zu, den heißen, schweißnassen Kopf gesenkt, da ahnen wir schon, dass ihn der Verrat seiner Angebeteten, Calista, vernichtet hat. Sein Liebesbrief wurde auf Facebook gepostet, und das war ihre Schuld.

Fünf Jahre später: Kurz nach dem dramatischen Ende einer Abschlussparty betrachtet Calista, Tristans erste und letzte große Liebe, in dem Versuch, die Ereignisse zu begreifen, ein altes Klassenfoto – Tristan, lachend, in seinen unmöglichen grellgelben Trainingshosen, der sanfte Dave Chu, der durchtriebene Ryan Harbinger, Baseball-Captain und Schwarm aller Mädchen, Abigail Cress, damals noch Calistas beste Freundin, die später mit einem Lehrer anbandelte, und all die anderen, die mit dem Leben und der Liebe gespielt hatten. Ihre fröhlichen Gesichter täuschen. »Sie taten, was sie konnten, um zu überleben.«

Für einen von ihnen war Mill Valley, das verträumte reiche Städtchen über der Bucht von San Francisco, ein vermeintliches Paradies, zur Hölle geworden. Und sie, die zurückblieben, waren vom Leben gezeichnet, noch bevor es richtig begonnen hatte.“ (Quelle)

Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Buch. Was ich bisher dazu gelesen/ gehört habe, soll das Buch ein echter Pageturner sein.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 304 Seiten || Verlag: dtv || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 13.10.2017 || ISBN: 978-3-423-28133-1 || Preis: 21,00 €

3. Jodi Picoult – Kleine große Schritte

„Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …“ (Quelle)

Zuerst gecatcht hat mich das wunderschöne Cover, welches mich ein Bisschen an „Die Vegetarierin“ erinnert hat. Aber die Story hat es echt in sich. Alltagsrassismus ist immer noch präsent, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen. Dieses Buch ist ganz sicher keine leichte Kost und wird auch nach dem Lesen lange im Kopf bleiben.

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Informationen zum Buch: Hardcover: 592 Seiten || Verlag: C. Bertelsmann || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-570-10237-4 || Preis: 20,00 €

4. Andreas Brandhorst – Das Erwachen

„In »Das Erwachen« nimmt sich Bestsellerautor Andreas Brandhorst eines der brandaktuellen Themen der Wissenschaft an: Wann werden die Maschinen uns übertrumpfen und was wird das für unser Leben bedeuten? Der ehemalige Hacker Axel setzt versehentlich ein Computervirus frei, das unzählige der leistungsfähigsten Rechner auf der ganzen Welt vernetzt. Als sich daraufhin auf allen Kontinenten Störfälle häufen und die Infrastruktur zum Erliegen kommt, die Regierungen sich gegenseitig die Schuld geben und die geopolitische Lage immer gefährlicher wird, stößt Axel gemeinsam mit der undurchsichtigen Giselle auf ein Geheimnis, das unsere Welt für immer verändern wird: In den Computernetzen ist etwas erwacht, und es scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein …“ (Quelle)

Aktuell verfolge ich das Thema Künstliche Intelligenz relativ genau. Die Vorstellung, dass schon Dinge möglich sind, von denen wir keine Ahnung haben, jagt mir manchmal einen Schauer über den Rücken. Dieser Thriller spielt natürlich mit diesen Ängsten und ist damit für mich sehr interessant.

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Informationen zum Buch: Paperback: 736 Seiten || Verlag: Piper || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-492-06080-6 || Preis: 16,99

5. Fredrik Backmann

„Eine kleine Stadt. Ein großer Traum. Der tief bewegende Roman des einfühlsamen Erzählers aus Schweden, der mit seinen Büchern die »New York Times«- und die »Spiegel«-Bestsellerlisten erobert hat.

Wer glaubt noch an Björnstadt? Es liegt viel zu weit hinter den dunklen Wäldern im Norden. Doch die Menschen hier halten zusammen. Und sie teilen eine Leidenschaft, die sie wieder mit Stolz erfüllen könnte. Die den Rest der Welt an Björnstadt erinnern könnte. Vielleicht sogar Arbeitsplätze bringen, eine Zukunft. Deshalb liegen alle Träume und Hoffnungen nun auf den Schultern ein paar junger Björnstädter. Noch ahnt keiner in der Stadt, dass sich ihre Gemeinschaft über Nacht für immer verändern wird.“ (Quelle)

Schweden. Leider war ich bisher noch nicht dort, aber das ändert sich hoffentlich bald. Trotzdem lese ich sehr gerne nordische Bücher, vor allem im Herbst, wenn es draußen dunkel und kalt ist. Geschichten über Dorfgemeinschaften lese ich auch sehr gern und erhoffe mir vielschichtige Charaktere und eine Geschichte, die ans Herz geht.

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Informationen zum Buch: Hardcover: 512 Seiten || Verlag: S.Fischer || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 26.10.2017 || ISBN: 978-3-8105-3043-1 || Preis: 19,99

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?