Buchneuerscheinungen – Oktober 2017

Der Oktober ist zwar schon in vollem Gange, aber die letzten Wochen gab es leider keine freie Minute, in der ich mich mit den Neuerscheinungen im Oktober beschäftigen konnte. Deshalb nun etwas verspätet meine Auswahl.

1. Gaël Faye – Kleines Land

„»Ich wollte eine vergessene Welt heraufbeschwören, von unseren glücklichen Tagen erzählen, bevor wir uns als ein Haufen Versprengter in allen Teilen der Welt wiederfanden.« Gaël Faye

Als Kind pflückte Gabriel in Burundi mit seinen Freunden Mangos von den Bäumen. Heute lebt er in einem Vorort von Paris. Dorthin floh er, als der Bürgerkrieg das Paradies seiner Kindheit zerstörte. Doch die Gedanken an das verlorene Glück verfolgen ihn: Er muss noch einmal zurück. – »Kleines Land« ist ein überwältigender Roman, voller Schrecken und Glückseligkeit – ein Stück französischer Weltliteratur.“(Quelle)

Zu diesem Buch gibt es so viele lobende Stimmen, dass das hier wirklich ein starker Roman sein muss. Der Krieg kann bei Menschen so viel anrichten, vor allem in Kinderseelen. Viel zu oft vergessen wir, wie gut es uns hier geht und das unsere Heimat ein friedliches Land ist.

Informationen zum Buch: Hardcover: 224 Seiten || Verlag: Piper || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-492-05838-4 || Preis: 20,00 €

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2. Lindsey Lee Johnson – Der gefährlichste Ort der Welt

„Als Tristan Bloch eines Morgens auf sein Fahrrad steigt und losradelt, auf die Golden Gate Bridge zu, den heißen, schweißnassen Kopf gesenkt, da ahnen wir schon, dass ihn der Verrat seiner Angebeteten, Calista, vernichtet hat. Sein Liebesbrief wurde auf Facebook gepostet, und das war ihre Schuld.

Fünf Jahre später: Kurz nach dem dramatischen Ende einer Abschlussparty betrachtet Calista, Tristans erste und letzte große Liebe, in dem Versuch, die Ereignisse zu begreifen, ein altes Klassenfoto – Tristan, lachend, in seinen unmöglichen grellgelben Trainingshosen, der sanfte Dave Chu, der durchtriebene Ryan Harbinger, Baseball-Captain und Schwarm aller Mädchen, Abigail Cress, damals noch Calistas beste Freundin, die später mit einem Lehrer anbandelte, und all die anderen, die mit dem Leben und der Liebe gespielt hatten. Ihre fröhlichen Gesichter täuschen. »Sie taten, was sie konnten, um zu überleben.«

Für einen von ihnen war Mill Valley, das verträumte reiche Städtchen über der Bucht von San Francisco, ein vermeintliches Paradies, zur Hölle geworden. Und sie, die zurückblieben, waren vom Leben gezeichnet, noch bevor es richtig begonnen hatte.“ (Quelle)

Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Buch. Was ich bisher dazu gelesen/ gehört habe, soll das Buch ein echter Pageturner sein.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 304 Seiten || Verlag: dtv || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 13.10.2017 || ISBN: 978-3-423-28133-1 || Preis: 21,00 €

3. Jodi Picoult – Kleine große Schritte

„Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …“ (Quelle)

Zuerst gecatcht hat mich das wunderschöne Cover, welches mich ein Bisschen an „Die Vegetarierin“ erinnert hat. Aber die Story hat es echt in sich. Alltagsrassismus ist immer noch präsent, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen. Dieses Buch ist ganz sicher keine leichte Kost und wird auch nach dem Lesen lange im Kopf bleiben.

Kleine grosse Schritte von Jodi Picoult
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Informationen zum Buch: Hardcover: 592 Seiten || Verlag: C. Bertelsmann || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-570-10237-4 || Preis: 20,00 €

4. Andreas Brandhorst – Das Erwachen

„In »Das Erwachen« nimmt sich Bestsellerautor Andreas Brandhorst eines der brandaktuellen Themen der Wissenschaft an: Wann werden die Maschinen uns übertrumpfen und was wird das für unser Leben bedeuten? Der ehemalige Hacker Axel setzt versehentlich ein Computervirus frei, das unzählige der leistungsfähigsten Rechner auf der ganzen Welt vernetzt. Als sich daraufhin auf allen Kontinenten Störfälle häufen und die Infrastruktur zum Erliegen kommt, die Regierungen sich gegenseitig die Schuld geben und die geopolitische Lage immer gefährlicher wird, stößt Axel gemeinsam mit der undurchsichtigen Giselle auf ein Geheimnis, das unsere Welt für immer verändern wird: In den Computernetzen ist etwas erwacht, und es scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein …“ (Quelle)

Aktuell verfolge ich das Thema Künstliche Intelligenz relativ genau. Die Vorstellung, dass schon Dinge möglich sind, von denen wir keine Ahnung haben, jagt mir manchmal einen Schauer über den Rücken. Dieser Thriller spielt natürlich mit diesen Ängsten und ist damit für mich sehr interessant.

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Informationen zum Buch: Paperback: 736 Seiten || Verlag: Piper || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-492-06080-6 || Preis: 16,99

5. Fredrik Backmann

„Eine kleine Stadt. Ein großer Traum. Der tief bewegende Roman des einfühlsamen Erzählers aus Schweden, der mit seinen Büchern die »New York Times«- und die »Spiegel«-Bestsellerlisten erobert hat.

Wer glaubt noch an Björnstadt? Es liegt viel zu weit hinter den dunklen Wäldern im Norden. Doch die Menschen hier halten zusammen. Und sie teilen eine Leidenschaft, die sie wieder mit Stolz erfüllen könnte. Die den Rest der Welt an Björnstadt erinnern könnte. Vielleicht sogar Arbeitsplätze bringen, eine Zukunft. Deshalb liegen alle Träume und Hoffnungen nun auf den Schultern ein paar junger Björnstädter. Noch ahnt keiner in der Stadt, dass sich ihre Gemeinschaft über Nacht für immer verändern wird.“ (Quelle)

Schweden. Leider war ich bisher noch nicht dort, aber das ändert sich hoffentlich bald. Trotzdem lese ich sehr gerne nordische Bücher, vor allem im Herbst, wenn es draußen dunkel und kalt ist. Geschichten über Dorfgemeinschaften lese ich auch sehr gern und erhoffe mir vielschichtige Charaktere und eine Geschichte, die ans Herz geht.

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Informationen zum Buch: Hardcover: 512 Seiten || Verlag: S.Fischer || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 26.10.2017 || ISBN: 978-3-8105-3043-1 || Preis: 19,99

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

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Veränderung

Vor kurzem hatte ich ein langes Gespräch mit einer Freundin, in der es darum ging, wie sich unser Charakter durch verschiedene Einflüsse entwickelt hat.
Wir ärgern uns beide darüber, dass wir als Menschen viel Wert darauflegen, was andere von uns denken, und dass wir das gerne ändern würden. Ich kann es absolut nicht ausstehen, wenn andere Menschen vorschnell verurteilt werden und versuche in der Hinsicht auch sehr offen zu sein. Deshalb ist es so lächerlich, dass ich selbst so stark davon abhängig bin, was andere von mir halten könnten.
Zu einem Teil hängt es natürlich von unserer genetischen Veranlagung ab, wer wir sind aber zusätzlich wird der Charakter durch äußere Einflüsse geprägt, nachhaltig durch unsere Erziehung.

Meine Freundin und ich dachten also darüber nach, wie wir erzogen worden sind, beziehungsweise was uns daneben noch stark geprägt hat. Neben unseren Eltern, Großeltern und Geschwistern sind es auf jeden Fall die Grundschuljahre, sowie die ersten Jahre auf der weiterführenden Schule gewesen. Durch mein Elternhaus wurde ich zu einem ruhigen Kind erzogen, dass Regeln einhält, dem Ehrlichkeit wichtig ist und dass niemandem schaden will. Die Grundschule hat mir Freude am Lernen vermittelt und meinen Drang zur Ehrlichkeit und zur Regelbefolgung verstärkt. Dadurch wurden die ersten Jahre auf der weiterführenden Schule für mich sehr schwierig, denn hier galt ich dann als zu brav und damit langweilig. Außerdem wollte ich nicht mobben oder über andere Kinder lachen, wurde damit aber selbst zu einer Ausgestoßenen. Ich musste mich also irgendwie anpassen um schlussendlich zu einer Clique zu gehören. Das alles hat bei mir zu einer tief sitzenden Verunsicherung geführt, sowie einer starken Abhängigkeit von der Anerkennung anderer.
Im Nachhinein macht es mich wütend, dass ich mich nicht aktiv zur Wehr gesetzt habe und eine gewisse „Scheiß drauf“ Haltung entwickelt habe um meinen Prinzipien treu zu bleiben.
Der Gedanke, für sich selber einzustehen, hat mir in meiner Erziehung gefehlt. Ich mache meinen Eltern damit keinen Vorwurf, denn ich habe viel Liebe erfahren und musste nie einem Leistungsideal hinterherrennen, aber gerade weil ich so brav und ruhig war, haben sie es vielleicht nicht für nötig empfunden, mir beizubringen, kein Mitläufer zu sein. Ich bin schließlich nicht aus der Masse herausgestochen und habe nicht angeeckt.

Der Prozess des Lernens besteht aber lebenslang und gerade in den letzten fünf Jahren habe ich mich persönlich stark weiterentwickelt. Ich habe zum Teil andere Prinzipien als meine Eltern und stehe für meine Meinung ein. Nie wieder würde ich mich selbst „verraten“ um zu einer Gruppe dazu zu gehören und meinem jüngeren Ich würde ich gerne sagen, dass es sich auch so sehr gut leben lässt. Aber immer noch sitzt da diese tiefe Verunsicherung, die ich nicht loswerde und die immer mal wieder ausbricht. Es stört mich enorm und ich muss immer wieder aktiv dagegen ankämpfen. Manchmal habe ich Angst, dass ich mich vielleicht nie ganz davon lösen kann, weil die Prägung einfach zu stark war. Aber das Leben ist noch lang und ich habe noch viel Zeit mein Selbst immer wieder neu zu finden. Zeit, stärker und gelassener zu werden.

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Bildquelle: Pinterest

Wir sind schließlich zu dem Schluss gekommen, dass die erste Charakterformung durch die Familie, Lehrer und Freunde erfolgt und die zweite von uns selbst ausgeht.
Dieser Gedanke hat für mich nichts mit dem Optimierungswahn zu ton, der gerade durch Social Media tobt. Aber offen für seine Umwelt zu sein und nicht auf starren Verhaltensmustern zu bestehen, ist mir sehr wichtig. Das Leben bietet viele Erfahrungen und wir selbst haben es in der Hand, wie wir uns weiterentwickeln und zu was für einem Menschen wir noch werden.

Wie schon Friedrich Nietzsche passend bemerkte:

„Eine Schlange, die sich nicht häutet, stirbt.“

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Buchneuerscheinungen – September 2017

Der Herbst steht schon vor der Tür und es wird schon wieder früh dunkel. Das heißt zwar, weniger Unternehmungen an der frischen Luft und kein langes im Park sitzen nach Feierabend, aber dafür wieder mehr Zeit zum lesen. Ich liebe den Herbst und ich liebe es, mich mit einem Pulli oder einer Decke eingekuschelt draußen hinzusetzen und ein gutes Buch zu lesen. Also habe ich mal geschaut, was der September so bietet.

1. Ken Follet – Das Fundament der Ewigkeit

„1558. Noch immer wacht die altehrwürdige Kathedrale von Kingsbridge über die Stadt. Doch die ist im Widerstreit zwischen Katholiken und Protestanten zutiefst gespalten. Freundschaft, Loyalität, Liebe … nichts scheint mehr von Bedeutung zu sein. Die wahren Feinde sind dabei nicht die rivalisierenden Konfessionen. Der eigentliche Kampf wird zwischen denen ausgefochten, die an Toleranz und Verständigung glauben, und den Tyrannen, die ihre Ideen den anderen aufzwingen wollen – koste es, was es wolle.
Ned Willard wünscht sich nichts sehnlicher, als Margery Fitzgerald zu heiraten. Doch der Konflikt entzweit auch sie, und Ned verlässt Kingsbridge, um für die protestantische Prinzessin Elizabeth Tudor zu arbeiten. Als diese wenig später Königin wird, wendet sich ganz Europa gegen England. Um in dieser heiklen Situation früh vor Mordkomplotten, Aufständen und Angriffen der konkurrierenden Mächte gewarnt zu sein, baut die scharfsinnige Monarchin mit Neds Hilfe den ersten Geheimdienst des Landes auf. Die kleine Gruppe geschickter Spione und mutiger Geheimagenten ermöglicht es Elizabeth I. in den nächsten fünfzig Jahren, an ihrem Thron und ihren Prinzipien festzuhalten. Die Liebe zwischen Ned und Margery scheint verloren zu sein, denn von Edinburgh bis Genf steht ganz Europa in Flammen …“(Quelle)

Endlich ein dritter Kingsbridge-Roman. Allerdings finde ich den Preis wirklich unverschämt hoch. Eventuell wird das hier also ein Hörbuch Kandidat.

Informationen zum Buch: Hardcover: 1162 Seiten || Verlag: Bastei Lübbe || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 12.09.2017 || ISBN: 978-3-7857-2600-6 || Preis: 36,00 €

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2. Paula Treick Deboard – Unter Wasser hört dich niemand schreien

„Das Mädchen von nebenan liegt leblos im Pool. Und der glitzernde Schein des Villenviertels „The Palms“ ist zerstört. Von Beginn an hat Liz sich dort wie eine Außenseiterin gefühlt. Nur ihrer Tochter Danielle und ihrem Mann zuliebe ist sie in diese wohlhabende Nachbarschaft gezogen. Danielle freundete sich schnell mit der gleichaltrigen Kelsey an. Bald schon ging das Mädchen bei der Familie ein und aus. Bis sie im Wasser treibt, und jeder einen Grund gehabt hätte sie hineinzustoßen – selbst Liz.“ (Quelle)

Hört sich düster und geheimnisvoll an. Ich rechne mit Intrigen, Geheimnissen und einer überraschenden Wendung.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 450 Seiten || Verlag: Harper Collins|| Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 11.09.2017 || ISBN: 978-3-959-67098-2|| Preis: 14,99 €

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3. Sasha Marianna Salzmann – Außer sich

„Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.“ (Quelle)

Ich lese sehr gerne politische Bücher und ebenso Familiengeschichten. Hier verbindet sich beides und ich hoffe, die Geschichte hält was sie verspricht.

Informationen zum Buch: Hardcover: 366 Seiten || Verlag: Suhrkamp Insel Verlag|| Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 11.09.2017 || ISBN: 978-3-518-42762-0 || Preis: 22,00 €

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4. Sven Regener  – Wiener Straße 

„Wiener Straße beginnt im November 1980 an dem Tag, an dem Frank Lehmann mit der rebellischen Berufsnichte Chrissie sowie den beiden Extremkünstlern Karl Schmidt und H. R. Ledigt in eine Wohnung über dem Café Einfall verpflanzt wird, um Erwin Kächeles Familienplanung nicht länger im Weg zu stehen. Österreichische Aktionskünstler, ein Fernsehteam, ein ehemaliger Intimfriseurladen, eine Kettensäge, ein Kontaktbereichsbeamter, eine Kreuzberger Kunstausstellung, der Kampf um die Einkommensoptionen Putzjob und Kuchenverkauf, der Besuch einer Mutter und ein Schwangerschaftssimulator setzen eine Kette von Ereignissen in Gang, die alle ins Verderben reißen.
Außer einen!
Kreuzberg, Anfang der 80er Jahre – das war ein kreativer Urknall, eine surreale Welt aus Künstlern, Hausbesetzern, Freaks, Punks und Alles-frisch-Berlinern. Jeder reibt sich an jedem. Jeder kann ein Held sein. Alles kann das nächste große Ding werden. Kunst ist das Gebot der Stunde und Kunst kann alles sein. Ein Schmelztiegel der selbsterklärten Widerspenstigen, die es auch gerne mal gemütlich haben, ein deutsches Kakanien in Feindesland.“ (Quelle)

Die 80er Jahre. Damals hatte das Berliner Kreuzberg noch einen legendären Ruf. Der Roman soll sehr derbe und bizarr sein. Böse und gleichzeitig lustig. Ich freu mich drauf, in dieser Welt zu versinken.

Informationen zum Buch: Hardcover: 304 Seiten || Verlag: Galiani-Berlin || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 07.09.2017 || ISBN: 978-3-86971-136-2 || Preis: 22,00 €

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5. Wulf Dorn – Die Kinder

„Auf einer abgelegenen Bergstraße wird die völlig verstörte Laura Schrader aus den Trümmern eines Wagens geborgen. Im Kofferraum entdecken die Retter eine grausam entstellte Leiche. Als die Polizei den Psychologen Robert Winter hinzuzieht, wird dieser mit dem rätselhaftesten Fall seiner Karriere konfrontiert: Die Geschichte, die Laura Schrader ihm erzählt, klingt unglaublich. Doch irgendwo innerhalb dieses Wahnkonstrukts muss die Wahrheit verborgen sein. Je weiter Robert vordringt, desto mehr muss er erkennen, dass die Gefahr, vor der Laura Schrader warnt, weitaus erschreckender ist als jeder Wahn.“ (Quelle)

Hört sich nach einem sehr spannenden Thriller an, also genau das richtige für den Herbst.

Informationen zum Buch: Paperback: 320 Seiten || Verlag: Heyne || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 04.09.2017 || ISBN: 978-3-453-27094-7 || Preis: 16,99 €

Die Kinder von Wulf Dorn
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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: Das Café am Rande der Welt – John Strelecky

Als ich am Strand lag und das dünne Büchlein in die Hand nahm, war ich entspannt und bereit mich auf die philosophisch angehauchte Geschichte einzulassen, von der ich schon so viel Gutes gehört hatte.

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Handlung
Der Protagonist John ist ein erfolgreicher Manager, der sich mit seinem Auto verfährt und schließlich in einem kleinen, abgelegenen Café landet. Dort fallen ihm drei Fragen auf der Speisekarte auf:

Warum bist du hier?
Hast du Angst vor dem Tod?
Führst du ein erfülltes Leben?

Diese Fragen verunsichern John und bringen ihn dazu, über verschiedene Dinge nachzudenken. Er lernt in dem Café drei Menschen kennen, die ihm mit simplen Geschichten dabei helfen, zu erkennen, was im Leben wirklich wichtig ist. Ein Beispiel ist die Erzählung eines alten Fischers, der nicht versteht, warum er eine Tätigkeit ausüben soll, die ihm nicht gefällt um im Alter viel Geld zu haben, wenn er doch auch jetzt schon in einfachen Verhältnissen glücklich ist.

„Warum verbringen soviel Zeit damit, uns auf den Zeitpunkt vorzubereiten, an dem wir tun können, was wir möchten, anstatt es einfach sofort zu tun?“

Johns Einstellung zum Leben verändert sich und am Ende kann er die drei Fragen für sich beantworten.

Thematik
Ja, es geht um die Frage nach dem Sinn des Lebens, aber dieser sieht natürlich für jeden Menschen etwas anders aus. Grundsätzlich liegt der Sinn des Buches darin, den Menschen aufzuzeigen, dass allein materieller Besitz nicht glücklich macht. Viele von uns gehen einkaufen, wenn sie traurig sind und kaufen sich schöne Dinge um eine Lücke zu füllen. Wir arbeiten viel und geben das erarbeitete Geld mit vollen Händen aus um die mangelnde Freizeit zu rechtfertigen. Konsum statt Leben.aber durch diese Rastlosigkeit fühlen wir uns nie richtig glücklich. Zumindest geht es mir so.

Fazit
Dieses Buch führt nicht zu Erleuchtung oder dazu, dass man plötzlich ganz genau weiß, wohin man mit seinem Leben will. Aber dieses Buch kann einem dabei helfen, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen. Es ist einfach geschrieben, wodurch alle Gedankengänge immer gut nachvollziehbar sind. Besonders schön fand ich die Geschichte der grünen Meeresschildkröte. Diese schwimmt nie gegen die Wellen an, sondern lässt sich einfach von ihnen treiben. Bei abfließenden Wellen bringt sie sich dann mit minimaler Kraftanstrengung weit voran, ohne zu erschöpfen.
Im Alltag und der Arbeitswelt tun wir häufig das Gegenteil. Wir strampeln gegen die Flut an und versuchen mit aller Kraft eine Lösung für festgefahrene Situationen zu finden. Irgendwann sind wir dann wie blockiert und müssen erschöpft kapitulieren. Sind wir aber entspannt und lassen uns einfach treiben, ohne krampfhaft das Problem anzugehen, kommt die Lösung meist von ganz allein.

Veränderungen muss jeder für sich selbst umsetzen, aber der Gedanke, dass man Erfolg hat, wenn man eine Sache liebt, den verfolge ich schon eine Weile und er wurde durch dieses Buch nur verstärkt.

Ich empfehle diese Erzählung also uneingeschränkt jedem, denn wenn man sich auf die Gedanken einlässt, regt die Geschichte dazu an, das eigene Leben neu zu hinterfragen.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 128 Seiten || Verlag: dtv  (01. Februar 2007) || ISBN: 978-3-423-20969-4 || Preis: 08,95 €

HH: Refill it – Wegwerfen war gestern

logo-refillitWir kennen es alle. Man ist morgens müde und schlecht gelaunt auf dem Weg zur Arbeit oder Uni und weiß, dass man ohne die nötige Portion Koffein nicht wirklich in den Tag starten kann. Auch ich bin ihn regelmäßig gegangen. Den Weg zum Café an der Ecke um schnell einen großen Milchkaffee zu ordern und diesen dann auf dem Weg zur Vorlesung, in der Übung, oder am Schreibtisch im Büro zu trinken. Jedes Mal gab es einen To Go Becher, der die Hände wärmte und jedesmal wanderte dieser anschließend in den Müll.

Laut „Deutscher Umwelthilfe“ werden in Deutschland 320.000 Einweg-Kaffeebecher pro Stunde verbraucht! Ich musste diesen Satz mehrmals lesen. Es geht hier nicht um einen Monat oder eine Woche. Nein, es ist noch nicht mal die Zahl eines Tages. Es ist die Menge von To-Go Bechern, die nach knapp einer  Stunde in der Tonne landen! Wenn man diese Summe auf das Jahr hochrechnet und dann für die ganze Welt, ist das eine so große Zahl, dass mir fast schlecht wird bei der Vorstellung, was für Müllberge wir damit produzieren.

Ich besitze zwar seit einiger Zeit einen To-Go Becher, den ich mir auf dem Weg befüllen lassen kann. Aber wie es so häufig ist, bleibt das Ding ständig zuhause stehen, ist in den Untiefen einer Tasche verschwunden oder einfach zu unhandlich um immer mitgeschleppt zu werden.
Schande auf mein Haupt, aber viel zu häufig muss ich doch auf die Wegwerf-Plastik-Alternative zurückgreifen.

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Foto: Peter Bauer

Seit dem ersten November hat in Hamburg ein Pilotprojekt gestartet, was sich gegen den Wegwerfwahnsinn und für nachhaltigen Konsum einsetzt. REFILL IT! ist das erste Mehrweg-Pfandbechersystem in Hamburg und will den Müllbergen von Einweg-Kaffeebechern entgegenwirken. Das Konzept dazu stammt vom Kaffee Händler El Rojito und wird inzwischen von zwölf weiteren hamburger Cafés unterstützt.
Der Kunde kauft in einem der teilnehmenden Cafés einen Mehrwegbecher samt Deckel und Mundstück. Entweder behält er nun seinen eigenen Becher und lässt diesen überall neu befüllen, oder er gibt ihn bei einem der Cafés zurück und erhält das Pfandgeld für den Becher. Das Mundstück behält jeder Kunde aus hygienischen Gründen.
Der Gastronom, der den Becher zurückgenommen hat, spült diesen aus und führt ihn anschließend in den Kreislauf zurück.
Ein wirklich tolles und unterstützenswertes Projekt, mit echten Hingucker Bechern!

Weitere Infos hier und auf Facebook.

Titelbild: Julie Nagel

Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen seine Würde zu nehmen.

In den letzten Tagen wurde in der Presse wieder häufiger von einer Frau berichtet, die eigentlich schon von meinem Radar verschwunden war.
Gina-Lisa Lohfink. Mittlerweile findet man auf diversen Plattformen Artikel über das Sex-Video, in dem sie mit zwei Männern zu sehen ist. Es wurde schon 2012 veröffentlicht, allerdings war das mediale Interesse damals nicht so hoch. Denn inzwischen ist der Fall vor Gericht. Es geht um Vergewaltigung und die Frage nach Opfer und Täter. Es geht um Wahrheit und Schutz.

Journalisten, die das ganze Video gesehen haben, berichten von Szenen, die in keinster Weise an einen inszenierten PR Gag denken lassen. In der Welt liest man beispielsweise „Aber in diesem Film wirkt sie wie ausgewechselt. Merkwürdig abwesend, nein, abwehrend. Sie liegt auf einer Couch, dreht den Kopf zur Seite und wiederholt immer dieselben Worte: „Hör auf!“
Was sagen uns diese Worte? Merkwürdig, wie ausgewechselt, abwesend, abwehrend. Und das immer wieder zitierte „Hör auf!“.
Es ist vollkommen egal, was für ein Bild man von Gina-Lisa Lohfink hat. Es ist irrelevant, wie sie sich in der Öffentlichkeit gibt, kleidet, was sie sagt und mit was für Szenen sie bisher auf sich aufmerksam gemacht hat. Bei dieser Sache ist sie ein Opfer. Ein Opfer, dass für seine Rechte einstehen will und kämpft. Für sich und für alle Menschen, die ähnliche Situationen erlebt haben. Sie steht mutig für eigentlich selbstverständliche Rechte ein und erntet dafür einen nicht enden wollenden Medienrummel, mit hässlichen Kommentaren, verurteilenden Worten und einer Erniedrigung ihrer Person.
In den wenigsten Artikeln der großen deutschen Presse wird Solidarität gezeigt. Stattdessen wird wahlweise versucht, möglichst sachlich über die Vorfälle zu berichten – wozu natürlich auch der öffentliche Zusammenbruch im Gerichtsgebäude gehört – oder sie wird zu einem Klischee des „wasserstoffblonden Busensternchens“, dass sich einmal bei GNTM versucht hat.
„Sie hat ja vorher schon solche Videos gedreht, da soll sie sich jetzt nicht so anstellen.“
„Wer sich so präsentiert, ist selbst Schuld.“
Hör auf! Das sollte ein klares Indiz sein und doch steht jetzt das Opfer vor der Anklagebank und soll eine hohe Geldstrafe wegen Falschaussage zahlen. Und ich sage bewusst Opfer, denn nichts anderes war sie in dieser Situation und ist sie jetzt, wo das Recht in unserem ach so liberalen Staat, eine misshandelte Frau nicht schützt. Was ist ein Mensch noch wert, wenn er erniedrigt, gedemütigt und misshandelt werden kann, um anschließend in den Dreck getreten zu werden.
Schon vor längerer Zeit wurde über eine mögliche Überarbeitung des deutschen Sexualstrafrechts diskutiert. Ein verbal ausgesprochenes Nein sollte ein eindeutiges Zeichen sein, dass die Person keiner sexuellen Handlung zustimmt. Alles was danach passiert, gilt dann als Vergewaltigung.
Es wurde nicht durchgesetzt.
Eine vergewaltigte Person muss sich körperlich wehren, damit von einer Vergewaltigung gesprochen werden kann. Ist dies nicht ersichtlich, aufgrund optischer Indizien, gilt sie als Lügnerin.
Das Gesetz ist vollkommen auf das Opfer fokussiert und natürlich gilt in unserem Rechtsstaat, dass der Angeklagte frei ist solange seine Schuld nicht bewiesen wurde. Aber in diesem Fall ist klar, dass es sich nicht um einvernehmlichen Sex handelt. Dass die Frau sich zwar nicht aktiv wehren kann wehrt, aber doch mehrmals hörbar sagt, dass die Dinge gegen ihren Willen geschehen.

Es wird häufig von der Gefahr gesprochen, dass Männer schnell zu Unrecht verurteilt werden können, wenn es keine eindeutigen Beweise gibt. Diese Angst verstehe ich, aber es impliziert, dass Frauen von vornherein dazu neigen, in diesem Fall zu ihrem eigenen Vorteil zu handeln und die Männer deshalb stärker geschützt werden müssen. Es soll hier gar nicht um die Geschlechterfrage gehen, aber doch sind es immer wieder Frauen, die verurteilt werden. Frauen zeigen sich in Musikvideos zu aufreizend. Frauen spielen mit den Männern, in dem sie ihre Sexualität einsetzen. Frauen müssen vermeiden, nachts alleine durch die Straßen zu gehen. Frauen sollten sich nicht zu weiblich kleiden, wenn sie ernst genommen werden wollen. Väter verbieten ihren Töchtern, bestimmte Kleidungsstücke zu tragen, Partner wollen nicht, dass andere Männer ihre Freundinnen anstarren und finden, dass sie dieses eine Top nur zuhause tragen sollte. Frauen verurteilen andere Frauen für wechselnde Affären. Und gibt es überhaupt etwas zwischen prüde und schlampig?
Hat irgendjemand schon mal Channing Tatum vorgeworfen, dass er sich zu billig gibt, weil er öffentlich von seiner Karriere als Stripper berichtet und mittlerweile zwei Filme zu dem Thema gedreht hat? Interessiert es irgendjemandem, wie tief ausgeschnitten Justin Biebers Shirts sind, oder dass die Boxershorts des Nachbarn zu sehen ist, weil seine Jeans fast unterm Hintern hängt?
Wo ist der Unterschied? Warum werden Frauen so viel häufiger sexualisiert als Männer? Was ist falsch daran, gerne eine Frau zu sein und dies auch zu zeigen? Nur weil ich schon mehrere Männer vor dir hatte, heißt das nicht, dass ich mich nur kurz ziere, oder mich unter Wert verkaufe. ICH bestimme über das, was ich will. ICH entscheide, wer mich wann wie berühren darf und nur ICH muss mich im Spiegel anschauen können.

Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen seine Würde zu nehmen.