Buchneuerscheinungen – Juni 2020

Der Juni hat zwar schon angefangen und Neuerscheinungen werden aktuell auch häufig verschoben, aber ich möchte trotzdem meine ausgewählten Bücher hier mit euch teilen.

1. Die EinwilligungVanessa Springora

„Wird dir nicht bewusst, wie sehr er dich ausnutzt und wie sehr er dir schadet? Er ist der Schuldige, nicht du …“
Paris, Mitte der 1980er-Jahre. Auf einer Feier lernt die vierzehnjährige Vanessa den kultivierten Literaten G. M. kennen. Sie ist verwirrt – und geschmeichelt, als er in den Wochen darauf in sehnsuchtsvollen, wunderschön formulierten Briefen um sie wirbt. Nach und nach wird sie freiwillig zum sexuellen Kindesopfer dieses Mannes. Als Vanessa begreift, wie sehr sie von ihrem Liebhaber psychisch überfordert, betrogen und manipuliert wird, sucht sie in ihrem Umfeld Hilfe. Aber vergeblich.
In dem Künstlermilieu, in dem sich Vanessa und ihre alleinerziehende Mutter bewegen, tolerieren alle, dass G. M. auf Minderjährige fixiert ist und sich seiner Neigung rühmt. Der Zeitgeist macht es ihm leicht. Auch Vanessas Mutter lässt diese Beziehung nach anfänglichem Protest zu. Die Polizei und das Jugendamt, durch anonyme Hinweise auf die strafbaren Handlungen aufmerksam gemacht, verfolgen den Fall nur halbherzig. (Quelle)

INFORMATIONEN ZUM BUCH
Die Einwilligung (Le consentement)|| Vanessa Springora || 176 Seiten ||
Blessing Verlag (09. Juni 2020) || Originalverlag: Edition Grasset ||
ISBN: 978-3-89667-683-2 || Preis: 20,00 €

Ein Nummer 1 Bestseller aus Frankreich, der weltweit für Aufsehen gesorgt hat. In dem Werk schildert die heutige Leiterin des Pariser Julliard-Verlags, wie sie als 14-jähriges Mädchen zur Liebhaberin des damals 50-jährigen französischen Schriftstellers Gabriel Matzneff wird und dieser sie rücksichtslos sexuell ausbeutet. 

2. AlsterfeuerBodo Manstein

„Die Soko Alsterfeuer ermittelt in einer Reihe von Tötungsdelikten: Ein packender Hamburg-Krimi voller unerwarteter Wendungen von Erfolgsautor Bodo Manstein
In Hamburg verbrennen drei Menschen unter einer Alsterbrücke. Ein Anschlag auf Obdachlose? Kurz darauf wird ein Rocker auf offener Straße erschossen. In beiden Fällen führen die Spuren ins Rotlichtmilieu der Hansestadt. Auf ihrer Suche nach dem Täter geraten die Ermittler um Kriminalhauptkommissar Erik van der Kolk immer tiefer in einen Strudel aus Abgründen…
“ (Quelle)

INFORMATIONEN ZUM BUCH
Alsterfeuer || Bodo Manstein || 304 Seiten || Piper Verlag (02. Juni 2020) ||
ISBN: 978-3-49250-375-4 || Preis: 15,00 €

Nach meinem letzten sehr enttäuschen Hamburg-Thriller, erhoffe ich mir von diesem Buch ein spannenderes Leseerlebnis.

3. Palmengrenzen – Gerhard Köpf

Die schönsten Stunden im Leben liegen häufig ein wenig außerhalb der Legalität, sagte Alain Delon. Das gilt auch für den pensionierten Notar Bruno Ziegler, der während eines Arbeitsaufenthaltes im Grand Hotel Garibaldi in den idyllischen Allgäuer Bergen wie zufällig in die Kreise der Mafia gerät. Was ihn mehr und mehr fasziniert, wird ihm schließlich zum Verhängnis. Er wird Zeuge, wie sich eine neue geräuschlose Generation der Ehrenwerten Gesellschaft ausbreitet, die nicht mehr wild um sich schießt und Staatsanwälte in die Luft jagt, sondern diskret und klammheimlich wächst und gedeiht, auch weil ihre Existenz von der offiziellen Politik geleugnet wird. Während einer Zugfahrt schreibt er seine Beobachtungen über die ?Verschiebung der Palmengrenze? ins Allgäu nieder. Er tut dies nicht zuletzt in Hinblick auf seinen neuen Mandanten, einen Mann, den alle nur den Commendatore nennen. Außerdem ist da noch die rätselhafte attraktive Witwe des Hoteliers, die ein Auge auf den Notar geworfen hat: privat, aber auch geschäftlich…“ (Quelle)

INFORMATIONEN ZUM BUCH
Palmengrenzen || Gerhard Köpf || 240 Seiten || braumüller Verlag (01. Juni 2020) ||
ISBN: 978-3-99200-269-6 || Preis: 22,00 €

Ich habe eine kleine Faszination für das organisierte Verbrechen und dieses Buch klingt interessant und nach etwas anderem über dieses Thema.

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: Rechnung offen – Inger-Maria Mahlke

INHALT

Die Handlung spielt in einem Mietshaus in Berlin-Neuköln mit einer bunten Mischung aus Hausbewohnern. Da gibt es die an Alzheimer erkrankte Rentnerin Elsa, die in ihren Erinnerungen der Nachkriegszeit lebt, Ebba, die Tochter des Hausbesitzers, die ihren Eltern einen nicht erreichten Abschluss vorgaukelt, die alleinerziehende Mutter Manuela mit ihrem Sohn Lucas, die ihr Geld als Domina verdient, Nicolai, der Enkel der alten Dame, der sie wahrscheinlich nur wegen der Geldscheine besucht, die sie im zusteckt und eine Gruppe von afrikanischen Drogendealern, die ohne Heizung leben. Und schließlich auch Claas, der Hausbesitzer selbst, der aufgrund seiner Kaufsucht einen Haufen Schulden angehäuft hat und deshalb von seiner Frau aus der Charlottenburger Nobelwohnung rausgeworfen wird. Eine offene Rechnung haben alle, finanziell, mit einer anderen Person, dem Leben oder sich selbst.

MEINE MEINUNG

Als ich den Roman in die Hand genommen habe, hatte ich hohe Erwartungen. „Ein diagnostisches Zeitbild – eine große Parabel über die Abgründe des Lebens am Rande unserer gentrifizierten Welt“ war eine Beschreibung, die mein Interesse geweckt hat. Die Sprache wurde von der Presse in den höchsten Tönen gelobt.
Hohe Erwartungen sind nie gut und tatsächlich habe ich nach den ersten Kapiteln überlegt, das Buch abzubrechen. Die Autorin beschreibt Parallelgeschichten, deren Zusammenhang zwar zum Teil erkennbar, die aber trotzdem nicht auf einen gemeinsamen Punkt hinzulaufen schienen. Ich konnte keine Verbindung zu den Figuren aufbauen und hatte Schwierigkeiten in den Sprachstil reinzufinden. Der Satzbau ist lang, manchmal ungewohnt und entspricht nicht dem Stil eines Standard-Romans. Auch die Erzählperspektive wechselt manchmal. Das verwirrte. Schließlich habe ich mich aber darauf eingelassen, mich konzentriert, aufmerksamer gelesen. Nicht mehr abends vor dem Einschlafen, sondern ganz bewusst und fokussiert.

Und dann hat die Geschichte einen Sog entwickelt, hat mich der Schreibstil fasziniert. Es ist ein hohes literarisches Niveau und entspricht eben nicht dem klassischen Bestseller-Roman. Es war nicht mehr wichtig, ob ich eine Beziehung zu den Figuren aufbauen konnte, denn was diesen Roman ausmacht, ist die messerscharfe Beobachtung. Die Autorin konzentriert sich nicht auf das Gefühlsleben der Figuren, stattdessen agiert sie wie eine Zuschauerin, notiert Details, schafft eine dichte Atmosphäre. Es wird nie etwas erklärt und trotzdem kann man das Handeln, das Gefühlsleben der Figuren nachvollziehen. Nichts an diesem Buch ist klischeehaft (und das kann schnell passieren, wenn über die Gesellschaft und dann auch noch am Schauplatz Berlin geschrieben wird…).

„Sie hatte reglos gelegen, das Laken unter ihr nass, das andere, das als Bettdecke diente, zusammengeknüllt am Fußende. Sie hatte es von ihren Beinen geschüttelt, mit den Sohlen dort hinabgetreten. Hatte auf dem Rücken gelegen, nackt, kein Luftzug auf ihren Schenkeln, ihrem Bauch, ihren Brüsten. Hatte gefühlt, wie ihre Hände sich zusammenzogen, die Fingernägel Halbmonde in ihre Hand pressten, den Kopf von der Tür abgewandt. Hatte die Augen geschlossen, wenn es still war, die Nägel tiefer gegraben, wenn Lela wieder anfing. Hatte es mit dem Kopfkissen versucht, eine Gesichtshälfte in die Matratze gedrückt, auf der anderen das Kissen. Der Schweiß war über ihre Wangen gelaufen, zu den Nasenflügeln, sie hatte ihn mit dem Handgelenk abgewischt, hatte das Kopfkissen auf die Erde geworfen, war zu träge gewesen, es wieder aufzuheben.“ (Seite 98)

Gerade zu Beginn ist es nicht ganz einfach, der Geschichte zu folgen, denn die Erzählung springt zwischen den verschiedenen Figuren in diversen Situationen hin und her. Der Roman ist fordernd und sicher nicht für jeden etwas. Ich würde dafür keine uneingeschränkte Empfehlung abgeben. Man muss sich darauf einlassen können und wollen. Die Beobachtungen sind präzise genau, kalt, schonungslos und teilweise deprimierend. Trotzdem wurde ich nicht hoffnungslos zurückgelassen. Aber das macht wohl das menschliche Leben aus…

INFORMATIONEN ZUM BUCH

Rechnung offen || Inger-Maria Mahlke || 288 Seiten || Literatur || Berlin Verlag (12. Februar 2013) ||
ISBN: 3827011302 || Preis: 9,99 €

Gelesen: Die beste Depression der Welt – Helene Bockhorst

Inhalt

Nachdem Vera versucht hat, sich umzubringen, ging ihr Blogpost dazu viral. Deshalb soll sie nun einen Ratgeber zum Umgang mit Depressionen schreiben. Und ein Buchvertrag war immer ihr Traum! Aber wie soll das klappen, wenn man so müde und antriebslos ist? Vera probiert es mit Meditation, Lach-Yoga, Sex, Koks, gesünderem Essen, dem Kampffisch Karl als Haustier. Aber nichts hilft und inzwischen wird auch ihr Lektor sehr ungeduldig.
Vielleicht ist sie noch nicht depressiv genug, muss stärker in den negativen Gefühlen von damals versinken? Vielleicht ist Vera aber auch einfach nicht die Richtige, um diesen Ratgeber zu schreiben, denn wie man eine Depression überwindet, das weiß Vera selbst nicht…

Meine Meinung

Helene Bockhorst gibt in ihrem Roman einen guten Einblick, wie das Leben mit einer Depression aussehen kann. Sie verharmlost nichts und redet nichts schön, beschreibt schonungslos, dass an manchen Tagen der größte Erfolg ist, sich zu duschen. Vera unternimmt die unterschiedlichsten Dinge, um ihre Depression in den Griff zu bekommen. Es ist amüsant beschrieben, wie lächerlich sie sich beim Lachyoga vorkommt und dass sie das Konzept der Meditation nicht versteht.

In „Die beste Depression der Welt“ wird der Krankheit Depression mit Witz begegnet, dabei kommt aber nie das Gefühl auf, dass diese Krankheit nicht ernst zu nehmen ist. Ganz im Gegenteil. Die Gedankengänge von Vera sind nachvollziehbar und authentisch, vor allem die ewige Prokrastination und die Beschäftigung mit völlig irrelevanten Themen, wenn sie eigentlich schreiben müsste.
Es scheint fast zynisch, wie Vera es kaum schafft, morgens aufzustehen und sich dann selbst dafür fertig macht, dass sie „nicht depressiv genug“ ist (schließlich hat sie das letzte Mal versucht, sich umzubringen).

„Ich denke ein bisschen an das Buch, das ich schreiben muss, um mich zu quälen. Wenn ich länger nicht daran denke, dass ich etwas aufgeschoben habe, ist das irgendwann so weit weg, dass die Angst nachlässt und es sich unwirklich anfühlt. Aber wenn ich mir vor Augen führe, wie der Termin immer näher rückt und wie wenig ich bis jetzt zustande gebracht habe, dann kommt die Angst wieder. Es wäre so toll, wenn ich krank werden könnte. Also mit einer richtigen Krankheit, die Leute respektieren. Es müsste etwas sein, was man sieht, und wo niemand argumentieren kann, man müsse sich nur zusammenreißen.“ (S. 87/88)

Das Buch war leicht und locker zu lesen, ohne den nötigen Tiefgang fehlen zu lassen. Gerade die Beschreibung von Veras Kindheitserinnerungen hat mir gut gefallen und war passend in die Geschichte eingebettet. Insgesamt hat mir der Erzählstil gefallen, lediglich an manchen Stellen war mir der Humor ein bisschen zu aufgesetzt, zu klischeehaft.
Ich kenne die Bühnenperson Helene Bockhorst nicht, kann mir aber vorstellen, dass ihren Fans auch diese Passagen gefallen.

Ob das Buch Menschen mit Depressionen einen Mehrwert bietet, vermag ich nicht zu beurteilen, aber es schafft Verständnis für diese Krankheit und den Umgang mit psychisch kranken Menschen.

Informationen zum Buch: Hardcover: 320 Seiten || Verlag: Ullstein Buchverlage
(30. März 2020) || ISBN: 9783550200762 || Preis: 20,00 €

Vielen lieben Dank an den Ullstein Verlag für das *Rezensionsexemplar.

Buchneuerscheinungen – Juni 2019

Langsam wird es wärmer, wird auch Zeit wirklich Zeit, wo der Juni doch schon vor der Tür steht. Dann kann man endlich wieder mit den Büchern draußen am See oder auf dem Balkon liegen.

1. Gabriel García Márquez – Die Liebe in den Zeiten der Cholera

„Die schönste Liebesgeschichte der Welt und einer der bedeutendsten Romane des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. 51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage wartet Florentino Ariza auf Fermina Daza. Schon als Achtzehnjähriger hat er sich unsterblich in sie verliebt, in ihren stolzen Gang und den schweren Zopf auf ihrem Rücken. In poetischen Briefen hat er um sie geworben, für kurze Zeit ihre Aufmerksamkeit gewonnen, und sie dann doch an Doktor Juvenal Urbino verloren. Aber nie hat er aufgehört, sie zu lieben.“ (Quelle)

Keine Neuerscheinung in dem Sinne, sondern ein Klassiker in neuem Gewand. Da ich das Buch aber noch nie gelesen habe, es aber auf meiner Liste von „Büchern, die ich im Leben gelesen haben will“ steht, ist es eine Auflistung wert.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 512 Seiten || Verlag: FISCHER  || Erscheinungsdatum: 26.06.2018 || ISBN: 978-3-492-31221-9|| Preis: 11,00 €

2. Theresa Hannig – Die Unvollkommenen

„Bundesrepublik Europa, 2057: Es herrscht Frieden in der Optimalwohlökonomie, einem lückenlosen Überwachungssystem, in dem mithilfe von Kameras, Linsen und Chips alles erfasst und gespeichert wird. Menschen und hochentwickelte Roboter sollen Seite an Seite leben. Störenfriede werden weggesperrt.So auch die Systemkritikerin Lila. Als sie im Gefängnis aus einem künstlichen Koma erwacht, stellt sie fest, dass ihr schlimmster Albtraum wahr geworden ist: Die BEU wird von einer KI regiert. Samson Freitag wird als Gottkönig verehrt und erpresst von den Bürgern optimalkonformes Verhalten. Für Lila steht fest, dass sie Samsons Herrschaft und die Entmündigung der Menschen beenden muss. Ihr gelingt die Flucht, doch Samson spürt sie auf und bietet ihr einen Deal an, den Lila nicht ausschlagen kann…“ (Quelle)

Klingt mega spannend und zwischendurch lese ich sehr gern Zukunftsutopien/-dystopien.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 399 Seiten || Verlag: Bastei Lübbe || Erscheinungsdatum: 28.06.2019 || ISBN:  978-3-404-20947-7 || Preis: 10,00 €

3. Johannes Klaus – The Travel Episodes: Über die Lust am Alleinreisen

„Jeden Tag nach den eigenen Wünschen und Vorlieben leben? Die Freiheit, zu bleiben oder zu gehen, wie es einem beliebt? Im eigenen Tempo reisen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen? Diese Autorinnen und Autoren erzählen vom Reisen mit sich selbst und wie es die eigene Wahrnehmung verändert. Denn das Solo-Reisen öffnet verborgene Türen und fremde Herzen, es macht verwundbar, aber auch empfänglich für die Wunder der Ferne. Diese Geschichten zeugen von der Lust, einfach allein loszuziehen und doch nicht einsam zu sein. Für Alleinreisende und all jene, die es werden wollen“ (Quelle)

Meine erste kleine Soloreise steht im Juni an. Zwar erst mal nur eine Woche und ich bleibe innerhalb von Deutschland, aber aufregend ist es trotzdem. Ferne Ländern faszinieren mich, vor allem wenn man sie fernab von Pauschaltourismus und Reisegruppen kennenlernen kann. Von diesem Buch erhoffe ich mich Inspiration, ein bisschen Mut neue Länder auch allein zu erkunden und vor allem eine Prise Fernweh.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 256 Seiten || Verlag: Malik  || Erscheinungsdatum: 04.06.2019 || ISBN: 978-3-492-40500-3 || Preis: 15,00 €

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: Untreue – Paulo Coelho

Mehr als ein Jahr ist vergangen, ohne dass ich diesen Blog mit Leben gefüllt habe. Ich hatte irgendwie zu viele andere Dinge in meinem Leben und die Lust an diesem verloren. Die Lust ist aber wieder da und ich überlege, wie ich das hier anders gestalten kann. Andere Inhalte vielleicht, oder eine zweite Plattform dafür… Mal schauen, was ich da mache, aber starten möchte ich mit einem „Gelesen“ Artikel.

Von Paulo Coelho kannte ich bereits „Der Alchimist“, was mir damals gut gefallen hat. Eine philosophische Geschichte, erzählt mit einem nüchternen und verständlichen Schreibstil, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Als ich dann in einer Buchhandlung auf dem Sonderangebote Tisch den Namen „Coelho“ entdeckte, zögerte ich nicht lange und nahm das Buch mit.
Vorweg möchte ich sagen, dass die Bücher von Coelho nicht für jeden Geschmack etwas sind. Man muss bereit sein, sich in diese Gedankenwelt fallen zu lassen und ein wenig zwischen den Zeilen des schnörkellosen Schreibstils forschen.

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Bildquelle

Handlung

Die Protagonistin Linda ist 31 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern in Genf. In ihrem Beruf als Journalistin ist sie erfolgreich und dank des Jobs ihres Mannes genießt ihre Familie nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch einen gewissen Luxus im Alltag. Man könnte meinen, Linda lebt ein perfektes Leben, aber schon auf den ersten Seiten wird klar, wie unglücklich diese Frau ist. Sie stellt ihr Leben, ihre Entscheidungen und persönlichen Werte in Frage. Der Alltag mutet für sie wie ein Gefängnis an, langweilig und bedeutungslos. Als sie im Rahmen eines Interviews auf ihren Exfreund Jakob aus Schulzeiten trifft, beginnt sie mit ihm eine Affäre und verspürt endlich wieder tiefe Emotionen. 

Thematik

In gewisser Weise ist die Untreue von Linda nur ein Versuch, ihren traurigen Gefühlen und eigentlichen Problemen zu entkommen. Das Thema Depressionen kommt zur Sprache, allerdings finde ich es schwierig einzuordnen ob Linda tatsächlich daran leidet. Dafür wird mir die Thematik zu oberflächlich behandelt.
Die heimlichen Treffen geben Linda einen Kick und sie verfällt in eine regelrechte Obsession diesem anderen Mann gegenüber. Stalkt ihn und seine Frau und versucht sich für ihn unverzichtbar zu machen. Gleichzeitig empfindet sie Scham und Schuldgefühle ihrem Ehemann gegenüber, der sich verständnisvoll und liebevoll zeigt, als sie ihm von ihren traurigen Gedanken berichtet. Es wird klar, dass Lindas Problem nicht die Ehe mit ihrem Mann ist, den sie definitiv liebt, sondern vielmehr eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, zu schnell „erwachsen“ geworden zu sein. Gerade in den ersten Kapiteln konnte ich die scheinbar irrationale Negativität von Linda gut nachvollziehen, auch wenn diese auf rein egoistischen Motiven beruht. Aber sind wir nicht alle irgendwie egoistisch, vor allem wenn es um das eigene Glück geht? Einige ihrer Gedanken haben mich zum Nachdenken über mein eigenes Leben angeregt. Ist es sinnvoll, immer dem vermeintlich geraden Weg zu folgen oder macht es an einigen Abbiegungen Sinn, eventuell mal in eine andere Richtung zu denken und etwas zu wagen? Denn sobald man nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist (Stichwort Eigentum & Familie…), ist es viel schwieriger, Wagnisse einzugehen. Der Ehebruch macht Linda nur kurzzeitig glücklicher, wobei ich dieses Wort auch schwierig finde, es ist eher so, dass sie intensiver „fühlt“, sich dem „Trott“ entronnen sieht und endlich wieder Aufregung verspürt.

Schlussendlich kehrt Linda reumütig zu ihrem Mann zurück, mit der Absicht ihm alles zu beichten. Als dieser ihr jedoch das Gefühl gibt, zu wissen was vorgefallen ist, wobei er mit unerwartetem Verständnis reagiert und davon spricht, dass der Mensch und die Liebe im Allgemeinen nicht immer vernünftig sind, schweigt sie. Scheinbar geben die beiden ihrer Ehe eine neue Chance und erkennen, dass es am Ende nur auf die Liebe ankommt.

Das Ende hat mich demnach irgendwie enttäuscht zurückgelassen. Es mutet fast kitschig an, wie die Familie Silvester feiert und Linda sich wieder geborgen und angekommen fühlt. Im Endeffekt hat sie nichts an ihrem Leben geändert, sondern ist ausgebrochen, hat ihren Mann betrogen und dabei erkannt, dass das was sie hatte auch das ist, was sie eigentlich will.
Ist das nun eine Rechtfertigung für Affären, da sie einem zeigen, was man hat? Diese Erklärung finde ich zu einfach. Auch ihren Mann verstehe ich nicht. Wusste er nun, dass sie eine Affäre hatte oder redet Linda sich nur ein, dass er Verständnis für ihre Situation hat und eigentlich ahnt er nichts von ihrem Betrug? Denn seine ruhige Art und das einfache Hinnehmen der Situation ist für mich nicht nachvollziehbar.

Fazit

Insgesamt ist die Handlung relativ simpel und die Geschichte lebt für mich vom Schreibstil und den Denkanstößen des Autors. Die erste Hälfte des Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich habe über viele Dinge nachgedacht. Wie verwöhnt ist unsere Gesellschaft, mit all den Annehmlichkeiten, die die westliche Welt bietet. Wir meinen, dieses Leben sinnvoll nutzen zu müssen und scheitern vielleicht daran „sinnvoll“ zu definieren. Ist mit „sinnvoll“ nicht vor allem gemeint, dass wir uns glücklich und mit uns selbst, unseren Entscheidungen und der Art zu leben im Reinen fühlen? Das Ende kam dann sehr abrupt und erinnerte mich an einen schlechten Liebesfilm, der am Ende noch versucht eine moralische Botschaft mitzugeben, welche man in dieser Form schon hundertmal gehört oder gesehen hat.
Das Buch liest sich schnell weg und hat mich zum Teil gut unterhalten und auch zum Nachdenken angeregt. Eine direkte Empfehlung würde ich aber nicht aussprechen, da gibt es sicherlich andere Bücher mit ähnlicher Thematik, die einen größeren Mehrwert bieten.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 320 Seiten || Verlag: Diogenes Verlag     (01. Mai 2016) || ISBN-13: 978-3-257-24348-2 || Preis: 12,00 €