Gelesen: Schwimmen – Sina Pousset

Vor einigen Wochen hat mich der Debutroman „Schwimmen“ von Sina Pousset erreicht. Ullstein fünf ist das jüngste Verlagsprogramm der Ullstein Buchverlage. Veröffentlicht werden deutschsprachige Schriftsteller/innen, die noch unbekannt sind und durch besondere Erzählweisen überzeugen. Als ich das kleine blaue Buch in den Händen hielt und den Klappentext las, war mir schnell klar, dass dies ein ganz besonderer Roman ist.

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Ullstein fünf

Handlung
Erzählt wird zunächst der Alltag von Milla, die neben ihrem Job als Lektorin die kleine Emma aufzieht. Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag, doch als Milla in der Jackentasche ihres besten Freundes Jan einen Zettel findet, scheint sich in ihr ein Knoten zu lösen. Schnell wird klar, dass Jan tot ist und Milla für eine lange Zeit in unterdrückter Trauer gelebt hat, gepaart mit dem Gefühl von Schuld.
Sie beschließt, Kristina zu besuchen und sich mit ihr gemeinsam der Vergangenheit zu stellen. Fast leise und vorsichtig nährt man sich dem Sommer, den Milla, Kristina und Jan gemeinsam am Meer verbracht haben und der mit Jans tragischem Tod geendet hat. Man erfährt etwas über die enge Freundschaft zwischen Milla und Jan, die seit Kindertagen besteht und warum Emma zu Milla nicht „Mama“ sagt.

Thematik
Freundschaft, Liebe, Familie. All das sind Themen, die im Roman eine wichtige Rolle spielen. Noch viel wichtiger ist aber das Gefühl, was die junge Autorin mit ihrer Sprache hervorruft.

„Milla erstarrt, ihre Worte hängen noch vor ihrem Mund und können nicht zurück. Schon lässt er los, schon ist er weg. Jan geht an ihr vorbei, so schnell, dass sie die Luft fühlt, die er mit sich nimmt, nach drinnen. Sie steht da, allein, einen Moment lang und hält die Finger an ihren Mund. Sie wartet, bis ihr das Blut langsam wieder aus den Wangen weicht. Dann folgt sie ihm.“

(Sina Pousset, Schwimmen, S. 141f)

Das Buch ist auf eine zarte Weise melancholisch und nachdenklich. Es erzählt die Geschichte von jungen Erwachsenen, die auf der Suche nach sich selbst und ihren Träumen sind.
Der Umgang mit und die Bewältigung von Trauer sind ein zentrales Thema und die Verzweiflung der Protagonisten ist spürbar.

Fazit
Sina Pousset hat mit ihrem Debutroman eine ganz besondere Geschichte geschaffen. Die Autorin lässt den Leser tief in die Gefühlswelt ihrer Figuren eintauchen. Obwohl die Geschichte sehr traurig und tragisch ist und der Roman von einem bedrückten Gefühl dominiert wird, schenkt die Geschichte schlussendlich Hoffnung. Und dieses Gefühl bleibt nach der letzten Seite in mir verankert. Durch die wunderschöne Sprache der Autorin hallt die Geschichte noch lange nach und bleibt im Gedächtnis. Teilweise ist der Roman sehr schmerzhaft, dabei aber immer auf eine zarte Weise, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Gerade während der aktuell kalten und grauen Jahreszeit lässt sich dieser Roman sehr gut lesen und man kann sich ganz in der Geschichte verlieren.
Ich hoffe, noch mehr von dieser talentierten jungen Frau lesen zu können.
Hier findet ihr noch ein lesenswertes Interview von Sina Pousset und ihrer Lektorin Aylin Salzmann, die neben ihrer beruflichen Zusammenarbeit auch eine Freundschaft verbindet.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 224 Seiten || Verlag: Ullstein fünf Verlag  (08. September 2017) || ISBN: 978-3-961-01007-3 || Preis: 18,00 €

Vielen lieben Dank an den Ullstein fünf Verlag, der mir das Buch kostenlos zugeschickt hat.

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Gelesen: Die Flut – Arno Strobel

Ich bin vor ein paar Jahren durch Zufall auf meinen ersten Strobel Thriller gestoßen. Als Mängelexemplar in einer Buchhandlung mitgenommen, hat „Das Skript“ mich von der ersten Seite an gefesselt.
Schnell zogen weitere Bände ein und ich wurde immer sehr gut unterhalten.
Zuletzt kam nun „Die Flut“ dazu“ und ich erhoffte mir eine spannende Geschichte mit vielschichtigen Figuren und einem eiskalten Killer.

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Handlung
Das junge Paar Michael und Julia macht Ferien auf der Insel Amrum. Dorthin wurden sie von Michaels Arbeitskollegen Andreas eingeladen, um die Zeit gemeinsam mit ihm und seiner Frau zu verbringen. Schnell wird klar, dass die vier nicht auf einer Wellenlänge sind und die Stimmung ist eher mäßig. Dann geschieht am Strand ein grausamer Mord, bei dem eine Frau stirbt, während ihr Partner dabei zusehen muss. Es scheint, als hätte es der Täter auf Pärchen abgesehen und zu allem Unglück gerät Michael in das Visier des leitenden Polizeibeamten. Die vier sind also gezwungen, auf der Insel auszuharren.

Thematik
Innerhalb der Geschichte kommt es immer wieder zu Perspektivwechseln zwischen den vier Protagonisten und den zwei ermittelnden Polizisten. Gelegentlich gibt es auch kurze Passagen aus Sicht des Täters. Gerade diese Passagen haben es in sich, da der Täter von enormer Intelligenz ist und Freude dabei empfindet, sein Spielchen mit der Polizei zu treiben. Der Täter ist ein absoluter Psychopath, was sehr deutlich wird, als er sich an Szenen aus seiner Kindheit erinnert.

Es war,als presse etwas Fremdartiges Gedanken aus seinem Verstand, die er nicht denken wollte, Sogar sein umfangreicher Wortschatz bot ihm keine Möglichkeit genauer zu beschreiben, was er empfand. Nicht einmal für sich selbst, Diese Unzulänglichkeit machte ihn wütend, so sehr, dass er aufsprang, zu Sarah lief und ihr ohne Zögern seine geballte Kinderfaust ins Gesicht schlug.

(Arno Strobel, Die Flut, S. 8)

Ich fand die Figur des Täters sehr interessant, aber leider ist diese etwas in den Hintergrund gerückt und die Motive spielten nur am Rande eine Rolle. Insgesamt erinnerte die Handlung eher an einen Kriminalroman denn an einen Thriller.

Die Konflikte innerhalb der Gruppe der Protagonisten hätten zur Spannung beitragen können. Denn zu der anfänglichen schlechten Laune sind dann auch noch Misstrauen und Stress hinzugekommen. Aber irgendwie liefen die Streitereien immer nach dem gleichen Schema ab und gerade die zwei Frauen gingen mir irgendwann nur noch auf die Nerven.

Fazit
Ich muss leider sagen, dass mich das Buch enttäuscht hat. Durch die kurzen Kapitel war das Buch zwar schnell gelesen, aber der Plot und die Figuren konnten mich nicht überzeugen.
Die Protagonisten waren allesamt unsympathisch und haben sehr oft unlogisch gehandelt. Die Szenen aus der Sicht des Täters, sowie die Taten an sich waren sehr kurz gehalten und ein wirkliches Spannungsgefühl kam dabei nicht auf.
Insgesamt dümpelte die Geschichte dadurch ziemlich vor sich hin.

Sehr schade, aber wäre das mein erstes Buch von Strobel gewesen, hätte ich wohl kein anderes mehr gelesen.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 368 Seiten || Verlag: Fischer Taschenbuch (21. Januar 2016) || ISBN: 978-3-596-19835-1|| Preis: 9,99 €

Gelesen: Die Geschichte der getrennten Wege – Elena Ferrante

Gleich nach Abschluss des zweiten Bandes Die Geschichte eines neuen Namens bin ich in die nächste Buchhandlung um mir den folgenden Band zu holen. Trotz des eher ruhigen Starts hatte der zweite Teil zum Ende hin richtig Fahrt aufgenommen und ich musste wissen, wie es weiterging.
Nachdem dann auch noch die Buchhändlerin versprach, dass der dritte Teil den zweiten noch um Längen schlagen würde, konnte ich es kaum erwarten, wieder in die Geschichte um Lenù und Lila einzutauchen.
Die Rezension von „Die Geschichte der getrennten Wege“ hat jetzt leider doch etwas auf sich warten lassen, aber manchmal spielt das Leben halt so.

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Handlung
Wie schon der Name vermuten lässt, gehen Lenù und Lila inzwischen getrennte Wege. Lenù, zuvor als erfolgreiche Schriftstellerin gefeiert, verbringt ihre Tage nun als Hausfrau und Mutter. Gelangweilt von ihrem Alltag und frustriert von dem mangelnden Interesse an ihrer Person, bemüht sie sich weiterhin um Anerkennung. Dabei versinkt sie immer mehr in einer melancholischen und teilweise depressiven Stimmung.
Lila hat sich von ihrem Mann Stefano, sowie ihrem Liebhaber Nino getrennt und lebt nun mit ihrem Sohn bei Enzo. Dieser ist ein alter Jugendfreund der Mädchen und schon seit Schultagen in Lila verliebt. Zusammen meistern sie ihren Alltag eher schlecht als recht, gehen Knochenjobs nach und lernen bis spät in die Nacht gemeinsam für Enzos Studium. Doch trotz der Nähe zwischen den beiden, bleibt ihre Beziehung rein platonisch.
Die beiden Freundinnen halten lose Kontakt und telefonieren unregelmäßig.
Im Laufe der Geschichte wird Lila in die politischen Wirren der damaligen Zeit hineingezogen, schafft es es jedoch, sich schlussendlich ein neues Leben mit einer erfolgreichen Karriere aufzubauen. Lenù hingegen scheitert an weiteren Versuchen, einen Roman zu verfassen und langweilt sich in ihrer Ehe, bis plötzlich eine alte Liebe wieder in ihr Leben tritt.

Thematik
Der Grund, dass mich dieser Roman so mitgerissen hat, liegt an den gesellschaftspolitischen Aspekten, die den Roman thematisch beherrschen. Italien wird von blutigen Unruhen erschüttert. Faschisten und Kommunisten liefern sich einen heftigen Kampf, es kommt zu Studentenrevolten und die Rufe nach Reformen werden immer lauter. Auch die Frauenbewegung nimmt an Fahrt auf und vor allem Lenù beschäftigt sich intensiv mit dem herrschenden Frauenbild und ihrer eigenen Rolle in der Gesellschaft.
In Zwischentönen werden auch immer wieder die Machenschaften der Camorra thematisiert, zu welchen ich mir gerne noch mehr Details gewünscht hätte.

Fazit
Mich konnte dieser Roman vollends überzeugen, auch wenn ich schon andere Stimmen gehört habe, die den Erzählfluss langatmig und wenig anregend fanden. Dem kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Für mich liegt Ferrantes Talent gerade darin, mit ihrer Sprache auch Alltagsgeschehnisse anschaulich und mitreißend zu schildern.
Zwar finde auch ich die Freundschaft der zwei Protagonistinnen teilweise schwer nachvollziehbar, aber unrealistisch ist diese Beziehung damit nicht. Ich habe tatsächlich schon öfter Menschen getroffen, die in für mich ungesunden Beziehungen steckten. Die sich gerade aufgrund der vermeintlichen Unterlegenheit, zu einer anderen Person hingezogen fühlten. Sowohl platonisch als auch romantisch. Und gerade Lenù hat mit Lila eine Freundin, die viele Kindheits- und Jugenderinnerungen mit ihr teilt, welche ihr aktuelles Umfeld nur teilweise bis gar nicht nachempfinden kann. Diese Verbundenheit sollte in einer Freundschaft nicht unterschätzt werden.
Der Roman hat für mich einige Spannungsbögen, die sich teilweise bis zum Ende durchziehen. Dies lässt auf ein fulminantes Finale im vierten und letzten Teil hoffen, der leider erst im Februar nächsten Jahres erscheinen soll.

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 540 Seiten || Verlag: Suhrkamp Verlag (28. August 2017) || ISBN: 978-3-518-42575-6 || Preis: 24,00 €

Gelesen: Die Geschichte eines neuen Namens – Elena Ferrante

Mit „Geschichte eines neuen Namens“ ist der zweite Band der Ferrante Reihe erschienen. Erzählt wird die Lebensgeschichte zweier junger Frauen aus dem Rione in Neapel. Die Handlung ist sehr vielschichtig und detailliert, weshalb ich hier nur kurz die wichtigsten Punkte zusammenfasse. Die Rezension zum ersten Teil findet ihr hier.

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Handlung
Der zweite Teil knüpft nahtlos an den ersten Band an und ich war schon nach den ersten Seiten wieder im Geschehen. Lila bemerkt noch während ihres Hochzeitsfestes, dass sie von ihrem Mann hintergangen wurde. Stefano sollte ihre Chance auf ein selbstbestimmtes Leben sein. Er sollte ihr zu der ersehnten Freiheit und Unabhängigkeit verhelfen. Aber er macht Geschäfte mit den Solaras, Mitglieder der Camorra, die von Lila verhasst sind. Zu allem Übel sind auch ihr Vater und ihr Bruder in deren Machenschaften verstrickt und Lila fühlt sich von allen Seiten verraten. Von da an ist die Liebe des jungen Paares erloschen und ein ständiger Kampf beginnt.
Lenù hingegen macht ihren Abschluss am Gymnasium und erlangt ein Stipendium für ein renommiertes Studium in Pisa. Sie steigt in der Gesellschaft auf und schafft es durch ihre Bildung, dem Rione zu entfliehen.
Den Hauptteil des Buches nimmt ein gemeinsamer Urlaub am Meer ein, den Lila und Lenù gemeinsam mit Lilas Mutter und ihrer Schwägerin am Meer verbringen. Dort verbringen sie viel Zeit mit Nino, für den Lenù noch immer heimlich schwärmt. Aber leider interessiert Nino sich nicht für sie, sondern für die verheiratete Lila…
Am Ende steht ein biografisches Buch, das Lenù geschrieben hat und welches ihr zu literarischem Durchbruch verhilft.

Thematik
Trotz räumlicher Entfernung und spärlichem Kontakt, bleibt die Freundschaft zwischen Lila und Lenù bestehen. Geprägt wird diese aber weiterhin durch Rivalität, Missgunst und geheimer Bewunderung der anderen. Vor allem Lenù fühlt sich von Lila noch immer in den Schatten gestellt, hat das Gefühl, dass alles was sie erreicht, eigentlich Lila gebührt. Sie hat Angst, dass ihr Fleiß neben Lilas Intelligenz nichts wert ist und gleichzeitig ist sie sich ihrer höheren Bildung und dem daraus resultierenden Ungleichgewicht doch bewusst.

„(…) Ich fürchtete, dass egal, was Lila anzog, ihre Schönheit explodieren würde wie einStern und jeder sich darum reißen würde, ein Stückchen davon zu erhaschen. Ich fürchtete, sie könnte Dialekt sprechen und anstößige Dinge sagen, fürchtete, es könnte herauskommen, dass für sie nach der Grundschule mit dem Lernen Schluss gewesen war. Ich fürchtete, dass alle fasziniert von ihrer Intelligenz sein würden, sobald sie den Mund auftat (…)“

(Elena Ferrante, Die Geschichte eines neuen Namens, S.195 f).

Lila hingegen sieht in Lenùs Möglichkeiten alles, was sie nie erreichen wird. Sie unterstützt ihre Freundin, indem sie ihre Schulbücher bezahlt und ihr einen Raum zum Lernen anbietet. Doch trotzdem kommt es ihrerseits immer wieder zu spitzen Hieben Lenù gegenüber, und sie wirft ihr vor, dass sie sich für etwas besseres hält und sich in lächerlicher Weise aufspielen würde.
Was im ersten Teil nur am Rande angedeutet wurde, rückt in diesem Band weiter in den Mittelpunkt: Die italienische Politik der 60er Jahre. Die Protagonisten sind jung und weltoffen. Es geht um den erstarkenden Kommunismus, den Aufstieg der Camorra und das starke Gefälle zwischen den gesellschaftlichen Schichten.
Zudem wird die Rolle der Frau thematisiert. Stefano, der im ersten Band noch einfühlsam und sanft erschien, entwickelt sich zunehmend zu einem gewalttätigen Choleriker, der seine sechzehnjährige Ehefrau regelrecht verprügelt und vergewaltigt, wenn sie ihm nicht „gefügig“ ist. Auch Lenù  ordnet sich Männern unter und versucht sich zu verstellen um beispielsweise Nino zu gefallen. Es wird deutlich, dass alle Frauen ihres heimatlichen Umfelds sich dem Willen und den Ausbrüchen ihrer Männer beugen und sich alleine wertlos fühlen.

Fazit
Mir hat schon der erste Teil sehr gut gefallen, aber gerade die Fortsetzung hat mich vollends in das „FerranteFever“ versetzt. Die Geschichte hat sehr an Fahrt aufgenommen und da die Hauptfiguren inzwischen älter sind, sind auch ihre Sorgen und Probleme vielschichtiger und weitreichender. Vor allem das letzte Drittel habe ich verschlungen und mir gleich einen Tag später die Fortsetzung gekauft. Ich muss gestehen, dass ich für keine der beiden Protagonistinnen wirkliche Sympathie empfinde. Lenù ist mir häufig zu zurückhaltend und brav, immer von der Angst verfolgt, anzuecken. Lila besitzt in der Hinsicht zwar eine bewundernswerte Stärke, verfügt aber über eine bösartige uns selbstsüchtige Seite, mit der sie wiederholt die Gefühle ihrer engsten Freundin verletzt.
Ich weiß von einigen, dass ihnen manche Beschreibungen zu ausführlich waren. Mir allerdings gefällt der Schreibstil so gut, dass ich gerne in die alltäglichen Schilderungen eingetaucht bin, ohne jemals das Gefühl von Langatmigkeit verspürt zu haben.
Die gesellschaftskritische und politische Betrachtung der damaligen Zeit, die komplizierte und rivalisierende Freundschaft der beiden Mädchen, die mitreißende Beschreibung des alltäglichen Lebens. Mich hat das Buch überzeugt!

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 623 Seiten || Verlag: Suhrkamp Verlag  (10. Januar 2017) || ISBN: 978-3-518-42574-9 || Preis: 25,00 €

Gelesen: The Girls – Emma Cline

Als erstes fiel mir in der Buchhandlung das Cover auf. Ich las den Klappentext und dachte, die Geschichte würde vom Hippieflair der 60er und einer komplizierten Mädchenfreundschaft handeln. Von einem jugendlichen Ausbruch und dem Erwachsenenwerden. Ich war interessiert, aber nicht überzeugt. Dann las ich irgendwo von einem neuen Buch, welches die Manson Family thematisiert und ich stellte eine Verbindung her. Somit wurde das Buch gekauft und lag dann ewig auf meinem Stapel ungelesener Bücher, viel zu lange.

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Handlung
Als inzwischen erwachsene Frau erzählt die Protagonistin Evie rückblickend von ihren Erlebnissen aus dem Jahr 1969. Zu dieser Zeit ist Evie unglücklich mit sich selbst und ihrem Leben. Sie empfindet sich als durchschnittlich und sehnt sich danach, besonders zu sein. Zudem erhält sie von ihren geschiedenen Eltern kaum Aufmerksamkeit, denn die sind mit ihren eigenen Leben beschäftigt. Als Evie dann auf eine Gruppe junger Frauen trifft, die sie mit ihrer wilden und rätselhaften Art in den Bann schlagen, schließt sie sich dieser Gruppe an.
In einer sektenartigen Gemeinschaft leben die jungen Frauen auf einer verwilderten Ranch. Angeführt werden sie von dem charismatischen Russel, der wie ein Guru das Zentrum der Gruppe bildet und von den Frauen regelrecht umkreist wird. Evie ist fasziniert von der Ranch, einem Ort mit anderen Regeln, viel Sex, Drogen und einem Gefühl von Freiheit. Sie gibt sich diesem Gefühl hin und bemerkt erst viel zu spät, dass diese Gruppe wie ein Strudel ist, durch den sie sich immer weiter von der Realität entfernt und in einen Abgrund hineingezogen wird.

Thematik
Wie bereits angedeutet, ist die Geschichte an die Manson Family angelehnt. Dies war eine sektenartige Gruppierung, rund um den Kommunengründer Charles Manson.
Manson hat seine vorrangig weiblichen Anhänger dazu gebracht, mehrere unschuldige Menschen grausam umzubringen. Er war ein Rassist, der manisch eine neue Weltordnung herbeiführen wollte und dafür junge Frauen zu Mörderinnen machte.
Der Schwerpunkt von „The Girls“ liegt allerdings nicht auf Manson, alias Russel oder den Gräueltaten, die die Gruppe begangen hat. Vielmehr geht es um die Frage, was junge Mädchen dazu bringt, sich einer sektenartigen Gemeinschaft anzuschließen.
Zentraler Charakter neben Evie ist Russels größte Anhängerin Suzanne, eine fanatische junge Frau, die für Russel nicht einmal vor Mord zurückschreckt. Evie ist regelrecht auf Suzanne geprägt und sieht in ihr eine Art Vorbild. Eine Frau, die sich einem Mann wie Russel regelrecht unterwirft und sich von ihm in jeder Hinsicht benutzen lässt.

Das Buch liefert keine genauen Antworten, aber es zeigt, welche Macht die Verführung und das Versprechen von Freiheit hat. Es scheint fast, als würde die Gruppe in einer Parallelwelt leben und alles, was einen in der normalen Welt quält, scheint hier bedeutungslos.
Nach dem Ende der Geschichte bleibt ein leichtes Unwohlsein bei dem Gedanken, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Wie leicht sie vom rechten Weg abkommen, die Kontrolle abgeben und sich vollkommen hingeben, ohne weiter nachzufragen.

Fazit
„The Girls“ zu lesen, war wie ein Rausch. Ich war sofort gefangen, von der bildreichen Sprache, die Emma Cline erschaffen hat. Nicht alle mögen Clines Schreibstil und finden ihn teilweise übertrieben. Ich persönlich war jedoch begeistert von der blumigen Sprache und dem Genuss, der sich dadurch beim Lesen einstellte.

„Die Sonne stach durch die Bäume wie immer – verschlafene Weiden, der über die Picknickdecken fahrende heiße Wind – aber die Vertrautheit des Tages wurde gestört von der Bahn, die die Mädchen durch die normale Welt zogen. Geschmeidig und gedankenlos wie durch das Wasser gleitende Haie.“

(Emma Cline, The Girls, S.8)

Auch die Geschichte konnte mich fesseln, vor allem da sie in Rückblicken erzählt wird und Evie als Erwachsene die damaligen Geschehnisse immer noch aufarbeitet.
Mit „The Girls“ wurde ein vielschichtiges psychologisches Drama über die Abgründe unserer Gesellschaft geschrieben. Neben den Problemen des Erwachsenwerdens geht es um die leichte Beeinflussbarkeit von Menschen. Es ist erschreckend, wie einfach die Verführung stattfindet, wenn Menschen unsicher und enttäuscht von ihrem Leben sind.
Für mich ist „The Girls“ ein sehr lesenswertes Buch, über das ich noch lange nachgedacht habe.

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Bildquelle: Eigene

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 352 Seiten || Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG  (25. Juli 2016) || ISBN: 978-3-446-25268-4 || Preis: 22,00 €

 

Gelesen: Meine geniale Freundin – Elena Ferrante

Ich glaube, kaum jemand konnte letztes Jahr an diesem Roman vorbeikommen. Hervorgerufen wurde der Hype vor allem dadurch, dass die Autorin ihre Identität geheim hält. Ich finde Hypes immer etwas schwierig. Je länger man wartet, desto höher steigen die Erwartungen und diesen kann die Geschichte irgendwann nicht mehr standhalten. Auch ich wurde von dem Sturm mitgerissen und musste das Buch haben! Dann habe ich aber relativ lange damit gewartet, es in die Hand zu nehmen. Ich befürchtete, dass meine viel zu hohen Erwartungen enttäuscht würden.

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Handlung
Die Romanreihe erzählt die Geschichte von Elena und Lila, zwei Freundinnen, die im Neapel der 50er Jahre leben. Ihre Familien stammen aus ärmlichen Verhältnissen und die zwei Mädchen wachsen mit Gewalt, Angst und Chancenlosigkeit auf. Der erste Band beschreibt die Kindheit und Jugend von Elena und Lila und wird aus der Sicht von Elena erzählt.

Aufgewachsen in Rione, einem armen Stadtviertel von Neapel, eint beide Mädchen der Traum, ein besseres Leben als ihre Eltern zu führen. Sie wollen dem Elend entkommen und reich werden. In der Schule wird schnell klar, dass beide Mädchen großes Potenzial besitzen. Lila verfügt über eine enorme Auffassungsgabe und scheint hochintelligent, während Elena zwar auch sehr intelligent ist, aber vor allem durch Fleiß überzeugt. Es entsteht ein regelrechter Wettstreit und ein ständiges Messen der Fähigkeiten zwischen den Freundinnen. Lila ist durch ihre Unerschrockenheit die geborene Anführerin und Elena leidet sehr darunter, dass ihrer Freundin scheinbar alles wie von selbst zufliegt, während sie selbst hart für ihren Erfolg kämpfen muss. Allerdings wird Lila von ihren Eltern nicht erlaubt, die weiterführende Schule zu besuchen, wodurch sich eine Kluft zwischen den Freundinnen auftut. Elena wählt den Weg der Bildung, während Lila sozialen Aufstieg durch eine vorteilhafte Heirat erfährt.

Thematik
Die Freundschaft zwischen den beiden Mädchen besteht aus einem ständigen Wettstreit. Vor allem Elena hat mit starken Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen und ist regelrecht abhängig von Lilas Gunst und Zuneigung. Somit wirkt die Figur der Elena in der ersten Hälfte des Buches auch relativ blass und uninteressant. Dies ändert sich jedoch, als klar wird, dass die beiden Mädchen unterschiedliche Lebenswege einschlagen werden.

Elena entwickelt sich zu einer hochgebildeten jungen Frau, die zwar immer noch stark abhängig von der Gunst anderer ist, aber intellektuell eine andere Stufe erreicht, als der Rest ihrer Umgebung. Es zeichnet sich ab, dass Elena ihr vorbestimmtes Leben verlassen wird. Sie entfernt sich von ihren Freunden und ihrer Familie. Doch trotz diverser Konflikte bleibt die Freundschaft zwischen Elena und Lila bestehen und wird mit ihnen erwachsen.
Trotz aller Konkurrenz ist die Freundschaft stark und von Liebe geprägt, wie es vielleicht nur eine Freundschaft zwischen zwei Frauen sein kann.

„Wir sind seit zwanzig Tagen ein Paar.“
„Liebst du ihn?“
„Nein.“
„Und weiter?“
Ich sah sie herausfordernd an.
„Liebst du denn Stefano?“
Sie sagte ernst:
„Sehr.“
„Mehr als deine Eltern, mehr als Rino?“
„Mehr als alle anderen, aber nicht mehr als dich.“

(Elena Ferrante, Meine geniale Freundin, S. 358)

Gleichzeitig wird das damalige Leben in einem italienischen Armenviertel thematisiert. Es herrscht Nachkriegszeit und den Menschen mangelt es an Geld und Arbeit. Gewalt und Aggression gehören zum Alltag und schon Kinder wissen, dass es bestimmte Familien gibt, deren Zorn man nicht auf sich ziehen sollte. Denn es herrschen die Camorra und beim Lesen spürt man häufig die Präsenz der italienischen Mafia, wenn sie auch nie direkt genannt wird.

Fazit
„Meine geniale Freundin“ ist für mich ein überzeugender Auftakt zu dieser neapolitanischen Saga. Für mich hat die Geschichte einen gewissen Sog entwickelt, den ich nicht genau erklären kann. Am Anfang des Buches findet man eine Auflistung der vorkommenden Figuren, sowie ihrer Beziehungen und Verwandtschaften untereinander. Ich muss sagen, dass diese auch nötig war, um sich vor allem Am Anfang zurechtzufinden.
Ferrantes Sprache ist relativ schlicht und der Satzbau einfach. Für mich persönlich war das Lesen dadurch aber sehr angenehm und die Figuren erscheinen sehr intensiv und nah. Zudem schreibt sie sehr bildhaft und schafft es, ein armes italienisches Viertel der 50er Jahre vor meinem Auge entstehen zu lassen.
Auch der Aspekt der Mafia fasziniert mich sehr und ich bin gespannt, was in dieser Hinsicht noch kommt.
Ich finde diese Geschichte um die Freundschaft zweier junger Frauen sehr spannend. Trotz ihrer Unterschiede eint die beiden ihr Wunsch nach einem Ausbruch aus ihrem vorherbestimmten Leben und ich bin gespannt, wie sich die beiden jungen Frauen in den nächsten Bänden entwickeln werden.
Der zweite Band ist schon in den Buchläden und auf meiner Wunschliste!

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 426 Seiten || Verlag: Suhrkamp Verlag  (30. August 2016) || ISBN: 978-3-518-42553-4  || Preis: 22,00 €

Gelesen: Underground Economy – Sudhir Venkatesh

In dem Buch berichtet der Soziologe Sudhir Venkatesh über die Feldstudie, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität von Chicago in den 90er Jahren betrieb. Dabei geht es um die Erforschung der sozialen Strukturen und Lebensbedingungen in den Sozialbaugebieten Chicagos.

Sein Weg führt ihn in die Robert Taylor Homes, die von einer Drogengang beherrscht werden. Sein Plan ist, mit ausgearbeiteten Fragen mehr über die sozialen Verhältnisse und Lebensweisen der Bewohner zu erfahren. Schnell merkt der junge Doktorand jedoch, dass er mit seinem Fragebogen und naiver Unschuld nicht weit kommen wird, da die dort lebenden Menschen Außenstehenden eher misstrauisch gegenüber eingestellt sind. Sudhir schafft es, sich mit J.T., dem jungen Anführer der dort herrschenden Drogengang „Black Kings“ anzufreunden und gewinnt dessen Vertrauen. Unter der Annahme, dass Sudhir seine Biografie schreibt, nimmt dieser ihn unter seine Fittiche und gewährt ihm Einblicke in das Leben im amerikanischen Ghetto und der Organisation einer mit Drogen handelnden Gang. Fast zehn Jahre besucht Sudhir regelmäßig die Robert Taylor Homes und gewinnt das Vertrauen vieler Bewohner. Er schließt Freundschaften und gewinnt Einblicke in das Leben der sozialschwachen Schicht Amerikas. Was als Feldstudie für seine Promotion begann, endet als spannende Reportage über ein Viertel in dem mehr als 90% der Bewohner von Sozialhilfe leben. Man erfährt etwas über die wirtschaftlichen und institutionellen Mechanismen, die vorherrschen, wenn eine Gemeinschaft von der Regierung und staatlichen Sicherheitskräften aufgegeben wurde. Zudem gibt sie Einblicke in die Arbeit einer lokalen Drogengang und deren Hierarchieaufbau.

Mir hat vor allem die Mischung aus sachlicher Betrachtung und gleichzeitiger Nähe zu den Bewohnern zugesagt, die der Autor in seinem Werk beschreibt. In einem illegalen Markt werden während der Tauschbeziehung keine rechtlichen Regelungen eingehalten. Die Teilnehmer müssen also ihre eigenen Mechanismen finden, um Regelungen und Verträge durchzusetzen.Natürlich kennt man Geschichten über Ghettos und die Gesetze von Drogengangs, aber dass ein Wissenschaftler sich so nah an seine „Quelle“ bewegt, ist auf jeden Fall bemerkenswert und bietet neue Eindrücke. Der Autor schafft es, dass man Mitgefühl mit einem Crack Dealer empfindet und trotzdem schockiert Passagen liest, in denen die Gewalt beschrieben wird, mit der die Gruppe über ihr Territorium herrscht. Besonders schlimm fand ich die Beschreibung des geduldeten Missbrauchs und des Todes zweier Kindern, die unabsichtlich in den Kampf zweier verfeindeter Gangs geraten sind.

Aufgrund einer Uni Arbeit, habe ich das Buch in der Hoffnung gelesen, mehr über die wirtschaftlichen Aspekte des Drogenhandels zu erfahren. Allerdings liegt der Fokus hier ganz klar auf den soziologischen Aspekten. Mich hat die Geschichte und Schreibweise jedoch so gefesselt, dass ich das Buch trotzdem beendet habe und dabei von den Geschichten und Schicksalen der verschiedenen Figuren gefesselt wurde. Man erfährt interessante Fakten und bekommt sehr persönliche und nahe Einblicke in eine Gesellschaftsform, mit der man im Alltag kaum bis keine Berührungspunkte hat. Enttäuschend ist für mich nur, dass Prof. Venkatesh es zwar schafft, eine detaillierte und sehr persönliche Geschichte über das Leben in einem amerikanischen Ghetto zu erzählen, gleichzeitig jedoch keinerlei neuen Ansätze für die Verbesserung der Lage macht. Er sieht sich selbst als eine Art stiller Beobachter und vermeidet es, bis auf ein paar Ausnahmen, in das Geschehen einzugreifen. Am Ende des Buches war es für mich deshalb unbefriedigend zu wissen, dass diese Menschen genauso weiterleben werden wie bisher. Mit Drogen, Prostitution, Unterdrückung, Korruption und Herrschaft durch Gewalt.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 336 Seiten || Verlag: Econ (9. Oktober 2008) || ISBN-10: 3430200199 || Originaltitel: Gang Leader for a Day. A Rogue Sociologist Takes to the Streets

 

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