Buchneuerscheinungen – November 2017

Der November hält schon fast Einzug und ausnahmsweise hatten auch wir hier in Hamburg ein verlängertes Wochenende. Dieses habe ich an der See verbracht und frische Luft und heißen Tee genossen. Für die kommenden stürmischen und kalten Herbsttage habe ich mir wieder fünf Bücher ausgesucht, die im November neu erscheinen.

1. Jan Costin Wagner – Sakari lernt, durch Wände zu gehen

„Auf dem Marktplatz der finnischen Stadt Turku steigt ein junger Mann in einen Brunnen. Er ist nackt und offenbar verwirrt. Und er hat ein Messer bei sich.
Im Nachhinein kann sich niemand so recht erklären, warum einer der herbeigeeilten Polizisten ihn erschossen hat – vor allem nicht der Schütze selbst.
Er versucht, mehr über den jungen Menschen zu erfahren, dem er das Leben genommen hat, und wendet sich hilfesuchend an seinen Kollegen Kimmo Joentaa. Kimmo, inzwischen selbst alleinerziehender Vater einer Tochter, sucht die Eltern des Toten auf – und stößt auf Spuren einer Katastrophe, die nicht nur das Leben des Jungen aus dem Brunnen, sondern das zweier Familien tragisch und tiefgreifend verändert hat.
Kimmo Joentaa beginnt, die losen Fäden zu verknüpfen. Und er begreift, dass diese Ermittlung ihn vor allem mit der Frage konfrontiert, woran Menschen sich in unserer Welt festhalten können, wenn schlimmste Befürchtungen wahr werden.“ (Quelle)

Vom Autor habe ich noch gar nicht gehört, aber ich bin schon jetzt sehr gespannt auf dieses Buch. Die Geschichte klingt düster und geheimnisvoll. Also genau das Richtige bei einer heißen Tasse Tee und einer kuscheligen Decke, während draußen der Sturm tobt.

Informationen zum Buch: Hardcover: 240 Seiten || Verlag: Galiani-Berlin || Erscheinungsdatum: 09.11.2017 || ISBN: 9978-3-86971-018-1 || Preis: 20,00 €

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2. Juli Zeh – Leere Herzen

„Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, „Die Brücke“, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der „Brücke“ steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.
Als die „Brücke “ unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr…“ (Quelle)

Politthriller lese ich zwischendurch sehr gerne. Vor allem aktuell ist dieses Genre für mich sehr spannend. Dieser hier spielt in der Zukunft und scheint an George Orwell Geschichten zu erinnern. Ich erhoffe mir viel und gehe davon aus, dass mich dieses Buch verstört und sehr nachdenklich zurücklassen wird. Auf jeden Fall mein Monatsfavorit!

Informationen zum Buch: Hardcover: 352 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 13.11.2017 || ISBN: 978-3-630-87523-1 || Preis: 20,00 €

Leere Herzen von Juli Zeh
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3. Edward St. Aubyn – Dunbar und seine Töchter

„Sein ganzes Leben lang hat Henry Dunbar auf nichts und niemanden Rücksicht genommen, besessen von der Vision, seinen kleinen Zeitungsverlag zu einem Medienkonzern auszubauen. Auf dem Zenit seiner Macht hat nur noch einen einzigen, aber mächtigen Feind: das Alter. Dunbar weiß, er muss sein Reich in die Hände seiner Töchter legen. Nur zwei der Kinder hält er für geeignet. Doch das Leben erteilt ihm eine bittere Lektion.“ (Quelle)

Ein mächtiger Despot, der sein Lebenswerk in den richtigen Händen sehen will. Das klingt auf jeden Fall interessant.
Der Roman ist inspiriert von Shakespeares König Lear. Shakespeare bedeutet für mich Verrat, Missgunst, tiefe familiäre Abgründe und eine dramatische Wendung, die alles zu Fall bringt. Und genau das erwarte ich hier auch!

Informationen zum Buch: Hardcover: 356 Seiten || Verlag: Knaus || Erscheinungsdatum: 20.11.2017 || ISBN: 978-3-8135-0698-3|| Preis: 20,00 €

Dunbar und seine Toechter von Edward St Aubyn
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4. John Green – Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

„Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.“ (Quelle)

Ein neuer John Green. Das garantiert bei mir meistens bitterliche Tränen und ein wehmütiges Gefühl beim Zurückstellen ins Regal. Zusätzlich bin ich erst vor Kurzem auf das Thema Resilienz aufmerksam geworden. Das Buch befasst sich mit dieser Thematik und ich denke, dass Green hier eine feine aber sehr intensive Geschichte gesponnen hat.

Informationen zum Buch: Hardcover: 288 Seiten || Verlag: Hanser || Erscheinungsdatum: 10.11.2017 || ISBN: 978-3-446-25903-4 || Preis: 20,00 €

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5. Margret Steckel – Jette, Jakob und die anderen

„Das bukolische Idyll einer wohlbehüteten Kindheit auf dem Lande am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wird zunehmend überschattet von den bedrohlichen Vorzeichen des Unheils. Zu Beginn wundern sich die Geschwister Jette und Jakob noch über den seltsamen »Bösen Braunen« aus dem Radio, über den die Mama so gern – wenn auch nur heimlich – flucht. Doch nur allzu bald müssen sie erfahren, was das wirklich Böse ist. Denn ihre kindliche Unschuld bewahrt auch Jette und Jakob, ihre Familie und Freunde nicht davor, dass sie mit dem Grauen eines Krieges konfrontiert werden, der immer näherkommt und schließlich auch auf dem elterlichen Hof Einzug hält.“ (Quelle)

Ein dünnes Buch mit einer Geschichte über die Grauen des Krieges, Flucht und Verlust. Aus der Sicht von Kindern erscheinen diese Themen noch viel dunkler und zugleich werden sie aus einer anderen Perspektive betrachtet. Einer unschuldigen. Sicherlich eine sehr intensive Geschichte.

Informationen zum Buch: Hardcover: 160 Seiten || Verlag: capybarabooks || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 07.11.2017 || ISBN: 978-99959-43-13-4 || Preis: 17,95 €

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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

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Buchneuerscheinungen – Oktober 2017

Der Oktober ist zwar schon in vollem Gange, aber die letzten Wochen gab es leider keine freie Minute, in der ich mich mit den Neuerscheinungen im Oktober beschäftigen konnte. Deshalb nun etwas verspätet meine Auswahl.

1. Gaël Faye – Kleines Land

„»Ich wollte eine vergessene Welt heraufbeschwören, von unseren glücklichen Tagen erzählen, bevor wir uns als ein Haufen Versprengter in allen Teilen der Welt wiederfanden.« Gaël Faye

Als Kind pflückte Gabriel in Burundi mit seinen Freunden Mangos von den Bäumen. Heute lebt er in einem Vorort von Paris. Dorthin floh er, als der Bürgerkrieg das Paradies seiner Kindheit zerstörte. Doch die Gedanken an das verlorene Glück verfolgen ihn: Er muss noch einmal zurück. – »Kleines Land« ist ein überwältigender Roman, voller Schrecken und Glückseligkeit – ein Stück französischer Weltliteratur.“(Quelle)

Zu diesem Buch gibt es so viele lobende Stimmen, dass das hier wirklich ein starker Roman sein muss. Der Krieg kann bei Menschen so viel anrichten, vor allem in Kinderseelen. Viel zu oft vergessen wir, wie gut es uns hier geht und das unsere Heimat ein friedliches Land ist.

Informationen zum Buch: Hardcover: 224 Seiten || Verlag: Piper || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-492-05838-4 || Preis: 20,00 €

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2. Lindsey Lee Johnson – Der gefährlichste Ort der Welt

„Als Tristan Bloch eines Morgens auf sein Fahrrad steigt und losradelt, auf die Golden Gate Bridge zu, den heißen, schweißnassen Kopf gesenkt, da ahnen wir schon, dass ihn der Verrat seiner Angebeteten, Calista, vernichtet hat. Sein Liebesbrief wurde auf Facebook gepostet, und das war ihre Schuld.

Fünf Jahre später: Kurz nach dem dramatischen Ende einer Abschlussparty betrachtet Calista, Tristans erste und letzte große Liebe, in dem Versuch, die Ereignisse zu begreifen, ein altes Klassenfoto – Tristan, lachend, in seinen unmöglichen grellgelben Trainingshosen, der sanfte Dave Chu, der durchtriebene Ryan Harbinger, Baseball-Captain und Schwarm aller Mädchen, Abigail Cress, damals noch Calistas beste Freundin, die später mit einem Lehrer anbandelte, und all die anderen, die mit dem Leben und der Liebe gespielt hatten. Ihre fröhlichen Gesichter täuschen. »Sie taten, was sie konnten, um zu überleben.«

Für einen von ihnen war Mill Valley, das verträumte reiche Städtchen über der Bucht von San Francisco, ein vermeintliches Paradies, zur Hölle geworden. Und sie, die zurückblieben, waren vom Leben gezeichnet, noch bevor es richtig begonnen hatte.“ (Quelle)

Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Buch. Was ich bisher dazu gelesen/ gehört habe, soll das Buch ein echter Pageturner sein.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 304 Seiten || Verlag: dtv || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 13.10.2017 || ISBN: 978-3-423-28133-1 || Preis: 21,00 €

3. Jodi Picoult – Kleine große Schritte

„Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …“ (Quelle)

Zuerst gecatcht hat mich das wunderschöne Cover, welches mich ein Bisschen an „Die Vegetarierin“ erinnert hat. Aber die Story hat es echt in sich. Alltagsrassismus ist immer noch präsent, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen. Dieses Buch ist ganz sicher keine leichte Kost und wird auch nach dem Lesen lange im Kopf bleiben.

Kleine grosse Schritte von Jodi Picoult
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Informationen zum Buch: Hardcover: 592 Seiten || Verlag: C. Bertelsmann || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-570-10237-4 || Preis: 20,00 €

4. Andreas Brandhorst – Das Erwachen

„In »Das Erwachen« nimmt sich Bestsellerautor Andreas Brandhorst eines der brandaktuellen Themen der Wissenschaft an: Wann werden die Maschinen uns übertrumpfen und was wird das für unser Leben bedeuten? Der ehemalige Hacker Axel setzt versehentlich ein Computervirus frei, das unzählige der leistungsfähigsten Rechner auf der ganzen Welt vernetzt. Als sich daraufhin auf allen Kontinenten Störfälle häufen und die Infrastruktur zum Erliegen kommt, die Regierungen sich gegenseitig die Schuld geben und die geopolitische Lage immer gefährlicher wird, stößt Axel gemeinsam mit der undurchsichtigen Giselle auf ein Geheimnis, das unsere Welt für immer verändern wird: In den Computernetzen ist etwas erwacht, und es scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein …“ (Quelle)

Aktuell verfolge ich das Thema Künstliche Intelligenz relativ genau. Die Vorstellung, dass schon Dinge möglich sind, von denen wir keine Ahnung haben, jagt mir manchmal einen Schauer über den Rücken. Dieser Thriller spielt natürlich mit diesen Ängsten und ist damit für mich sehr interessant.

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Informationen zum Buch: Paperback: 736 Seiten || Verlag: Piper || Erscheinungsdatum: 02.10.2017 || ISBN: 978-3-492-06080-6 || Preis: 16,99

5. Fredrik Backmann

„Eine kleine Stadt. Ein großer Traum. Der tief bewegende Roman des einfühlsamen Erzählers aus Schweden, der mit seinen Büchern die »New York Times«- und die »Spiegel«-Bestsellerlisten erobert hat.

Wer glaubt noch an Björnstadt? Es liegt viel zu weit hinter den dunklen Wäldern im Norden. Doch die Menschen hier halten zusammen. Und sie teilen eine Leidenschaft, die sie wieder mit Stolz erfüllen könnte. Die den Rest der Welt an Björnstadt erinnern könnte. Vielleicht sogar Arbeitsplätze bringen, eine Zukunft. Deshalb liegen alle Träume und Hoffnungen nun auf den Schultern ein paar junger Björnstädter. Noch ahnt keiner in der Stadt, dass sich ihre Gemeinschaft über Nacht für immer verändern wird.“ (Quelle)

Schweden. Leider war ich bisher noch nicht dort, aber das ändert sich hoffentlich bald. Trotzdem lese ich sehr gerne nordische Bücher, vor allem im Herbst, wenn es draußen dunkel und kalt ist. Geschichten über Dorfgemeinschaften lese ich auch sehr gern und erhoffe mir vielschichtige Charaktere und eine Geschichte, die ans Herz geht.

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Informationen zum Buch: Hardcover: 512 Seiten || Verlag: S.Fischer || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 26.10.2017 || ISBN: 978-3-8105-3043-1 || Preis: 19,99

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: The Girls – Emma Cline

Als erstes fiel mir in der Buchhandlung das Cover auf. Ich las den Klappentext und dachte, die Geschichte würde vom Hippieflair der 60er und einer komplizierten Mädchenfreundschaft handeln. Von einem jugendlichen Ausbruch und dem Erwachsenenwerden. Ich war interessiert, aber nicht überzeugt. Dann las ich irgendwo von einem neuen Buch, welches die Manson Family thematisiert und ich stellte eine Verbindung her. Somit wurde das Buch gekauft und lag dann ewig auf meinem Stapel ungelesener Bücher, viel zu lange.

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Handlung
Als inzwischen erwachsene Frau erzählt die Protagonistin Evie rückblickend von ihren Erlebnissen aus dem Jahr 1969. Zu dieser Zeit ist Evie unglücklich mit sich selbst und ihrem Leben. Sie empfindet sich als durchschnittlich und sehnt sich danach, besonders zu sein. Zudem erhält sie von ihren geschiedenen Eltern kaum Aufmerksamkeit, denn die sind mit ihren eigenen Leben beschäftigt. Als Evie dann auf eine Gruppe junger Frauen trifft, die sie mit ihrer wilden und rätselhaften Art in den Bann schlagen, schließt sie sich dieser Gruppe an.
In einer sektenartigen Gemeinschaft leben die jungen Frauen auf einer verwilderten Ranch. Angeführt werden sie von dem charismatischen Russel, der wie ein Guru das Zentrum der Gruppe bildet und von den Frauen regelrecht umkreist wird. Evie ist fasziniert von der Ranch, einem Ort mit anderen Regeln, viel Sex, Drogen und einem Gefühl von Freiheit. Sie gibt sich diesem Gefühl hin und bemerkt erst viel zu spät, dass diese Gruppe wie ein Strudel ist, durch den sie sich immer weiter von der Realität entfernt und in einen Abgrund hineingezogen wird.

Thematik
Wie bereits angedeutet, ist die Geschichte an die Manson Family angelehnt. Dies war eine sektenartige Gruppierung, rund um den Kommunengründer Charles Manson.
Manson hat seine vorrangig weiblichen Anhänger dazu gebracht, mehrere unschuldige Menschen grausam umzubringen. Er war ein Rassist, der manisch eine neue Weltordnung herbeiführen wollte und dafür junge Frauen zu Mörderinnen machte.
Der Schwerpunkt von „The Girls“ liegt allerdings nicht auf Manson, alias Russel oder den Gräueltaten, die die Gruppe begangen hat. Vielmehr geht es um die Frage, was junge Mädchen dazu bringt, sich einer sektenartigen Gemeinschaft anzuschließen.
Zentraler Charakter neben Evie ist Russels größte Anhängerin Suzanne, eine fanatische junge Frau, die für Russel nicht einmal vor Mord zurückschreckt. Evie ist regelrecht auf Suzanne geprägt und sieht in ihr eine Art Vorbild. Eine Frau, die sich einem Mann wie Russel regelrecht unterwirft und sich von ihm in jeder Hinsicht benutzen lässt.

Das Buch liefert keine genauen Antworten, aber es zeigt, welche Macht die Verführung und das Versprechen von Freiheit hat. Es scheint fast, als würde die Gruppe in einer Parallelwelt leben und alles, was einen in der normalen Welt quält, scheint hier bedeutungslos.
Nach dem Ende der Geschichte bleibt ein leichtes Unwohlsein bei dem Gedanken, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Wie leicht sie vom rechten Weg abkommen, die Kontrolle abgeben und sich vollkommen hingeben, ohne weiter nachzufragen.

Fazit
„The Girls“ zu lesen, war wie ein Rausch. Ich war sofort gefangen, von der bildreichen Sprache, die Emma Cline erschaffen hat. Nicht alle mögen Clines Schreibstil und finden ihn teilweise übertrieben. Ich persönlich war jedoch begeistert von der blumigen Sprache und dem Genuss, der sich dadurch beim Lesen einstellte.

„Die Sonne stach durch die Bäume wie immer – verschlafene Weiden, der über die Picknickdecken fahrende heiße Wind – aber die Vertrautheit des Tages wurde gestört von der Bahn, die die Mädchen durch die normale Welt zogen. Geschmeidig und gedankenlos wie durch das Wasser gleitende Haie.“

(Emma Cline, The Girls, S.8)

Auch die Geschichte konnte mich fesseln, vor allem da sie in Rückblicken erzählt wird und Evie als Erwachsene die damaligen Geschehnisse immer noch aufarbeitet.
Mit „The Girls“ wurde ein vielschichtiges psychologisches Drama über die Abgründe unserer Gesellschaft geschrieben. Neben den Problemen des Erwachsenwerdens geht es um die leichte Beeinflussbarkeit von Menschen. Es ist erschreckend, wie einfach die Verführung stattfindet, wenn Menschen unsicher und enttäuscht von ihrem Leben sind.
Für mich ist „The Girls“ ein sehr lesenswertes Buch, über das ich noch lange nachgedacht habe.

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Bildquelle: Eigene

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 352 Seiten || Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG  (25. Juli 2016) || ISBN: 978-3-446-25268-4 || Preis: 22,00 €