Buchneuerscheinungen – November 2017

Der November hält schon fast Einzug und ausnahmsweise hatten auch wir hier in Hamburg ein verlängertes Wochenende. Dieses habe ich an der See verbracht und frische Luft und heißen Tee genossen. Für die kommenden stürmischen und kalten Herbsttage habe ich mir wieder fünf Bücher ausgesucht, die im November neu erscheinen.

1. Jan Costin Wagner – Sakari lernt, durch Wände zu gehen

„Auf dem Marktplatz der finnischen Stadt Turku steigt ein junger Mann in einen Brunnen. Er ist nackt und offenbar verwirrt. Und er hat ein Messer bei sich.
Im Nachhinein kann sich niemand so recht erklären, warum einer der herbeigeeilten Polizisten ihn erschossen hat – vor allem nicht der Schütze selbst.
Er versucht, mehr über den jungen Menschen zu erfahren, dem er das Leben genommen hat, und wendet sich hilfesuchend an seinen Kollegen Kimmo Joentaa. Kimmo, inzwischen selbst alleinerziehender Vater einer Tochter, sucht die Eltern des Toten auf – und stößt auf Spuren einer Katastrophe, die nicht nur das Leben des Jungen aus dem Brunnen, sondern das zweier Familien tragisch und tiefgreifend verändert hat.
Kimmo Joentaa beginnt, die losen Fäden zu verknüpfen. Und er begreift, dass diese Ermittlung ihn vor allem mit der Frage konfrontiert, woran Menschen sich in unserer Welt festhalten können, wenn schlimmste Befürchtungen wahr werden.“ (Quelle)

Vom Autor habe ich noch gar nicht gehört, aber ich bin schon jetzt sehr gespannt auf dieses Buch. Die Geschichte klingt düster und geheimnisvoll. Also genau das Richtige bei einer heißen Tasse Tee und einer kuscheligen Decke, während draußen der Sturm tobt.

Informationen zum Buch: Hardcover: 240 Seiten || Verlag: Galiani-Berlin || Erscheinungsdatum: 09.11.2017 || ISBN: 9978-3-86971-018-1 || Preis: 20,00 €

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2. Juli Zeh – Leere Herzen

„Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, „Die Brücke“, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der „Brücke“ steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.
Als die „Brücke “ unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr…“ (Quelle)

Politthriller lese ich zwischendurch sehr gerne. Vor allem aktuell ist dieses Genre für mich sehr spannend. Dieser hier spielt in der Zukunft und scheint an George Orwell Geschichten zu erinnern. Ich erhoffe mir viel und gehe davon aus, dass mich dieses Buch verstört und sehr nachdenklich zurücklassen wird. Auf jeden Fall mein Monatsfavorit!

Informationen zum Buch: Hardcover: 352 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 13.11.2017 || ISBN: 978-3-630-87523-1 || Preis: 20,00 €

Leere Herzen von Juli Zeh
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3. Edward St. Aubyn – Dunbar und seine Töchter

„Sein ganzes Leben lang hat Henry Dunbar auf nichts und niemanden Rücksicht genommen, besessen von der Vision, seinen kleinen Zeitungsverlag zu einem Medienkonzern auszubauen. Auf dem Zenit seiner Macht hat nur noch einen einzigen, aber mächtigen Feind: das Alter. Dunbar weiß, er muss sein Reich in die Hände seiner Töchter legen. Nur zwei der Kinder hält er für geeignet. Doch das Leben erteilt ihm eine bittere Lektion.“ (Quelle)

Ein mächtiger Despot, der sein Lebenswerk in den richtigen Händen sehen will. Das klingt auf jeden Fall interessant.
Der Roman ist inspiriert von Shakespeares König Lear. Shakespeare bedeutet für mich Verrat, Missgunst, tiefe familiäre Abgründe und eine dramatische Wendung, die alles zu Fall bringt. Und genau das erwarte ich hier auch!

Informationen zum Buch: Hardcover: 356 Seiten || Verlag: Knaus || Erscheinungsdatum: 20.11.2017 || ISBN: 978-3-8135-0698-3|| Preis: 20,00 €

Dunbar und seine Toechter von Edward St Aubyn
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4. John Green – Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

„Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.“ (Quelle)

Ein neuer John Green. Das garantiert bei mir meistens bitterliche Tränen und ein wehmütiges Gefühl beim Zurückstellen ins Regal. Zusätzlich bin ich erst vor Kurzem auf das Thema Resilienz aufmerksam geworden. Das Buch befasst sich mit dieser Thematik und ich denke, dass Green hier eine feine aber sehr intensive Geschichte gesponnen hat.

Informationen zum Buch: Hardcover: 288 Seiten || Verlag: Hanser || Erscheinungsdatum: 10.11.2017 || ISBN: 978-3-446-25903-4 || Preis: 20,00 €

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5. Margret Steckel – Jette, Jakob und die anderen

„Das bukolische Idyll einer wohlbehüteten Kindheit auf dem Lande am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wird zunehmend überschattet von den bedrohlichen Vorzeichen des Unheils. Zu Beginn wundern sich die Geschwister Jette und Jakob noch über den seltsamen »Bösen Braunen« aus dem Radio, über den die Mama so gern – wenn auch nur heimlich – flucht. Doch nur allzu bald müssen sie erfahren, was das wirklich Böse ist. Denn ihre kindliche Unschuld bewahrt auch Jette und Jakob, ihre Familie und Freunde nicht davor, dass sie mit dem Grauen eines Krieges konfrontiert werden, der immer näherkommt und schließlich auch auf dem elterlichen Hof Einzug hält.“ (Quelle)

Ein dünnes Buch mit einer Geschichte über die Grauen des Krieges, Flucht und Verlust. Aus der Sicht von Kindern erscheinen diese Themen noch viel dunkler und zugleich werden sie aus einer anderen Perspektive betrachtet. Einer unschuldigen. Sicherlich eine sehr intensive Geschichte.

Informationen zum Buch: Hardcover: 160 Seiten || Verlag: capybarabooks || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 07.11.2017 || ISBN: 978-99959-43-13-4 || Preis: 17,95 €

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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

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Buchneuerscheinungen – Juli 2017

Und zack, schon wieder ein halbes Jahr rum. Kommt es nur mir so vor, oder scheint die Zeit schneller zu vergehen, je älter man wird? Wie schön war es, als einem die sechs Wochen Sommerferien noch wie eine halbe Ewigkeit vorkamen… Jetzt also schon wieder Neuerscheinungen, diesmal aber für den Juli.

1. Zoë Beck – Die Lieferantin 

Dieses Buch habe ich schon letzten Monat vorgestellt. Leider hat sich das Erscheinungsdatum verschoben, nachdem ich den Post fertig hatte.

Hier findet ihr alle Informationen.

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2. Andrew Kaufmann – Geborene Freaks

„Die Freaks waren immer schon ein bisschen merkwürdig, aber niemand ahnt, dass sie von ihrer eigenen Großmutter verflucht wurden. Eigentlich hatte Oma nur vorgehabt, jedem ihrer Enkelkinder bei der Geburt eine spezielle Gabe mit auf den Weg zu geben. Diese »Geschenke« ihrer Großmutter stellen sich jedoch bald als Flüche heraus, die das Leben der jungen Freaks ruinieren. Als Großmutter im Sterben liegt, hat sie einen letzten Wunsch: Ihre Enkelin Angie soll ihr helfen, alle Geschwister in ihrem Krankenhauszimmer zu versammeln, um das Geheimnis um die gutgemeinten Flüche zu lüften …“ (Quelle)

Eine total verrückte Geschichte mit tollen Ideen und dem ein oder anderen Schmunzler erhoffe ich mir von diesem Buch. Ich mag Geschichten, die abseits der Norm stehen und hoffentlich unerwartete Situationen haben.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 320 Seiten || Verlag: btb || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 10.07.2017 || ISBN: 978-3-442-71527-5 || Preis: 10,00 €

Geborene Freaks von Andrew Kaufman
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3. Omar El Akkad – American War 

„American War – das Buch der Stunde. Ein Roman über den nächsten amerikanischen Bürgerkrieg und das dramatische Schicksal einer Familie. Was wird sein, wenn die erschütternde Realität der Gegenwart – Drohnenangriffe, Folter, Selbstmordattentate und die Folgen von Umweltkatastrophen – mit aller Gewalt in die USA zurückkehrt? Vor diesem Hintergrund entfaltet Omar El Akkad mit großer erzählerischer Kraft den dramatischen Kampf der jungen Sarat Chestnut, die beschließt, mit allen Mitteln für das Überleben zu kämpfen. »American War« ist in den USA ein literarisches Ereignis, das schon jetzt mit Cormac McCarthy »Die Straße« und Philip Roth »Verschwörung gegen Amerika« verglichen wird.“ (Quelle)

Wow, ein gewaltiges Buch, das hochaktuelle Themen behandelt. Eine dystopischer Roman, mit einer Zukunft, die nicht weit entfernt scheint. Ich denke nach Lesen dieses Buches wird man erschüttert sein und über viele Dinge nachdenken.Es klingt fast wie eine Mischung aus „The Circle“ und „The Hungergames“. Ich bin mir sicher, dass der Platz auf der Bestseller Liste gesichert ist.

Informationen zum Buch: Hardcover: 448 Seiten || Verlag: S. Fischer || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 27.07.2017 || ISBN: 978-3-10-397319-8 ||          Preis: 24,00 €

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4. Karen Dionne – Die Moortochter 

„Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen …“ (Quelle)

Ein spannender Psychothriller muss dabei sein und dieser hier klingt besonders gut. Eine Geschichte, bei der man nicht aufhören kann zu lesen, weil man wissen will, was auf der nächsten Seite lauert!

Informationen zum Buch: Paperback: 384 Seiten || Verlag: Goldmann || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.07.2017 || ISBN: 978-3-442-20535-6 || Preis: 12,99 €

Die Moortochter von Karen Dionne
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5. Tim Winton – Insel Leben

„Bei Tim Winton ist die Natur Australiens allgegenwärtig, und hier erzählt er, wie diese enge Beziehung entstanden ist, wie sehr sie seine Gedanken, sein Schreiben und sein Leben prägt. Sein beeindruckendes, poetisches und intensives Buch ist auch ein Plädoyer für Achtsamkeit, für einen neuen Dialog mit der Natur. Er ist auf Berge geklettert, hat in der Wüste gecampt, am Ningaloo Reef getaucht, ist auf den Wellen rund um seine Insel gesurft, und er hat dabei den Rhythmus, die Gefahren, das eigenständige Wesen der Natur erfahren. Denn trotz aller Konflikte zwischen Wildnis und menschlicher Zivilisation, trotz Umweltzerstörung und Klimawandel: Die Natur ist auch ohne den Menschen da. Tim Winton erzählt davon, wie gut es tun kann, sich bewusst zu machen, dass es immer etwas geben wird, das älter, größer, reicher und komplexer ist als wir, die Menschen; und er berichtet von der Gedankenwelt und dem Erfahrungsschatz der Aborigines, ihrem ganz eigenen Verhältnis zur natürlichen Welt.“ (Quelle)

Ich war leider noch nie in Australien, aber dieser Kontinent reizt mich sehr. Die Natur dort muss unglaublich sein und das Lebensgefühl frei und unbeschwert. Aber das hier ist nicht einfach eine Geschichte über die Schönheit Australiens, es geht um die Schönheit dieser Erde. Wir Menschen aus der westlichen Welt missbrauchen und zerstören sie für unsere Zwecke. Wann haben wir verlernt, im Einklang mit der Natur zu leben? Das ist ein Thema, was mich persönlich sehr bewegt und ich freue mich immer über neue Ansätze und Blickwinkel zu diesem Thema.

Informationen zum Buch: Paperback: 224 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.07.2017 || ISBN: 978-3-630-87547-7||          Preis: 16,00 €

Inselleben von Tim Winton
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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: The Girls – Emma Cline

Als erstes fiel mir in der Buchhandlung das Cover auf. Ich las den Klappentext und dachte, die Geschichte würde vom Hippieflair der 60er und einer komplizierten Mädchenfreundschaft handeln. Von einem jugendlichen Ausbruch und dem Erwachsenenwerden. Ich war interessiert, aber nicht überzeugt. Dann las ich irgendwo von einem neuen Buch, welches die Manson Family thematisiert und ich stellte eine Verbindung her. Somit wurde das Buch gekauft und lag dann ewig auf meinem Stapel ungelesener Bücher, viel zu lange.

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Handlung
Als inzwischen erwachsene Frau erzählt die Protagonistin Evie rückblickend von ihren Erlebnissen aus dem Jahr 1969. Zu dieser Zeit ist Evie unglücklich mit sich selbst und ihrem Leben. Sie empfindet sich als durchschnittlich und sehnt sich danach, besonders zu sein. Zudem erhält sie von ihren geschiedenen Eltern kaum Aufmerksamkeit, denn die sind mit ihren eigenen Leben beschäftigt. Als Evie dann auf eine Gruppe junger Frauen trifft, die sie mit ihrer wilden und rätselhaften Art in den Bann schlagen, schließt sie sich dieser Gruppe an.
In einer sektenartigen Gemeinschaft leben die jungen Frauen auf einer verwilderten Ranch. Angeführt werden sie von dem charismatischen Russel, der wie ein Guru das Zentrum der Gruppe bildet und von den Frauen regelrecht umkreist wird. Evie ist fasziniert von der Ranch, einem Ort mit anderen Regeln, viel Sex, Drogen und einem Gefühl von Freiheit. Sie gibt sich diesem Gefühl hin und bemerkt erst viel zu spät, dass diese Gruppe wie ein Strudel ist, durch den sie sich immer weiter von der Realität entfernt und in einen Abgrund hineingezogen wird.

Thematik
Wie bereits angedeutet, ist die Geschichte an die Manson Family angelehnt. Dies war eine sektenartige Gruppierung, rund um den Kommunengründer Charles Manson.
Manson hat seine vorrangig weiblichen Anhänger dazu gebracht, mehrere unschuldige Menschen grausam umzubringen. Er war ein Rassist, der manisch eine neue Weltordnung herbeiführen wollte und dafür junge Frauen zu Mörderinnen machte.
Der Schwerpunkt von „The Girls“ liegt allerdings nicht auf Manson, alias Russel oder den Gräueltaten, die die Gruppe begangen hat. Vielmehr geht es um die Frage, was junge Mädchen dazu bringt, sich einer sektenartigen Gemeinschaft anzuschließen.
Zentraler Charakter neben Evie ist Russels größte Anhängerin Suzanne, eine fanatische junge Frau, die für Russel nicht einmal vor Mord zurückschreckt. Evie ist regelrecht auf Suzanne geprägt und sieht in ihr eine Art Vorbild. Eine Frau, die sich einem Mann wie Russel regelrecht unterwirft und sich von ihm in jeder Hinsicht benutzen lässt.

Das Buch liefert keine genauen Antworten, aber es zeigt, welche Macht die Verführung und das Versprechen von Freiheit hat. Es scheint fast, als würde die Gruppe in einer Parallelwelt leben und alles, was einen in der normalen Welt quält, scheint hier bedeutungslos.
Nach dem Ende der Geschichte bleibt ein leichtes Unwohlsein bei dem Gedanken, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Wie leicht sie vom rechten Weg abkommen, die Kontrolle abgeben und sich vollkommen hingeben, ohne weiter nachzufragen.

Fazit
„The Girls“ zu lesen, war wie ein Rausch. Ich war sofort gefangen, von der bildreichen Sprache, die Emma Cline erschaffen hat. Nicht alle mögen Clines Schreibstil und finden ihn teilweise übertrieben. Ich persönlich war jedoch begeistert von der blumigen Sprache und dem Genuss, der sich dadurch beim Lesen einstellte.

„Die Sonne stach durch die Bäume wie immer – verschlafene Weiden, der über die Picknickdecken fahrende heiße Wind – aber die Vertrautheit des Tages wurde gestört von der Bahn, die die Mädchen durch die normale Welt zogen. Geschmeidig und gedankenlos wie durch das Wasser gleitende Haie.“

(Emma Cline, The Girls, S.8)

Auch die Geschichte konnte mich fesseln, vor allem da sie in Rückblicken erzählt wird und Evie als Erwachsene die damaligen Geschehnisse immer noch aufarbeitet.
Mit „The Girls“ wurde ein vielschichtiges psychologisches Drama über die Abgründe unserer Gesellschaft geschrieben. Neben den Problemen des Erwachsenwerdens geht es um die leichte Beeinflussbarkeit von Menschen. Es ist erschreckend, wie einfach die Verführung stattfindet, wenn Menschen unsicher und enttäuscht von ihrem Leben sind.
Für mich ist „The Girls“ ein sehr lesenswertes Buch, über das ich noch lange nachgedacht habe.

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Bildquelle: Eigene

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 352 Seiten || Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG  (25. Juli 2016) || ISBN: 978-3-446-25268-4 || Preis: 22,00 €

 

Gelesen: Lauter Fremde! Wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zerbricht! – Livia Klingl

Klappentext:

Ein Riss geht durch das Land. Auf der einen Seite stehen jene, die für mehr Miteinander, mehr Solidarität, mehr Offenheit eintreten. Auf der anderen jene, die zurück möchten in die „gute, alte Zeit“, als es noch keine Globalisierung gab, keine Flüchtlinge und keine Angst vor sozialem Abstieg. Die Bruchlinien gehen quer durch die Familien, sogar Freundschaften zerbrechen daran. Warum ist heute eine aggressionslose Kommunikation darüber kaum mehr möglich? Warum werden Flüchtlinge zum Sündenbock gestempelt für alles, was schiefläuft in diesem Land? In ihrer Analyse greift Livia Klingl die Vorurteile auf, sortiert sie und zeigt: Die Flüchtlingsfrage ist oft nur eine Ausrede, um sich mit den wirklichen Problemen nicht beschäftigen zu müssen. Mit 21 Menschen hat Livia Klingl Interviews zum Thema Fremdheit und Fremdsein geführt. Entstanden sind 21 Porträts, die zeigen, welch vielfältiges Mosaik unsere Gesellschaft ist.

Ich habe dieses Buch bei einer Lovelybooks Leserunde als kostenloses Exemplar erhalten. Die Thematik hat mich sehr angesprochen und ich war gespannt, was eine ehemalige Krisen- und Kriegsberichterstatterin zu dem Thema „Fremdheit“ beizutragen hat. Ich habe mir von dem Buch neue Aspekte der Flüchtlingskrise erhofft, die meiner Meinung nach nicht an Aktualität verloren hat.

Thematik
Die österreichische Autorin Livia Klingl geht in „Lauter Fremde“ dem Gefühl des Fremd sein nach und analysiert auf nüchterne Weise, woher die Angst vor dem/den Unbekannten kommt und wie unterschiedlich Menschen mit diesem Thema umgehen.
Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin wie die Flüchtlingskrise unsere Gesellschaft prägt. Sie bringt Beispiele von Hass Postings aus den sozialen Netzwerken, die wir alle in ähnlicher Form schon einmal gelesen haben und die mir persönlich wirklich Angst machen.
Livia Klingl erklärt in klaren und nüchternen Worten, dass uns Dinge nur als bedrohlich erscheinen, weil sie uns nicht vertraut sind. Was der Mensch nicht kennt, ist meistens erst mal negativ. Das kennen wir alle, auch aus dem Alltag.
Gleichzeitig verdeutlicht sie, welch sicheres und wohlhabendes Leben wir führen und dass Menschen fliehen, weil sie sich dieses Leben wünschen. Sie wünschen sich Freiheit, Demokratie und Sicherheit. Sie sind Menschen wie wir, mit dem Unterschied, dass uns ihre Sitten, ihre Sprachen und vielleicht ihr Aussehen und Verhalten (noch) nicht vertraut sind.

Der zweite Teil des Buches besteht aus 21 Portraits von in Österreich lebenden Personen, die ihre Geschichte erzählen. Der Begriff „Fremd“ wird somit ganz unterschiedlich definiert und bringt den Leser dazu, die eigenen Gedanken zu diesem Thema zu reflektieren. Die persönlichen Berichte sind unheimlich interessant und an manchen Stellen auch schwer zu fassen. Ich konnte sie nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern musste zwischendurch immer wieder innehalten, um über das Gelesene nachzudenken. Die Portraits sind dabei in einem journalistischen Stil geschrieben.

Fazit
Ich selbst bezeichne mich als einen weltoffenen und sehr toleranten Menschen. Allerdings nicht tolerant gegenüber Menschen, die ich für fremdenfeindlich halte. Dieses Buch hat mir einen anderen Blickwinkel aufgezeigt und dazu geführt, dass ich bei negativen Kommentaren über „die Fremden in unserem Land“ nicht einfach wütend werde, sondern versuche die Gründe für dieses Verhalten und die Angst zu verstehen. Wie die Autorin auf S. 17 ganz treffend schreibt: „Eine indifferente Stellung zu den Fragen der Flüchtlingskrise ist fast nicht mehr möglich, Grautöne fehlen vollkommen im Diskurs, ebenso wie Fachwissen (…)“.
Die Diskussion wird auf beiden Seiten sehr einseitig geführt, was zu einer wachsenden Kluft zwischen den beiden Gruppen führt. Toleranz ist in jeglicher Form wichtig. Ich denke, dass wir alle nur noch in unserer eigenen Blase leben. Wir hören die Meinung, die wir haben, verfolgen Medien mit dieser Meinung und haben Freunde, die so denken wie wir. Wir wundern uns, warum Trump gewählt wurde, denn wir kennen niemanden, der das getan hätte. Wir glauben nicht, dass es in Deutschland starken Rassismus gibt und dann bin ich schockiert, wenn mir eine schwarze Bekannte erzählt, dass sie als Kind im Bus von älteren Jugendlichen auf den Boden getreten wurde.
Unser Miteinander, egal in welcher Form, leidet in der heutigen Zeit enorm und der Fremdenhass wird dadurch nur verstärkt. Es kann nicht nur schwarz und weiß geben. Jeder Mensch ist anders. Verallgemeinerungen und Vorurteile bringen uns in keiner Weise nach vorn. Das muss uns allen klarwerden und dort müssen wir ansetzen. Wir müssen uns verstehen. Nicht nur das Unbekannte aus anderen Ländern, sondern auch das Fremde im eigenen Land. Wir müssen lernen, die Angst zu verstehen, denn nur so können wir sie bekämpfen. Ich denke dafür liefert das Buch einen sehr guten Beitrag.

Ich empfehle es, dass Buch zu lesen. Mir haben die analytische Herangehensweise und das Beleuchten der Thematik aus verschiedenen Perspektiven sehr gefallen. Die Autorin schafft es, nüchtern und doch fesselnd Erklärungen für das Gefühl der Fremdheit zu geben. Der Schreibstil war flüssig zu lesen. Die Portraits zeigen ganz unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Erlebnissen und Meinungen. Dadurch hat sich ein sehr differenziertes Gesamtbild ergeben. Die einzige Schwäche des Buches ist für mich der journalistische Schreibstil bei den einzelnen Portraits. Für mich entstand dadurch eine gewisse Distanz und ich hätte mir eine weniger objektive Beobachtung gewünscht.

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Eigene Darstellung

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 208 Seiten || Verlag: Kremayr & Scheriau (Januar 2017) || ISBN: 978-3-218-01061-0 || Preis: 22,00 €

Gelesen: Winternähe – Mirna Funk

Winternähe ist der 2015 erschienene Debütroman der Autorin Mirna Funk und hat mich nachhaltig beeindruckt. Durch Zufall bin ich auf den Roman gestoßen. Ich habe irgendwann ein Interview mit der Autorin gelesen und den Roman danach auf meine Wunschliste gesetzt.

Handlung
Die Protagonistin Lola ist Fotografin und lebt in Ost-Berlin. Sie ist das Kind einer nicht-jüdischen Mutter und eines jüdischen Vaters. Lola selbst fühlt sich als Jüdin, da sie von ihren Großeltern väterlicherseits aufgezogen wurde. Nach dem orthodoxen Judentum jedoch gilt sie nicht als solche, denn die jüdische Religionszugehörigkeit wird über die mütterliche Linie weitergegeben. Dieser Umstand wird im Buch an einigen Stellen näher thematisiert und von verschiedenen Sichtweisen beleuchtet. Lola fühlt sich innerlich zerrissen und identitätslos. Nicht nur, dass sie Schwierigkeiten hat, durch ihren Glauben ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Gleichzeitig belastet sie die schwierige Beziehung zu ihren Eltern.
Schließlich entscheidet Lola sich, ihrem israelischen Freund Shlomo nach Tel Aviv zu folgen. Dort spielt der zweite Teil des Romans. Es ist Juli 2014 und Ausbruch des Gaza Kriegs. Der Konflikt, der in Deutschland so weit weg schien, ist plötzlich direkt vor ihrer Haustür. Tagsüber wirft Lola sich in die Euphorie ihrer Verliebtheit zu Shlomo und nachts hört sie Bomben fallen.
In Tel Aviv beginnt Lola damit, Antworten auf die Frage zu finden, wer sie wirklich ist und versucht, den Kontakt zu ihrem Vater wieder aufleben zu lassen. Im Laufe der Geschichte entfernt sich Lola somit immer mehr von ihrem eigentlichen Lebensmittelpunkt Berlin und arbeitet sich zu ihren Wurzeln vor.

Thematik
Gleich zu Beginn des Romans wird Antisemitismus thematisiert. Dieser tritt in einer latenten Form auf und scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein.
Lola wähnt sich in einem fortschrittlichen Milieu, fühlt sich jedoch immer mehr von antisemitischen Angriffen betroffen. Nicht nur Bekannte, auch Kollegen und sogar Freunde äußern zweifelhafte Kommentare und relativieren den Holocaust. So sind beispielsweise die „geldgierigen Juden“ Schuld daran, dass die Mieten in Berlin steigen. Oder es wird der Holocaust mit der Palästina-Politik verglichen. Gleichzeitig empfinden die Menschen um Lola herum das ständige Erinnern an die deutsche Vergangenheit als anstrengend und überholt.
Für Lola ist diese Weigerung der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit fast unbegreiflich.

Für euch ist das alles gefühlte dreihundert Jahre her. Warum aber ist das alles für mich gerade erst passiert? […] Warum bin ich mein ganzes Leben mit diesen Geschichten groß geworden, von Menschen, die überlebt haben, von Menschen, die ihre gesamte Familie verloren haben, und ihr nicht? […] Ich kann dir sagen, warum. Weil eure Großeltern nicht reden! Weil sie euch nichts erzählt haben. Zum Beispiel, wie es so war als SS-Offizier oder warum sie Hitler gewählt haben. Wie sie dabei zuschauten, als ihre Nachbarn abgeholt wurden, oder wie sie die verdammten Leichen aufeinandergestapelt haben. Ihr seid alle mit Großeltern aufgewachsen, die geschwiegen haben, und deshalb glaubt ihr, dass das alles Schnee von gestern ist.

Es ist wahr, dass inzwischen außerhalb des Klassenraums wenig über den Holocaust gesprochen wird. Kaum jemand hat noch lebende Verwandte, die während des zweiten Weltkriegs gelebt haben. Vieles wird zudem in deutschen Familien totgeschwiegen. Und trotzdem ist da bei so vielen ein unbewusstes Gefühl von Schuld. Ein Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen und das unangenehme Eingeständnis, dass wir nicht wissen wollen, welche Rolle unsere Großeltern oder Urgroßeltern zu dieser Zeit gespielt haben. Wir differenzieren ganz klar zwischen heute und damals.

Ich war letztes Jahr im Herbst in Krakau und war im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, sowie in Birkenau. Das, was wir dort gesehen haben, können Worte kaum beschreiben.
Man liest Zahlen getöteter, vergaster, verhungerter, gefolterter Menschen. Man hört eine Zahl toter Kinder, aber erst dort bekommen diese Zahlen eine Größe. Man kann sie ins Verhältnis setzen und das lässt den Atem stocken.
Besonders Birkenau, mit seiner riesigen, weiten Fläche und dem Zaun, den man aus Filmen kennt, lässt einen ganz still werden. Es sind Ausmaße eines Schreckens, die man sich sonst nicht vorstellen kann. In dieser Hinsicht kann ich verstehen, warum Lola, beziehungsweise die Autorin der Meinung sind, dass wir nicht vergessen sollten. Nicht relativieren und es als Vergangenheit abhaken. Man sollte nie aufhören, sich vor Augen zu führen, wie schnell sich Dinge verselbstständigen können und zu was für Taten Menschen fähig sind.

Fazit
Obwohl die Protagonistin Lola vor ihrem Leben in Berlin flüchtet, beschreibt die Autorin keine schwache Persönlichkeit. Im Gegenteil. Lola wirkt stark, in ihrer Meinung gefestigt und teilweise auch sehr exzentrisch und egoistisch. Das alles macht es sehr interessant, ihrer Geschichte zu folgen. Gleichzeitig war es an einigen Stellen aber sehr anstrengend Lolas Gedanken oder Handlungen nachzuvollziehen. Teilweise ging sie mir sogar ein bisschen auf die Nerven und sie ist definitiv keine Buchfigur, die ich in mein Herz geschlossen habe. Hervorzuheben ist ganz klar der Anstoß, sich als Leser Gedanken über Antisemitismus in Deutschland und das Leben in Tel Aviv zu machen. Für mich ist das Buch ganz klar eine Leseempfehlung.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 352 Seiten ||Verlag: S. FISCHER (23. Juli 2015) || ISBN: 978-3-10-002419-0 || Preis: 19,99 €

Gelesen: Underground Economy – Sudhir Venkatesh

In dem Buch berichtet der Soziologe Sudhir Venkatesh über die Feldstudie, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität von Chicago in den 90er Jahren betrieb. Dabei geht es um die Erforschung der sozialen Strukturen und Lebensbedingungen in den Sozialbaugebieten Chicagos.

Sein Weg führt ihn in die Robert Taylor Homes, die von einer Drogengang beherrscht werden. Sein Plan ist, mit ausgearbeiteten Fragen mehr über die sozialen Verhältnisse und Lebensweisen der Bewohner zu erfahren. Schnell merkt der junge Doktorand jedoch, dass er mit seinem Fragebogen und naiver Unschuld nicht weit kommen wird, da die dort lebenden Menschen Außenstehenden eher misstrauisch gegenüber eingestellt sind. Sudhir schafft es, sich mit J.T., dem jungen Anführer der dort herrschenden Drogengang „Black Kings“ anzufreunden und gewinnt dessen Vertrauen. Unter der Annahme, dass Sudhir seine Biografie schreibt, nimmt dieser ihn unter seine Fittiche und gewährt ihm Einblicke in das Leben im amerikanischen Ghetto und der Organisation einer mit Drogen handelnden Gang. Fast zehn Jahre besucht Sudhir regelmäßig die Robert Taylor Homes und gewinnt das Vertrauen vieler Bewohner. Er schließt Freundschaften und gewinnt Einblicke in das Leben der sozialschwachen Schicht Amerikas. Was als Feldstudie für seine Promotion begann, endet als spannende Reportage über ein Viertel in dem mehr als 90% der Bewohner von Sozialhilfe leben. Man erfährt etwas über die wirtschaftlichen und institutionellen Mechanismen, die vorherrschen, wenn eine Gemeinschaft von der Regierung und staatlichen Sicherheitskräften aufgegeben wurde. Zudem gibt sie Einblicke in die Arbeit einer lokalen Drogengang und deren Hierarchieaufbau.

Mir hat vor allem die Mischung aus sachlicher Betrachtung und gleichzeitiger Nähe zu den Bewohnern zugesagt, die der Autor in seinem Werk beschreibt. In einem illegalen Markt werden während der Tauschbeziehung keine rechtlichen Regelungen eingehalten. Die Teilnehmer müssen also ihre eigenen Mechanismen finden, um Regelungen und Verträge durchzusetzen.Natürlich kennt man Geschichten über Ghettos und die Gesetze von Drogengangs, aber dass ein Wissenschaftler sich so nah an seine „Quelle“ bewegt, ist auf jeden Fall bemerkenswert und bietet neue Eindrücke. Der Autor schafft es, dass man Mitgefühl mit einem Crack Dealer empfindet und trotzdem schockiert Passagen liest, in denen die Gewalt beschrieben wird, mit der die Gruppe über ihr Territorium herrscht. Besonders schlimm fand ich die Beschreibung des geduldeten Missbrauchs und des Todes zweier Kindern, die unabsichtlich in den Kampf zweier verfeindeter Gangs geraten sind.

Aufgrund einer Uni Arbeit, habe ich das Buch in der Hoffnung gelesen, mehr über die wirtschaftlichen Aspekte des Drogenhandels zu erfahren. Allerdings liegt der Fokus hier ganz klar auf den soziologischen Aspekten. Mich hat die Geschichte und Schreibweise jedoch so gefesselt, dass ich das Buch trotzdem beendet habe und dabei von den Geschichten und Schicksalen der verschiedenen Figuren gefesselt wurde. Man erfährt interessante Fakten und bekommt sehr persönliche und nahe Einblicke in eine Gesellschaftsform, mit der man im Alltag kaum bis keine Berührungspunkte hat. Enttäuschend ist für mich nur, dass Prof. Venkatesh es zwar schafft, eine detaillierte und sehr persönliche Geschichte über das Leben in einem amerikanischen Ghetto zu erzählen, gleichzeitig jedoch keinerlei neuen Ansätze für die Verbesserung der Lage macht. Er sieht sich selbst als eine Art stiller Beobachter und vermeidet es, bis auf ein paar Ausnahmen, in das Geschehen einzugreifen. Am Ende des Buches war es für mich deshalb unbefriedigend zu wissen, dass diese Menschen genauso weiterleben werden wie bisher. Mit Drogen, Prostitution, Unterdrückung, Korruption und Herrschaft durch Gewalt.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 336 Seiten || Verlag: Econ (9. Oktober 2008) || ISBN-10: 3430200199 || Originaltitel: Gang Leader for a Day. A Rogue Sociologist Takes to the Streets

 

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