Gelesen: Christine Zureich – Garten, Baby!

Mein Elternhaus liegt am Rand von Hamburg, genau an der Elbe. Ich bin zwischen Kuhweiden, Äckern und Teichen groß geworden und war auf einen Bus angewiesen, der nur einmal die Stunde fuhr.
Ich habe es geliebt, so nah an der Natur zu sein, aber spätestens als Teenager wurde die Sehnsucht nach der Stadt, nach einem reichhaltigen Angebot an Kultur- und Freizeitbeschäftigungen und kurzen Wegen groß. Also bin ich in zentrale Lage gezogen und erfreue mich nun an der großstädtischen Anonymität.
Trotzdem war mir ein Park in der Nähe wichtig und das Gefühl, nicht sofort mit Verlassen des Hauses, auf einer vielbefahrenen Straße zu stehen. Denn da ist immer noch das Verlangen nach Natur und Stille. Der Wunsch, an einem kühlen Morgen über nebelverhangene Felder zu spazieren und ganz still und ehrfürchtig stehen zu bleiben und das aufgetauchte Reh zu beobachten.
Urban Gardening ist ein Kompromiss zwischen den Vorzügen der Großstadt und naturnahen Randgebieten. Deshalb hat mich der Roman „Garten, Baby!“ mit seinem wunderschönen Cover auch gleich angesprochen, der mir vom Ullsteinfünf-Verlag zum Vorab Lesen zugeschickt wurde.

 

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Bildquelle

Handlung
Das Mittdreißiger-Paar Doro und Rob lebt zwar in der Großstadt, ist der Natur aber sehr verbunden. Gemeinsam mit ihrem Nachbarn Fred haben Doro und Rob deshalb im Hinterhof ihres Mietshauses ein eigenes Gartenprojekt gestartet. Die ganze Wohngemeinschaft wird in das Projekt eingebunden und zwischen Zucchini Pflanzen und überzüchteten Katzen wird über das Leben philosophiert, Freundschaft geschlossen, geliebt und gestritten.

Thematik
Verschiedene Generationen und Charaktere von Menschen finden in diesem Buch zusammen und in kurzen Kapiteln wird aus ihrem Leben erzählt. Auch wenn die Geschichte aus Sicht von Doro erzählt wird, erfährt man doch viel über die anderen Hausbewohner, die ohne das gemeinsame Gartenprojekt wohl niemals miteinander in Kontakt gekommen wären.
Gerade in großen Mietshäusern ist Anonymität vorherrschend und die meisten Leute wissen nicht mal die Namen ihrer Nachbarn, außer diese nehmen regelmäßig ihre Zalando Pakete an…

Christine Zureich beschreibt, wie es auch anders sein kann. Da wird der alleinerziehenden Mutter geholfen, wenn sie kurzfristig eine Betreuung für ihr Kind braucht. Da bekommt man jeden Beziehungsstreit der Nachbarn mit und nimmt Rücksicht, wenn es mal wieder heftig gescheppert hat. Es wird über die Marotten der alten Frau Dittrich gelacht, die geradezu klischeehaft gelangweilte Rentnerin, für die es nicht spannenderes gibt, als das Leben ihrer Nachbarn.
Durch die kurzen Kapitel werden kleine Geschichten mitten aus dem Leben erzählt, die zwar aufeinander aufbauen, aber doch in sich geschlossene Kurzgeschichten sein könnten. Das macht den Lesefluss sehr angenehm.

Fazit
Ich brauchte einen Moment um in den Schreibstil der Autorin zu finden, der für mich neu und gewöhnungsbedürftig war. Ehrlicherweise war ich bei der Kürze des Romans davon ausgegangen, ihn flüchtig und locker weg lesen zu können. Der Schreibstil erforderte von mir aber doch ein gewisses Maß an Konzentration und Ruhe, um die Wörter ganz auf mich wirken lassen zu können. Dann war das Lesen aber ein Genuss.

Mir hat es sehr gut gefallen, dass durch das Projekt des gemeinsamen Gartens ein Rahmen geschaffen wurde, indem die verschiedenen Protagonisten zusammenkamen. Dadurch wirkte es stimmig, dass diese unterschiedlichen Charaktere so viel miteinander teilen. Es war schön zu lesen, wie die einzelnen Figuren Entwicklungen durchliefen. Bei einigen Situationen musste ich auch schmunzeln, denn gerade die Figur der neugierigen und meckernden Frau Dittrich kommt wohl jedem irgendwie bekannt vor.

Insgesamt hat mich das Buch sehr gut unterhalten und den Traum eines eigenen Gartens wieder größer werden lassen.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 176 Seiten || Verlag: Ullstein fünf Verlag  (23. Februar 2018) || ISBN-13: 978396101015 || Preis: 16,00 €

Vielen lieben Dank an den Ullstein fünf Verlag für das *Rezensionsexemplar.

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