HH: Der Seelenbrecher | Kellertheater Hamburg

Im Kellertheater Hamburg wurde heute „Der Seelenbrecher“ von Sebastian Fitzek aufgeführt. Ich konnte mir schwer vorstellen, wie man einen Fitzek Roman auf die Theaterbühne bringt, aber entgehen lassen wollte ich mir das Erlebnis auf keinen Fall.
Und Erlebnis ist hier das richtige Wort, denn dem Zuschauer wird schon vor Beginn der Vorstellung klar gemacht, dass er sich hier nicht im Kellertheater sondern in der Berliner Teufelsbergklinik befindet. Man ist Teil eines Experiments und wer den Roman gelesen hat, weiß worauf das hinausläuft. Alle anderen kann ich aber beruhigen, kein Zuschauer musste auf die Bühne und es wurde auch keine aktive Teilnahme oder Beteiligung verlangt. Aber das Gefühl war trotzdem ein anderes, als hätte man einfach nur vor der Bühne Platz genommen.

Kurz der Inhalt:
Es beginnt recht friedlich… und endet als Albtraum. Caspar, der ohne Gedächtnis und halb erfroren vor einer Berliner Psychoklinik gefunden wird, versucht verzweifelt Erinnerungsfetzen zusammen zu setzen. Dr. Sophia Dorn, eine attraktive, sehr selbstbewusste Klinikärztin und ihr Chef Prof. Raßfeld sowie die schon etwas betagte, aber pfiffige Patientin Greta Kaminski helfen ihm dabei. Durch die Medien erfahren sie von einem Psychopathen, der drei junge Frauen entführt, seelisch zerstört hat und von der Polizei als „Seelenbrecher“ gesucht wird. Die vermeintliche Ruhe in der Klinik wird plötzlich gestört.

Ein Rettungswagen verunglückt vor der Einfahrt und bringt zwei neue „Gäste“ ins Haus: Tom, den etwas schrägen Rettungssanitäter, und seinen offenbar durchgeknallten Patienten, der sich im Auto ein Messer in den Hals gerammt hat. Von diesem Augenblick an überschlagen sich die erschreckenden Ereignisse in der Klinik, die durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist. Der „Seelenbrecher“ geht um. Verzweifelt versuchen Patienten und Klinikpersonal zu überleben, was nicht allen gelingt. Menschliche Abgründe und Charakterstärke tun sich auf. Misstrauen, Rache und Verzweiflung, aber auch Mut und Überlebenswillen.

Mit Hilfe von Visionen und Aktionen lässt Regisseurin Katrin Kuhn einen Klinik-Albtraum entstehen. Und ganz nebenbei lernen die Zuschauer noch einiges über Hypnose und Todesschlaf (Quelle).

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Bildquelle

Die Spieldauer betrug knapp zwei Stunden, mit einer 20 Minütigen Pause, die ich aber nichtmal gebraucht hätte, weil das Stück so mitreißend war.
Ich muss dazu sagen, dass ich den Roman vorher nicht gelesen hatte und somit auch den Plot nicht kannte. Und wie bei jedem guten Fitzek war die Identität des Täters bis zum Ende nicht klar.
Die schauspielerische Leistung war insgesamt gut, nur einige Darsteller spielten für meinen Geschmack etwas übertrieben. Dafür konnten mich andere so überzeugen, dass man ihnen noch ewig hätte zusehen können.
Das Stück war spannend und die Effekte sorgten einige Male für ein erschrockenes Zucken im Zuschauerraum. Es gab immer wieder Szenen, in denen man sich vor Aufregung und Spannung in die Sessellehnen krallte.
Ich wurde sehr gut unterhalten und kann jedem Psychothriller Liebhaber, der in Hamburg wohnt oder verweilt, dieses Stück empfehlen. Eine weitere Aufführung findet am 19. November 2017 statt.

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website des Kellertheater Hamburg.

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Ein Kommentar zum G20 Gipfel

Am 07. und 08. Juli wird der diesjährige G20 Gipfel in Hamburg stattfinden. Als Bewohner der Hansestadt ist man eher wenig begeistert von dem Gedanken, dass hier die wichtigsten Innenstadt Zonen gesperrt sind. Schon die ganze Woche bemerkt man eine starke Polizeipräsenz an den meisten Bahnhöfen und natürlich im Herzen von Hamburg. Es werden Einschränkungen im alltäglichen Leben befürchtet und zusätzlich herrscht die Angst vor Straßenschlachten.
Natürlich sind das alles legitime Sorgen und sicherlich werden sich die nächsten Tage für viele Hamburger wie eine Zumutung anfühlen, aber man sollte dabei nicht vergessen, was der eigentliche Sinn dieses Gipfels ist. Die einflussreichsten Politiker der Welt werden sich verstärkt den globalen Fragen unserer Zeit widmen. Dazu gehören neben Finanz- und Wirtschaftsfragen natürlich auch Fragen zum Klimaschutz und zu sozialer Gerechtigkeit.

Wie ist darauf zu reagieren, dass sich in der Stadt einige Politiker versammeln, die Menschenrechte mit Füßen treten, die Pressefreiheit in Frage stellen und den Klimawandel leugnen? Gegen diese Politik ein Zeichen setzen zu wollen ist wichtig. Aber es sollte das richtige sein.

Ja! Die Globalisierung ist kritisch zu betrachten.

Ja! Die Legitimität und die Rolle der G20 kann in Frage gestellt werden.

Ja! Man sollte sich über die Politik von Trump, Putin und Erdogan empören.

Aber! Wir müssen uns damit auf verschiedene Weise auseinandersetzen und ohne Gewalt für das einstehen, was uns wichtig ist.
Hamburg sollte sich von einer Seite zeigen, die bunt, vielfältig und friedlich ist. Mit Protesten, die jede Art von Gewalt ablehnen und für eine gerechte Weltwirtschaftsordnung stehen.
Und am besten nicht nur jetzt, wo wir vor unserer Haustür damit konfrontiert werden, sondern auch zukünftig.

Denn wir besitzen die Freiheit, auf die Straße gehen zu können um Dinge einzufordern.
Demokratie ist unser Grundrecht und sollte nicht zum Ausnahmezustand werden.

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HH: Refill it – Wegwerfen war gestern

logo-refillitWir kennen es alle. Man ist morgens müde und schlecht gelaunt auf dem Weg zur Arbeit oder Uni und weiß, dass man ohne die nötige Portion Koffein nicht wirklich in den Tag starten kann. Auch ich bin ihn regelmäßig gegangen. Den Weg zum Café an der Ecke um schnell einen großen Milchkaffee zu ordern und diesen dann auf dem Weg zur Vorlesung, in der Übung, oder am Schreibtisch im Büro zu trinken. Jedes Mal gab es einen To Go Becher, der die Hände wärmte und jedesmal wanderte dieser anschließend in den Müll.

Laut „Deutscher Umwelthilfe“ werden in Deutschland 320.000 Einweg-Kaffeebecher pro Stunde verbraucht! Ich musste diesen Satz mehrmals lesen. Es geht hier nicht um einen Monat oder eine Woche. Nein, es ist noch nicht mal die Zahl eines Tages. Es ist die Menge von To-Go Bechern, die nach knapp einer  Stunde in der Tonne landen! Wenn man diese Summe auf das Jahr hochrechnet und dann für die ganze Welt, ist das eine so große Zahl, dass mir fast schlecht wird bei der Vorstellung, was für Müllberge wir damit produzieren.

Ich besitze zwar seit einiger Zeit einen To-Go Becher, den ich mir auf dem Weg befüllen lassen kann. Aber wie es so häufig ist, bleibt das Ding ständig zuhause stehen, ist in den Untiefen einer Tasche verschwunden oder einfach zu unhandlich um immer mitgeschleppt zu werden.
Schande auf mein Haupt, aber viel zu häufig muss ich doch auf die Wegwerf-Plastik-Alternative zurückgreifen.

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Foto: Peter Bauer

Seit dem ersten November hat in Hamburg ein Pilotprojekt gestartet, was sich gegen den Wegwerfwahnsinn und für nachhaltigen Konsum einsetzt. REFILL IT! ist das erste Mehrweg-Pfandbechersystem in Hamburg und will den Müllbergen von Einweg-Kaffeebechern entgegenwirken. Das Konzept dazu stammt vom Kaffee Händler El Rojito und wird inzwischen von zwölf weiteren hamburger Cafés unterstützt.
Der Kunde kauft in einem der teilnehmenden Cafés einen Mehrwegbecher samt Deckel und Mundstück. Entweder behält er nun seinen eigenen Becher und lässt diesen überall neu befüllen, oder er gibt ihn bei einem der Cafés zurück und erhält das Pfandgeld für den Becher. Das Mundstück behält jeder Kunde aus hygienischen Gründen.
Der Gastronom, der den Becher zurückgenommen hat, spült diesen aus und führt ihn anschließend in den Kreislauf zurück.
Ein wirklich tolles und unterstützenswertes Projekt, mit echten Hingucker Bechern!

Weitere Infos hier und auf Facebook.

Titelbild: Julie Nagel