Gelesen: Die Geschichte der getrennten Wege – Elena Ferrante

Gleich nach Abschluss des zweiten Bandes Die Geschichte eines neuen Namens bin ich in die nächste Buchhandlung um mir den folgenden Band zu holen. Trotz des eher ruhigen Starts hatte der zweite Teil zum Ende hin richtig Fahrt aufgenommen und ich musste wissen, wie es weiterging.
Nachdem dann auch noch die Buchhändlerin versprach, dass der dritte Teil den zweiten noch um Längen schlagen würde, konnte ich es kaum erwarten, wieder in die Geschichte um Lenù und Lila einzutauchen.
Die Rezension von „Die Geschichte der getrennten Wege“ hat jetzt leider doch etwas auf sich warten lassen, aber manchmal spielt das Leben halt so.

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Handlung
Wie schon der Name vermuten lässt, gehen Lenù und Lila inzwischen getrennte Wege. Lenù, zuvor als erfolgreiche Schriftstellerin gefeiert, verbringt ihre Tage nun als Hausfrau und Mutter. Gelangweilt von ihrem Alltag und frustriert von dem mangelnden Interesse an ihrer Person, bemüht sie sich weiterhin um Anerkennung. Dabei versinkt sie immer mehr in einer melancholischen und teilweise depressiven Stimmung.
Lila hat sich von ihrem Mann Stefano, sowie ihrem Liebhaber Nino getrennt und lebt nun mit ihrem Sohn bei Enzo. Dieser ist ein alter Jugendfreund der Mädchen und schon seit Schultagen in Lila verliebt. Zusammen meistern sie ihren Alltag eher schlecht als recht, gehen Knochenjobs nach und lernen bis spät in die Nacht gemeinsam für Enzos Studium. Doch trotz der Nähe zwischen den beiden, bleibt ihre Beziehung rein platonisch.
Die beiden Freundinnen halten lose Kontakt und telefonieren unregelmäßig.
Im Laufe der Geschichte wird Lila in die politischen Wirren der damaligen Zeit hineingezogen, schafft es es jedoch, sich schlussendlich ein neues Leben mit einer erfolgreichen Karriere aufzubauen. Lenù hingegen scheitert an weiteren Versuchen, einen Roman zu verfassen und langweilt sich in ihrer Ehe, bis plötzlich eine alte Liebe wieder in ihr Leben tritt.

Thematik
Der Grund, dass mich dieser Roman so mitgerissen hat, liegt an den gesellschaftspolitischen Aspekten, die den Roman thematisch beherrschen. Italien wird von blutigen Unruhen erschüttert. Faschisten und Kommunisten liefern sich einen heftigen Kampf, es kommt zu Studentenrevolten und die Rufe nach Reformen werden immer lauter. Auch die Frauenbewegung nimmt an Fahrt auf und vor allem Lenù beschäftigt sich intensiv mit dem herrschenden Frauenbild und ihrer eigenen Rolle in der Gesellschaft.
In Zwischentönen werden auch immer wieder die Machenschaften der Camorra thematisiert, zu welchen ich mir gerne noch mehr Details gewünscht hätte.

Fazit
Mich konnte dieser Roman vollends überzeugen, auch wenn ich schon andere Stimmen gehört habe, die den Erzählfluss langatmig und wenig anregend fanden. Dem kann ich ganz und gar nicht zustimmen. Für mich liegt Ferrantes Talent gerade darin, mit ihrer Sprache auch Alltagsgeschehnisse anschaulich und mitreißend zu schildern.
Zwar finde auch ich die Freundschaft der zwei Protagonistinnen teilweise schwer nachvollziehbar, aber unrealistisch ist diese Beziehung damit nicht. Ich habe tatsächlich schon öfter Menschen getroffen, die in für mich ungesunden Beziehungen steckten. Die sich gerade aufgrund der vermeintlichen Unterlegenheit, zu einer anderen Person hingezogen fühlten. Sowohl platonisch als auch romantisch. Und gerade Lenù hat mit Lila eine Freundin, die viele Kindheits- und Jugenderinnerungen mit ihr teilt, welche ihr aktuelles Umfeld nur teilweise bis gar nicht nachempfinden kann. Diese Verbundenheit sollte in einer Freundschaft nicht unterschätzt werden.
Der Roman hat für mich einige Spannungsbögen, die sich teilweise bis zum Ende durchziehen. Dies lässt auf ein fulminantes Finale im vierten und letzten Teil hoffen, der leider erst im Februar nächsten Jahres erscheinen soll.

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 540 Seiten || Verlag: Suhrkamp Verlag (28. August 2017) || ISBN: 978-3-518-42575-6 || Preis: 24,00 €

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