HH: Refill it – Wegwerfen war gestern

logo-refillitWir kennen es alle. Man ist morgens müde und schlecht gelaunt auf dem Weg zur Arbeit oder Uni und weiß, dass man ohne die nötige Portion Koffein nicht wirklich in den Tag starten kann. Auch ich bin ihn regelmäßig gegangen. Den Weg zum Café an der Ecke um schnell einen großen Milchkaffee zu ordern und diesen dann auf dem Weg zur Vorlesung, in der Übung, oder am Schreibtisch im Büro zu trinken. Jedes Mal gab es einen To Go Becher, der die Hände wärmte und jedesmal wanderte dieser anschließend in den Müll.

Laut „Deutscher Umwelthilfe“ werden in Deutschland 320.000 Einweg-Kaffeebecher pro Stunde verbraucht! Ich musste diesen Satz mehrmals lesen. Es geht hier nicht um einen Monat oder eine Woche. Nein, es ist noch nicht mal die Zahl eines Tages. Es ist die Menge von To-Go Bechern, die nach knapp einer  Stunde in der Tonne landen! Wenn man diese Summe auf das Jahr hochrechnet und dann für die ganze Welt, ist das eine so große Zahl, dass mir fast schlecht wird bei der Vorstellung, was für Müllberge wir damit produzieren.

Ich besitze zwar seit einiger Zeit einen To-Go Becher, den ich mir auf dem Weg befüllen lassen kann. Aber wie es so häufig ist, bleibt das Ding ständig zuhause stehen, ist in den Untiefen einer Tasche verschwunden oder einfach zu unhandlich um immer mitgeschleppt zu werden.
Schande auf mein Haupt, aber viel zu häufig muss ich doch auf die Wegwerf-Plastik-Alternative zurückgreifen.

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Foto: Peter Bauer

Seit dem ersten November hat in Hamburg ein Pilotprojekt gestartet, was sich gegen den Wegwerfwahnsinn und für nachhaltigen Konsum einsetzt. REFILL IT! ist das erste Mehrweg-Pfandbechersystem in Hamburg und will den Müllbergen von Einweg-Kaffeebechern entgegenwirken. Das Konzept dazu stammt vom Kaffee Händler El Rojito und wird inzwischen von zwölf weiteren hamburger Cafés unterstützt.
Der Kunde kauft in einem der teilnehmenden Cafés einen Mehrwegbecher samt Deckel und Mundstück. Entweder behält er nun seinen eigenen Becher und lässt diesen überall neu befüllen, oder er gibt ihn bei einem der Cafés zurück und erhält das Pfandgeld für den Becher. Das Mundstück behält jeder Kunde aus hygienischen Gründen.
Der Gastronom, der den Becher zurückgenommen hat, spült diesen aus und führt ihn anschließend in den Kreislauf zurück.
Ein wirklich tolles und unterstützenswertes Projekt, mit echten Hingucker Bechern!

Weitere Infos hier und auf Facebook.

Titelbild: Julie Nagel

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Wie viel Milch brauchen wir?

Laut aktuellen Medienberichten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhalten Milchbauern schätzungsweise nur noch 20 Cent pro Liter Milch. Damit ist der Preis in der jüngsten Zeit noch einmal drastisch gesunken.
20 Cent. Das bedeutet, dass die meisten Bauern nicht einmal ihre Kosten decken können. Und 20 Cent bedeuten für uns Verbraucher, dass wir im Supermarkt zu den Angeboten für greifen können, bei denen der Liter Milch nur 55 Cent kostet. Wie entstehen diese Zahlen? Ganz einfach gesagt, besteht das typische Wirtschaftsprinzip, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Wenn das Angebot jedoch die Nachfrage übersteigt, müssen die Preise sinken. Genau das ist momentan der Fall. In Europa und auch Deutschland wird viel mehr Milch produziert, als die Konsumenten nachfragen. Gründe sind das Auslaufen der Milchquote in der EU vor einem Jahr, wodurch die europäischen und deutschen Milchbauern mit Anbietern auf einem Weltmarkt konkurrieren müssen, der Importboykott Russlands als Antwort auf verhängte Sanktionen und eine gesunkene Nachfrage aus China.
Allerdings werden Rufe laut, dass auch der mächtige Handel einen Teil der Verantwortung dafür trägt, dass schon viele kleinere Bauern ihren Betrieb aufgeben mussten. Es ist von Preisdumping und Konkurrenzkämpfen die Rede, bei denen zuerst die Kleinsten auf der Strecke bleiben. Die Macht der großen Einzelhändler ist eine andere Geschichte, Fakt ist aber, dass sie nicht allein für diese Situation verantwortlich sind.
Es ist traurig, wenn Menschen plötzlich vor dem Ende ihrer Existenz stehen, kleine Betriebe geschlossen werden müssen, weil es den Bauern in unserer Welt nicht mehr möglich ist, in einem Wettbewerb zu bestehen. Allerdings muss man sich als Verbraucher auch klar darüber werden, woher Milch kommt und dass die Menge, die produziert wird, schon seit Jahren zu viel ist.

Version 2

Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie ein Kalb zur Welt bringen. Dieses wird ihr nach der Geburt weggenommen und meist mit der Flasche aufgezogen, damit die Milch der Kuh vollständig für den Menschen genutzt werden kann. In den ersten Wochen nach dem Kalben ist der Milchfluss am größten, weshalb die Tiere bei der ersten Möglichkeit wieder künstlich befruchtet werden und kalben müssen. Der Milchstrom soll nicht versiegen und die Kuh wirtschaftlich rentabel bleiben. Es ist vielen Leuten nicht bewusst, was für ein Stress das für die Tiere ist. Nicht nur, dass ein Kalb ohne sorgendes Muttertier aufwachsen muss, gleichzeitig muss die Kuh sich einer fast permanenten Schwangerschaft aussetzen und den psychischen Druck aushalten, wieder und wieder von ihren Kälbern getrennt zu werden. Die meisten Milchkühe bleiben nur 4 bis 5 Jahre am Leben, da dann ihre Milchleistung nachlässt. Und das obwohl Kühe bis zu 15 Jahre alt werden können!
Leider ist es in den meisten großen Betrieben so, dass nicht das Wohl der Tiere im Vordergrund steht, sondern das Erreichen der maximalen Produktionsmenge an Milch. Auch Biobauern müssen die Kälber von den Muttertieren trennen und sorgen dafür, dass die Kühe regelmäßig gedeckt werden. Zwar ist das Herrenalter im Schnitt etwas höher als bei konventionellen Betrieben, aber auch hier werden die Kühe geschlachtet, sobald der Milchfluss nachlässt.
Einen guten Artikel zur Haltung von Kühen in einem Biobetrieb findet man hier.

Abgesehen von der ethischen Sicht, ist heutzutage bekannt, dass die Sprüche der Großelter, wie „Du brauchst Milch für deine Knochen“, „Milch ist gesund“ und „Milch lässt dich stärker und größer werden“ so nicht ganz richtig sind. Der menschliche Körper benötigt nämlich keine bestimmten Nahrungsmittel sondern spezielle Nährstoffe. Und diese bekommt man auch anders. Eiweiß kommt in nahezu allen Pflanzen vor, und auch die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren kann über eine rein pflanzliche Ernährung sichergestellt werden. Hülsenfrüchte, Getreide, Sojaprodukte, Nüsse, Quinoa und Amaranth sind besonders gute Eiweißlieferanten. Gute Kalziumquellen sind Mandeln, Sesam, Sojaprodukte und grünblättriges Gemüse wie Grünkohl.
Ich ernähre mich seit ca. sechs Monaten vegetarisch, aber nicht vegan. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Käse in all seinen Formen liebe und unheimlich gern esse. Allerdings wird mein Bewusstsein und mein kritisches Denken in Bezug auf die Nahrungsmittelindustrie und den allgemeinen Konsumwahn unserer Gesellschaft, immer stärker. Ich bin inzwischen dazu übergegangen, auf reine Milch als Getränk zu verzichten, konsumiere sie aber noch in anderen Produkten wie Käse oder Sahne… Kein Mensch ist perfekt und mein nächster Schritt lautet zunächst einmal, mich intensiver mit diesen Dingen auseinanderzusetzen und vor allem bewusster zu konsumieren.
Ich freue mich über jeden, der mich auf dieser Reise begleitet. Mit all ihren Erfahrungen, Erkenntnissen, Erfolgen und Rückschlägen.