Gelesen: Dann schlaf auch du – Leïla Slimani

Der Roman „Dann schlaf auch du“ von Leïla Slimani wurde in Frankreich mit dem Literaturpreis Prix Goncourt ausgezeichnet und auch hier in Deutschland überschlagen sich förmlich die positiven Kritiken. Ich bin dementsprechend mit sehr hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und habe es nach zwei Tagen beendet.

Dann schlaf auch du von Leila Slimani
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Handlung
In dem Roman wird die Geschichte der jungen Familie Massé und ihrer Nanny Louise erzählt. Myriam und Paul sind jung Eltern geworden und leben mit ihren zwei Kindern Mila und Adam in Paris. Paul ist auf dem Weg ein erfolgreicher Musikproduzent zu werden und auch Myriam möchte endlich als Anwältin in das Berufsleben einsteigen.
Um all das unter einen Hut zu bekommen, entscheiden die beiden, ein Kindermädchen einzustellen: Louise.
Innerhalb kürzester Zeit macht sich Louise für das junge Paar unentbehrlich. Nicht nur, dass sie sich hervorragend um die Kinder kümmert, sie macht nebenbei den Haushalt, kocht für die Familie und sorgt dafür, dass sich alle wohl fühlen.
Sie ist ein Teil der Familie und wird von Myriam und Paul sogar mit in den Urlaub genommen. Alles scheint perfekt, aber nach und nach bemerkt das junge Paar immer mehr Eigenarten in Louises Verhalten und vor allem Myriam beginnt Louise unheimlich zu werden. Allerdings ahnt die junge Mutter nichts von den Abgründen, die sich in Louises Seele auftun und schließlich kommt es zur Tragödie…

Thematik
Dieses Buch verrät schon auf den ersten zwei Seiten die ganze Tragödie dieser Geschichte. Was auf den folgenden Seiten beschrieben wird ist eine erschreckende und zugleich sehr passende Beschreibung unserer Gesellschaft.
Die Autorin beschreibt die Abgrenzung zwischen zwei verschiedenen sozialen Klassen. Obwohl die Geschichte in Frankreich spielt, lässt sich dieses Bild genau so auf Deutschland übertragen
Die Nanny Louise ist ein Gast im Haus ihrer Arbeitgeber. Ein sehr willkommener zwar, den man auch übernachten lässt, aber doch ein Gast. Das Paar will ein guter Arbeitgeber sein und versucht, es der Nanny angenehm zu machen und ihr kein schlechtes Gefühl zu geben. Aber wenn Louise auf Freunde der Familie trifft, gibt es kein gemeinsames Gesprächsthema und die Kluft zwischen den beiden Seiten wird deutlich. Da ist eine unsichtbare Linie, die nicht überschritten wird.
Trotzdem ist die Nanny der Familie so nah, wie niemand sonst. Sie kennt ihre Sorgen und Nöte, bekommt Streitereien und intime Momente mit. Und ihr wurde der kostbarste Schatz dieser Familie anvertraut. Das Leben der eigenen Kinder.
Louise fühlt sich in ihrem eigenen Leben nicht wohl. Ihre Wohnung ist für sie nur ein Ort, an dem sie die Zeit überbrücken muss, bis sie wieder in ihr „wahres Zuhause“ fahren kann.

Die Autorin ist selbst Mutter und beschreibt auf den Punkt genau den Konflikt, der viele junge Paare und vor allem Frauen heutzutage beschäftigt.
Wie kann man sich sicher sein, alles unter einen Hut zu kriegen? Und ist das überhaupt zu schaffen? Insgeheim gibt es doch häufig die Gewissheit, dass es nicht möglich ist, gleichzeitig Karriere zu machen, das eigene Sozialleben zu pflegen und voller Liebe und Hingabe die Kinder großzuziehen. Und wo macht man Abstriche?

„Sie hatte die Vorstellung immer weit von sich gewiesen, dass die Kinder ihren persönlichen Erfolg und ihre Freiheit beeinträchtigen könnten. Wie ein Anker, der einen mit nach unten reißt, der das Gesicht des Ertrunkenen in den Schlamm zieht. Diese Erkenntnis hatte sie anfangs total deprimiert. Sie fand es ungerecht und entsetzlich frustrierend. Ihr war klar geworden, dass sie das Gefühl, unvollkommen zu sein, die Dinge nicht richtig zu machen, einen Bereich ihres Lebens zugunsten eines anderen zu opfern, nie wieder loswerden würde. Sie hatte ein Riesendrama daraus gemacht und partout nicht von ihrer Idealvorstellung der Mutterrolle abweichen wollen. Hatte darauf beharrt zu glauben, dass alles möglich sei, dass sie all ihre Ziele erreichen würde, dass sie weder verbittert noch erschöpft sein würde. Dass sie weder Märtyrerin noch die Mutter Courage geben würde.“

(Leïla Slimani, Dann schlaf auch du, S.40f)

Myriam und Paul bekommen mit, dass Louise hoch verschuldet ist und ohne die Familie vereinsamt. Sie empfinden einige ihrer Taten sogar als grenzüberschreitend und wollen den klammernden Griff lösen, mit dem Louise an ihnen festhält.
Aber sie schauen dann doch immer wieder weg, denn sie brauchen die Sicherheit, die diese ihnen bietet. Sie wissen nicht mehr, wie sie ohne sie auskommen sollen.

Fazit
Dieses Buch ist kein Thriller oder Kriminalroman, auch wenn ich das zunächst erwartet habe. Die Autorin schreibt in einem ruhigen Stil, der aber nach und nach eine Wucht entfaltet und einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

In einigen Kapiteln wird mit Rückblicken aus Louises Vergangenheit gearbeitet, wobei zum Teil aus der Sicht anderer Figuren geschildert wird.
Dadurch erfährt man viel über die Gefühlslage des Kindermädchens und das unter der perfekt gepflegten Oberfläche eine unsichere Persönlichkeit liegt.
Allerdings finde ich, dass hier noch mehr hätte erklärt werden können. Viele Fragen bezüglich Louises Verhalten bleiben offen und vor allem das Ende hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen.

Ich habe das Buch deshalb nicht nur mit einem tiefen Aufseufzer zugeklappt, sondern auch mit dem Gefühl, noch nicht ganz am Ende angekommen zu sein. Das war ein bisschen schade.
Trotzdem hat mich „Dann schlaf auch du“ sehr nachdenklich gestimmt und vor allem der ruhige Schreibstil Slimanis hat mir unheimlich gut gefallen! Den Namen der Autorin werde ich mir definitiv merken.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 224 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag (21. August 2017) || ISBN: 978-3-630-87554-5|| Preis: 20,00 €

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Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt: KW 20

Gelesen | Gehört | Gesehen | Entdeckt
Was mich diese Woche interessiert und begeistert hat.

Gelesen ||

|| Die Haut ist unser größtes Organ und wird von uns sehr beansprucht. Wir cremen und peelen, was das Zeug hält, setzen sie lauter Umwelteinflüssen aus, strapazieren sie durch Kratzen und verbrennen sie in der Sonne. Ich war da leider keine Ausnahme und bekam die Quittung durch ein Sensibelchen, welches mir inzwischen keine Fehltritte mehr erlaubt und gleich mit Rötungen, Trockenheit und einem fahlen Teint straft. Von dem Bestseller HAUTNAH von Dr. Yael Adler habe ich mir vor allem ein besseres Verständnis des Themas Hautpflege und einiger hilfreicher Tipps für den Alltag erhofft. Bekommen habe ich ein unterhaltsames Sachbuch, das nicht nur sehr informativ, sondern gleichzeitig witzig und spannend geschrieben ist. Man erhält eine fundierte und einfache Erklärung der medizinischen Zusammenhänge und zusätzlich Tipps, wie man seine Haut gesund und natürlich pflegt. Und natürlich braucht man dafür keine 50 € teuren Crèmes (was mir eigentlich vorher auch schon klar war…).

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|| Die Flüchtlingsdebatte findet kein Ende, zumindest nicht in den Köpfen und das Thema kommt in jeder privaten oder beruflichen Runde mal wieder auf den Tisch. Meistens kommen dann Kommentare, die mir schwer aufstoßen und auf die ich keine Antwort habe, denn natürlich verstehe ich die Sorgen in mancher Hinsicht. Den Satz „von meinen Steuergeldern…“ kann ich aber nicht mehr hören. Wird von unseren Steuern nicht auch dafür gesorgt, dass wir hier gute Straßen, saubere Innenstädte und Schulbildung für alle Kinder haben? Und warum leben wir in Deutschland, beziehungsweise der westlichen Welt? Nennt es Glück oder Zufall, aber wir haben sonst nichts dafür getan. Und in manchen Situationen würde uns ein Bisschen Demut ganz gut tun. Um diesen Punkt geht es in dem Artikel von Lisa Jaspers, der Gründerin des Fair Trade Fashion Labels „Folkdays“.

Wo ist eigentlich unsere Demut?

Gehört ||

Eine bunte Mischung!

|| LEA – Wunderkerzenmenschen

|| Future – Mask Off

|| Tina Dico – Someone You Love

Gesehen ||

|| Ein absoluter Klassiker aus meiner Kindheit: DIE NANNY. Die Geschichte um das Kindermädchen Fran Fine, die mit ihrer verrückten aber liebevollen Art die Familie Sheffield um den Finger wickelt. Die Hauptfigur Fran hat eine Stimme, die Gläser zum Springen bringt und trägt Outfits, die kurz vor der Geschmacksverirrung stehen. Damit ist die Serie nichts für meinen Freund ;). Ich finde sie dafür sehr unterhaltsam und kurzweilig. Gut, um nach einem anstrengenden Tag für 20 Minuten abzuschalten.

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|| Inzwischen kenne ich zwar auch den Film, aber die Serie FARGO habe ich unabhängig davon begonnen. Diese Serie ist vieles: Makaber, böse, witzig, spannend, blutig. Die Schauspieler sind grandios und die Story extrem skurril. Der Humor ist so tiefschwarz, wie ich es lange nicht mehr in einer Serie erlebt habe. Nachdem ich nun den Film gesehen habe, finde ich dass die erste Staffel sich zwar lose an diesem orientiert, aber doch eine eigene Geschichte erzählt. In der zweiten Staffel geht es dann um eine andere Story, die jedoch Bezug zu Figuren aus der ersten hat. Aktuell sind die ersten drei Episoden der dritten Staffel auf deutsch bei Netflix verfügbar.

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|| Ebenfalls aus meiner Kindheit, aber neu für mich entdeckt ist der japanische Zeichentrickfilm PRINZESSIN MONONOKE. Der Film regt sehr zum Nachdenken an, denn der Konflikt zwischen mythischen Tiergöttern, die den Wald beschützen und den sich ausbreitenden Menschen passt heutzutage besser denn je. Der Mensch zerstört Regenwälder, Meere, den Boden… und so irgendwann sich selbst. Obwohl der Film den Egoismus des Menschen scharf anprangert, ist die Trennlinie zwischen Gut und Böse verschwommen. Die Wahrheit ist komplexer als Machthunger oder das Streben nach Frieden. Es geht um Freiheit, Humanismus und das Leben im Einklang mit dieser Welt. Für mich ein erwähnenswerter Film, der neben der tollen Geschichte auch mit seiner grandiosen Filmmusik überzeugt.

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Entdeckt ||

|| Schon lange bin ich auf der Suche nach einem praktischen To-Go-Becher. Das sollte eigentlich nicht so schwer sein, ist die Auswahl doch scheinbar unendlich groß. Leider scheint Funktionalität und Ästhetik in dieser Sparte jedoch schwer zusammenzupassen. Die besten Bewertungen erhalten die Cups von Emsa, die man ja auch überall sieht, ich persönlich aber langweilig finde. Schön sollte der Becher sein, aber trotzdem klassisch, damit ich mich nicht zu schnell daran satt gesehen habe. Meine Wahl fiel nun auf dieses schöne Stück von Stelton. Natürlich wahnsinnig teuer und die Amazon Bewertung ist eher mittelmäßig. Jetzt bin ich mir nicht sicher… Sollte ich Schönheit wirklich stärker gewichten als den praktischen Aspekt. Die schlechten Bewertungen kommen daher, dass der Becher die Heißgetränke nicht für mehrere Stunden warm hält. Allerdings ist das für meine Zwecke auch irrelevant. Da hab ich eher Angst, mir ständig die Zunge zu verbrennen und normalerweise hält so ein warmes Getränk auch nur von der Haustür bis zum Arbeitsplatz. Was also tun? Schön sind die Teile ja wirklich…

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