Gelesen: Paulo Coelho – Untreue

Mehr als ein Jahr ist vergangen, ohne dass ich diesen Blog mit Leben gefüllt habe. Ich hatte irgendwie zu viele andere Dinge in meinem Leben und die Lust an diesem verloren. Die Lust ist aber wieder da und ich überlege, wie ich das hier anders gestalten kann. Andere Inhalte vielleicht, oder eine zweite Plattform dafür… Mal schauen, was ich da mache, aber starten möchte ich mit einem „Gelesen“ Artikel.

Von Paulo Coelho kannte ich bereits „Der Alchimist“, was mir damals gut gefallen hat. Eine philosophische Geschichte, erzählt mit einem nüchternen und verständlichen Schreibstil, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Als ich dann in einer Buchhandlung auf dem Sonderangebote Tisch den Namen „Coelho“ entdeckte, zögerte ich nicht lange und nahm das Buch mit.
Vorweg möchte ich sagen, dass die Bücher von Coelho nicht für jeden Geschmack etwas sind. Man muss bereit sein, sich in diese Gedankenwelt fallen zu lassen und ein wenig zwischen den Zeilen des schnörkellosen Schreibstils forschen.

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Handlung

Die Protagonistin Linda ist 31 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern in Genf. In ihrem Beruf als Journalistin ist sie erfolgreich und dank des Jobs ihres Mannes genießt ihre Familie nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern auch einen gewissen Luxus im Alltag. Man könnte meinen, Linda lebt ein perfektes Leben, aber schon auf den ersten Seiten wird klar, wie unglücklich diese Frau ist. Sie stellt ihr Leben, ihre Entscheidungen und persönlichen Werte in Frage. Der Alltag mutet für sie wie ein Gefängnis an, langweilig und bedeutungslos. Als sie im Rahmen eines Interviews auf ihren Exfreund Jakob aus Schulzeiten trifft, beginnt sie mit ihm eine Affäre und verspürt endlich wieder tiefe Emotionen. 

Thematik

In gewisser Weise ist die Untreue von Linda nur ein Versuch, ihren traurigen Gefühlen und eigentlichen Problemen zu entkommen. Das Thema Depressionen kommt zur Sprache, allerdings finde ich es schwierig einzuordnen ob Linda tatsächlich daran leidet. Dafür wird mir die Thematik zu oberflächlich behandelt.
Die heimlichen Treffen geben Linda einen Kick und sie verfällt in eine regelrechte Obsession diesem anderen Mann gegenüber. Stalkt ihn und seine Frau und versucht sich für ihn unverzichtbar zu machen. Gleichzeitig empfindet sie Scham und Schuldgefühle ihrem Ehemann gegenüber, der sich verständnisvoll und liebevoll zeigt, als sie ihm von ihren traurigen Gedanken berichtet. Es wird klar, dass Lindas Problem nicht die Ehe mit ihrem Mann ist, den sie definitiv liebt, sondern vielmehr eine allgemeine Unzufriedenheit mit dem Leben. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, zu schnell „erwachsen“ geworden zu sein. Gerade in den ersten Kapiteln konnte ich die scheinbar irrationale Negativität von Linda gut nachvollziehen, auch wenn diese auf rein egoistischen Motiven beruht. Aber sind wir nicht alle irgendwie egoistisch, vor allem wenn es um das eigene Glück geht? Einige ihrer Gedanken haben mich zum Nachdenken über mein eigenes Leben angeregt. Ist es sinnvoll, immer dem vermeintlich geraden Weg zu folgen oder macht es an einigen Abbiegungen Sinn, eventuell mal in eine andere Richtung zu denken und etwas zu wagen? Denn sobald man nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich ist (Stichwort Eigentum & Familie…), ist es viel schwieriger, Wagnisse einzugehen. Der Ehebruch macht Linda nur kurzzeitig glücklicher, wobei ich dieses Wort auch schwierig finde, es ist eher so, dass sie intensiver „fühlt“, sich dem „Trott“ entronnen sieht und endlich wieder Aufregung verspürt.

Schlussendlich kehrt Linda reumütig zu ihrem Mann zurück, mit der Absicht ihm alles zu beichten. Als dieser ihr jedoch das Gefühl gibt, zu wissen was vorgefallen ist, wobei er mit unerwartetem Verständnis reagiert und davon spricht, dass der Mensch und die Liebe im Allgemeinen nicht immer vernünftig sind, schweigt sie. Scheinbar geben die beiden ihrer Ehe eine neue Chance und erkennen, dass es am Ende nur auf die Liebe ankommt.

Das Ende hat mich demnach irgendwie enttäuscht zurückgelassen. Es mutet fast kitschig an, wie die Familie Silvester feiert und Linda sich wieder geborgen und angekommen fühlt. Im Endeffekt hat sie nichts an ihrem Leben geändert, sondern ist ausgebrochen, hat ihren Mann betrogen und dabei erkannt, dass das was sie hatte auch das ist, was sie eigentlich will.
Ist das nun eine Rechtfertigung für Affären, da sie einem zeigen, was man hat? Diese Erklärung finde ich zu einfach. Auch ihren Mann verstehe ich nicht. Wusste er nun, dass sie eine Affäre hatte oder redet Linda sich nur ein, dass er Verständnis für ihre Situation hat und eigentlich ahnt er nichts von ihrem Betrug? Denn seine ruhige Art und das einfache Hinnehmen der Situation ist für mich nicht nachvollziehbar.

Fazit

Insgesamt ist die Handlung relativ simpel und die Geschichte lebt für mich vom Schreibstil und den Denkanstößen des Autors. Die erste Hälfte des Buches hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich habe über viele Dinge nachgedacht. Wie verwöhnt ist unsere Gesellschaft, mit all den Annehmlichkeiten, die die westliche Welt bietet. Wir meinen, dieses Leben sinnvoll nutzen zu müssen und scheitern vielleicht daran „sinnvoll“ zu definieren. Ist mit „sinnvoll“ nicht vor allem gemeint, dass wir uns glücklich und mit uns selbst, unseren Entscheidungen und der Art zu leben im Reinen fühlen? Das Ende kam dann sehr abrupt und erinnerte mich an einen schlechten Liebesfilm, der am Ende noch versucht eine moralische Botschaft mitzugeben, welche man in dieser Form schon hundertmal gehört oder gesehen hat.
Das Buch liest sich schnell weg und hat mich zum Teil gut unterhalten und auch zum Nachdenken angeregt. Eine direkte Empfehlung würde ich aber nicht aussprechen, da gibt es sicherlich andere Bücher mit ähnlicher Thematik, die einen größeren Mehrwert bieten.

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Informationen zum Buch: Taschenbuch: 320 Seiten || Verlag: Diogenes Verlag     (01. Mai 2016) || ISBN-13: 978-3-257-24348-2 || Preis: 12,00 €

Buchneuerscheinungen – Juli 2017

Und zack, schon wieder ein halbes Jahr rum. Kommt es nur mir so vor, oder scheint die Zeit schneller zu vergehen, je älter man wird? Wie schön war es, als einem die sechs Wochen Sommerferien noch wie eine halbe Ewigkeit vorkamen… Jetzt also schon wieder Neuerscheinungen, diesmal aber für den Juli.

1. Zoë Beck – Die Lieferantin 

Dieses Buch habe ich schon letzten Monat vorgestellt. Leider hat sich das Erscheinungsdatum verschoben, nachdem ich den Post fertig hatte.

Hier findet ihr alle Informationen.

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2. Andrew Kaufmann – Geborene Freaks

„Die Freaks waren immer schon ein bisschen merkwürdig, aber niemand ahnt, dass sie von ihrer eigenen Großmutter verflucht wurden. Eigentlich hatte Oma nur vorgehabt, jedem ihrer Enkelkinder bei der Geburt eine spezielle Gabe mit auf den Weg zu geben. Diese »Geschenke« ihrer Großmutter stellen sich jedoch bald als Flüche heraus, die das Leben der jungen Freaks ruinieren. Als Großmutter im Sterben liegt, hat sie einen letzten Wunsch: Ihre Enkelin Angie soll ihr helfen, alle Geschwister in ihrem Krankenhauszimmer zu versammeln, um das Geheimnis um die gutgemeinten Flüche zu lüften …“ (Quelle)

Eine total verrückte Geschichte mit tollen Ideen und dem ein oder anderen Schmunzler erhoffe ich mir von diesem Buch. Ich mag Geschichten, die abseits der Norm stehen und hoffentlich unerwartete Situationen haben.

Informationen zum Buch: Taschenbuch: 320 Seiten || Verlag: btb || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 10.07.2017 || ISBN: 978-3-442-71527-5 || Preis: 10,00 €

Geborene Freaks von Andrew Kaufman
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3. Omar El Akkad – American War 

„American War – das Buch der Stunde. Ein Roman über den nächsten amerikanischen Bürgerkrieg und das dramatische Schicksal einer Familie. Was wird sein, wenn die erschütternde Realität der Gegenwart – Drohnenangriffe, Folter, Selbstmordattentate und die Folgen von Umweltkatastrophen – mit aller Gewalt in die USA zurückkehrt? Vor diesem Hintergrund entfaltet Omar El Akkad mit großer erzählerischer Kraft den dramatischen Kampf der jungen Sarat Chestnut, die beschließt, mit allen Mitteln für das Überleben zu kämpfen. »American War« ist in den USA ein literarisches Ereignis, das schon jetzt mit Cormac McCarthy »Die Straße« und Philip Roth »Verschwörung gegen Amerika« verglichen wird.“ (Quelle)

Wow, ein gewaltiges Buch, das hochaktuelle Themen behandelt. Eine dystopischer Roman, mit einer Zukunft, die nicht weit entfernt scheint. Ich denke nach Lesen dieses Buches wird man erschüttert sein und über viele Dinge nachdenken.Es klingt fast wie eine Mischung aus „The Circle“ und „The Hungergames“. Ich bin mir sicher, dass der Platz auf der Bestseller Liste gesichert ist.

Informationen zum Buch: Hardcover: 448 Seiten || Verlag: S. Fischer || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 27.07.2017 || ISBN: 978-3-10-397319-8 ||          Preis: 24,00 €

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4. Karen Dionne – Die Moortochter 

„Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen …“ (Quelle)

Ein spannender Psychothriller muss dabei sein und dieser hier klingt besonders gut. Eine Geschichte, bei der man nicht aufhören kann zu lesen, weil man wissen will, was auf der nächsten Seite lauert!

Informationen zum Buch: Paperback: 384 Seiten || Verlag: Goldmann || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.07.2017 || ISBN: 978-3-442-20535-6 || Preis: 12,99 €

Die Moortochter von Karen Dionne
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5. Tim Winton – Insel Leben

„Bei Tim Winton ist die Natur Australiens allgegenwärtig, und hier erzählt er, wie diese enge Beziehung entstanden ist, wie sehr sie seine Gedanken, sein Schreiben und sein Leben prägt. Sein beeindruckendes, poetisches und intensives Buch ist auch ein Plädoyer für Achtsamkeit, für einen neuen Dialog mit der Natur. Er ist auf Berge geklettert, hat in der Wüste gecampt, am Ningaloo Reef getaucht, ist auf den Wellen rund um seine Insel gesurft, und er hat dabei den Rhythmus, die Gefahren, das eigenständige Wesen der Natur erfahren. Denn trotz aller Konflikte zwischen Wildnis und menschlicher Zivilisation, trotz Umweltzerstörung und Klimawandel: Die Natur ist auch ohne den Menschen da. Tim Winton erzählt davon, wie gut es tun kann, sich bewusst zu machen, dass es immer etwas geben wird, das älter, größer, reicher und komplexer ist als wir, die Menschen; und er berichtet von der Gedankenwelt und dem Erfahrungsschatz der Aborigines, ihrem ganz eigenen Verhältnis zur natürlichen Welt.“ (Quelle)

Ich war leider noch nie in Australien, aber dieser Kontinent reizt mich sehr. Die Natur dort muss unglaublich sein und das Lebensgefühl frei und unbeschwert. Aber das hier ist nicht einfach eine Geschichte über die Schönheit Australiens, es geht um die Schönheit dieser Erde. Wir Menschen aus der westlichen Welt missbrauchen und zerstören sie für unsere Zwecke. Wann haben wir verlernt, im Einklang mit der Natur zu leben? Das ist ein Thema, was mich persönlich sehr bewegt und ich freue mich immer über neue Ansätze und Blickwinkel zu diesem Thema.

Informationen zum Buch: Paperback: 224 Seiten || Verlag: Luchterhand Literaturverlag || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.07.2017 || ISBN: 978-3-630-87547-7||          Preis: 16,00 €

Inselleben von Tim Winton
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Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: The Girls – Emma Cline

Als erstes fiel mir in der Buchhandlung das Cover auf. Ich las den Klappentext und dachte, die Geschichte würde vom Hippieflair der 60er und einer komplizierten Mädchenfreundschaft handeln. Von einem jugendlichen Ausbruch und dem Erwachsenenwerden. Ich war interessiert, aber nicht überzeugt. Dann las ich irgendwo von einem neuen Buch, welches die Manson Family thematisiert und ich stellte eine Verbindung her. Somit wurde das Buch gekauft und lag dann ewig auf meinem Stapel ungelesener Bücher, viel zu lange.

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Handlung
Als inzwischen erwachsene Frau erzählt die Protagonistin Evie rückblickend von ihren Erlebnissen aus dem Jahr 1969. Zu dieser Zeit ist Evie unglücklich mit sich selbst und ihrem Leben. Sie empfindet sich als durchschnittlich und sehnt sich danach, besonders zu sein. Zudem erhält sie von ihren geschiedenen Eltern kaum Aufmerksamkeit, denn die sind mit ihren eigenen Leben beschäftigt. Als Evie dann auf eine Gruppe junger Frauen trifft, die sie mit ihrer wilden und rätselhaften Art in den Bann schlagen, schließt sie sich dieser Gruppe an.
In einer sektenartigen Gemeinschaft leben die jungen Frauen auf einer verwilderten Ranch. Angeführt werden sie von dem charismatischen Russel, der wie ein Guru das Zentrum der Gruppe bildet und von den Frauen regelrecht umkreist wird. Evie ist fasziniert von der Ranch, einem Ort mit anderen Regeln, viel Sex, Drogen und einem Gefühl von Freiheit. Sie gibt sich diesem Gefühl hin und bemerkt erst viel zu spät, dass diese Gruppe wie ein Strudel ist, durch den sie sich immer weiter von der Realität entfernt und in einen Abgrund hineingezogen wird.

Thematik
Wie bereits angedeutet, ist die Geschichte an die Manson Family angelehnt. Dies war eine sektenartige Gruppierung, rund um den Kommunengründer Charles Manson.
Manson hat seine vorrangig weiblichen Anhänger dazu gebracht, mehrere unschuldige Menschen grausam umzubringen. Er war ein Rassist, der manisch eine neue Weltordnung herbeiführen wollte und dafür junge Frauen zu Mörderinnen machte.
Der Schwerpunkt von „The Girls“ liegt allerdings nicht auf Manson, alias Russel oder den Gräueltaten, die die Gruppe begangen hat. Vielmehr geht es um die Frage, was junge Mädchen dazu bringt, sich einer sektenartigen Gemeinschaft anzuschließen.
Zentraler Charakter neben Evie ist Russels größte Anhängerin Suzanne, eine fanatische junge Frau, die für Russel nicht einmal vor Mord zurückschreckt. Evie ist regelrecht auf Suzanne geprägt und sieht in ihr eine Art Vorbild. Eine Frau, die sich einem Mann wie Russel regelrecht unterwirft und sich von ihm in jeder Hinsicht benutzen lässt.

Das Buch liefert keine genauen Antworten, aber es zeigt, welche Macht die Verführung und das Versprechen von Freiheit hat. Es scheint fast, als würde die Gruppe in einer Parallelwelt leben und alles, was einen in der normalen Welt quält, scheint hier bedeutungslos.
Nach dem Ende der Geschichte bleibt ein leichtes Unwohlsein bei dem Gedanken, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Wie leicht sie vom rechten Weg abkommen, die Kontrolle abgeben und sich vollkommen hingeben, ohne weiter nachzufragen.

Fazit
„The Girls“ zu lesen, war wie ein Rausch. Ich war sofort gefangen, von der bildreichen Sprache, die Emma Cline erschaffen hat. Nicht alle mögen Clines Schreibstil und finden ihn teilweise übertrieben. Ich persönlich war jedoch begeistert von der blumigen Sprache und dem Genuss, der sich dadurch beim Lesen einstellte.

„Die Sonne stach durch die Bäume wie immer – verschlafene Weiden, der über die Picknickdecken fahrende heiße Wind – aber die Vertrautheit des Tages wurde gestört von der Bahn, die die Mädchen durch die normale Welt zogen. Geschmeidig und gedankenlos wie durch das Wasser gleitende Haie.“

(Emma Cline, The Girls, S.8)

Auch die Geschichte konnte mich fesseln, vor allem da sie in Rückblicken erzählt wird und Evie als Erwachsene die damaligen Geschehnisse immer noch aufarbeitet.
Mit „The Girls“ wurde ein vielschichtiges psychologisches Drama über die Abgründe unserer Gesellschaft geschrieben. Neben den Problemen des Erwachsenwerdens geht es um die leichte Beeinflussbarkeit von Menschen. Es ist erschreckend, wie einfach die Verführung stattfindet, wenn Menschen unsicher und enttäuscht von ihrem Leben sind.
Für mich ist „The Girls“ ein sehr lesenswertes Buch, über das ich noch lange nachgedacht habe.

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Bildquelle: Eigene

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 352 Seiten || Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG  (25. Juli 2016) || ISBN: 978-3-446-25268-4 || Preis: 22,00 €

 

Buchneuerscheinungen – Mai 2017

Alles neu macht der Mai. Ich habe ein bisschen in den Neuerscheinungen der Verlage für den Mai gestöbert und mir fünf Exemplare rausgesucht, die mein Interesse geweckt haben. Es sind Bücher aus verschiedenen Themenbereichen und ich habe bisher nichts von den Autoren gelesen.

1. Siddhartha Mukherjee – Das Gen. Eine sehr persönliche Geschichte

„Großartig, fesselnd und folgenreich: Pulitzerpreisträger und Bestseller-Autor Siddhartha Mukherjee erzählt meisterhaft die Geschichte der Entzifferung des Mastercodes, der unser Menschsein bestimmt. Das große Buch eines begnadeten Erzählers und Arztes, das gewaltige Panorama einer machtvollen Entdeckung.
Als Siddhartha Mukherjee seinen Bestseller »Der König aller Krankheiten« beendet hatte, machte er sich auf eine Reise in die indische Heimat. Er besucht Cousin Moni, der an Schizophrenie leidet – wie auffällig viele seiner Verwandten. Fasziniert beginnt Mukherjee sich mit der Geschichte der Gene zu beschäftigen: Von den Erbsenkreuzungen Mendels bis zur neuesten Gen-Bearbeitungs-Methode CRISPR schreibt Mukherjee den spannenden Roman einer wissenschaftlichen Suche und verwebt ihn mit der Geschichte seiner Familie. Packend und einzigartig.“ (Quelle)

Nachdem ich letztens einen Artikel über die Möglichkeit der Lebensverlängerung mithilfe jungen Blutes gelesen habe, bin ich von Berichten aus der medizinischen Wissenschaft fasziniert. Gencodes fand ich schon im Biologieunterricht spannend  und durch die persönliche Familiengeschichte des Autors, wird das Ganze beim Lesen noch greifbarer. Ich hoffe, dass Buch ist verständlich geschrieben und liefert interessante Fakten.

Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 768 Seiten || Verlag: S. FISCHER || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.05.2017 || ISBN: 978-3-10-002271-4 || Preis: 26,00€

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2. Hollie Overton – Babydoll

„Lily Risers neues Leben beginnt an einem kalten Winterabend: Nur mit einem dünnen Schlafanzug bekleidet tritt sie vor die Tür, drückt ihre Tochter an sich – und rennt los. Weg von dem Haus im Wald, weg von dem Mann, der sie acht Jahre lang gefangen hielt. Dem Vater ihrer Tochter Sky, dem Mann, der an diesem Abend zum ersten Mal einen Fehler machte, als er vergaß, die Tür zu verriegeln. Doch schnell wird klar, dass es für Lily kein Zurück zur Normalität gibt. Zu viel ist geschehen, zu tief sind die Wunden, die sie und ihre Familie durch die Entführung davongetragen haben. Schritt für Schritt tasten sie sich in eine mögliche Zukunft, ohne zu ahnen, dass die dramatischste Bewährungsprobe noch vor ihnen liegt. Denn selbst im Gefängnis plant Lilys Entführer bereits, wie er sie, seine Babydoll, für ihren Ungehorsam bestrafen wird …“ (Quelle)

Ich bin am Cover hängengeblieben und fand auch den Inhalt sehr vielversprechend. Die Protagonistin hat etwas traumatisches erlebt und wird sicher Schwierigkeiten haben, überhaupt ein annähernd normales Leben führen zu können. Ich bin gespannt, wie die Autorin dies umsetzt und natürlich, ob die Geschichte eher in Richtung Thriller oder psychologisches Drama geht.

Informationen zum Buch: Paperback: 352 Seiten || Verlag: Goldmann || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 15.05.2017 || ISBN: 978-3-442-20520-2 || Preis: 15,00€

Babydoll von Hollie Overton
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3. Kendare Blake – Der schwarze Thron: Die Schwestern (1)

„Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen können. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren — doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod — er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …“ (Quelle)

Ich habe lange keine neue Fantasy Romanreihe angefangen, aber dieser erste Band hat meine Lust geweckt. In den USA ist die Reihe durch die Decke gegangen und begeistert die Leser. Die Pressestimmen sprechen von einer meisterhaften Welt, einem brutalen Plot und starken Figuren. Erinnert mich an Game of Thrones, weshalb ich mich sehr auf diese Reihe freue.

Informationen zum Buch: Paperback: 448 Seiten || Verlag: Penhaligon || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 09.05.2017 || ISBN: 978-3-7645-3144-7 || Preis: 14,99€

Der Schwarze ThronDie Schwestern von Kendare Blake
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4. Mark Watson – Die Stadt im Nichts

„Ein etwas undurchsichtiger Auftrag führt den Werbetexter Tim Callaghan nach Dubai. Bevor er weiß, wie ihm geschieht, steht er zwischen Wolkenkratzern, die inmitten der Wüste erbaut wurden, und fährt bei 45 Grad in vollklimatisierten SUVs über achtspurige Highways. Doch kaum hat er sich an seine neue Umgebung gewöhnt, wird ein Mitarbeiter seines Teams tot aufgefunden. Das Merkwürdige daran ist, dass es niemanden so recht zu stören scheint …“ (Quelle)

Für mich geht es bald in den Urlaub und am Strand lese ich gern leichte, unterhaltsame Bücher. Ein bisschen Spannung und Witz darf aber gerne dabei sein, denn der Groschenroman-Typ bin ich eher weniger. Dieses Buch klingt danach, als wäre es genau das Richtige.

Informationen zum Buch: Paperback: 288 Seiten || Verlag: Heyne Encore || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 22.05.2017 || ISBN: 978-3-453-27116-6 || Preis: 16,99€

Die Stadt im Nichts von Mark Watson
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5. Ezekiel Boone – Die Brut: Sie sind da

„Etwas lebt. Und es vermehrt sich rasend schnell.
Am Amazonas stirbt eine Wandergruppe. Kurz zuvor war ein merkwürdiges Summgeräusch zu hören.
In Indien schnellen die Seismographen in die Höhe, doch es folgt kein Erdbeben.
In China wird eine Atombombe gezündet. Angeblich versehentlich.
In Minneapolis stürzt ein Flugzeug vom Himmel. Im Wrack findet Agent Mike Rich eine verbrannte Leiche aus der etwas Schwarzes kriecht.
Biologin Melanie Guyer erhält in Washington eine FedEx-Sendung. Ein mysteriöser Fund von den Nazca-Linien.
Nervenzerrende Spannung – Sie werden das Atmen vergessen!“ (Quelle)

Das klingt nach einem echt spannenden Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann. Zudem finde ich es spannend, wenn es nicht einen Täter gibt, der gejagt wird, sondern eine unbekannte Gefahr das Leben bedroht. Ich habe auch schon gesehen, dass noch ein zweiter Band herauskommen wird.

Informationen zum Buch: Paperback: 400 Seiten || Verlag: FISCHER Taschenbuch || Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 24.05.2017 || ISBN: 978-3-596-03553-3 || Preis: 9,99€

Interessiert ihr euch auch für eines der vorgestellten Bücher oder habt ihr ganz andere auf eurer Liste stehen?

Gelesen: Winternähe – Mirna Funk

Winternähe ist der 2015 erschienene Debütroman der Autorin Mirna Funk und hat mich nachhaltig beeindruckt. Durch Zufall bin ich auf den Roman gestoßen. Ich habe irgendwann ein Interview mit der Autorin gelesen und den Roman danach auf meine Wunschliste gesetzt.

Handlung
Die Protagonistin Lola ist Fotografin und lebt in Ost-Berlin. Sie ist das Kind einer nicht-jüdischen Mutter und eines jüdischen Vaters. Lola selbst fühlt sich als Jüdin, da sie von ihren Großeltern väterlicherseits aufgezogen wurde. Nach dem orthodoxen Judentum jedoch gilt sie nicht als solche, denn die jüdische Religionszugehörigkeit wird über die mütterliche Linie weitergegeben. Dieser Umstand wird im Buch an einigen Stellen näher thematisiert und von verschiedenen Sichtweisen beleuchtet. Lola fühlt sich innerlich zerrissen und identitätslos. Nicht nur, dass sie Schwierigkeiten hat, durch ihren Glauben ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Gleichzeitig belastet sie die schwierige Beziehung zu ihren Eltern.
Schließlich entscheidet Lola sich, ihrem israelischen Freund Shlomo nach Tel Aviv zu folgen. Dort spielt der zweite Teil des Romans. Es ist Juli 2014 und Ausbruch des Gaza Kriegs. Der Konflikt, der in Deutschland so weit weg schien, ist plötzlich direkt vor ihrer Haustür. Tagsüber wirft Lola sich in die Euphorie ihrer Verliebtheit zu Shlomo und nachts hört sie Bomben fallen.
In Tel Aviv beginnt Lola damit, Antworten auf die Frage zu finden, wer sie wirklich ist und versucht, den Kontakt zu ihrem Vater wieder aufleben zu lassen. Im Laufe der Geschichte entfernt sich Lola somit immer mehr von ihrem eigentlichen Lebensmittelpunkt Berlin und arbeitet sich zu ihren Wurzeln vor.

Thematik
Gleich zu Beginn des Romans wird Antisemitismus thematisiert. Dieser tritt in einer latenten Form auf und scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein.
Lola wähnt sich in einem fortschrittlichen Milieu, fühlt sich jedoch immer mehr von antisemitischen Angriffen betroffen. Nicht nur Bekannte, auch Kollegen und sogar Freunde äußern zweifelhafte Kommentare und relativieren den Holocaust. So sind beispielsweise die „geldgierigen Juden“ Schuld daran, dass die Mieten in Berlin steigen. Oder es wird der Holocaust mit der Palästina-Politik verglichen. Gleichzeitig empfinden die Menschen um Lola herum das ständige Erinnern an die deutsche Vergangenheit als anstrengend und überholt.
Für Lola ist diese Weigerung der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit fast unbegreiflich.

Für euch ist das alles gefühlte dreihundert Jahre her. Warum aber ist das alles für mich gerade erst passiert? […] Warum bin ich mein ganzes Leben mit diesen Geschichten groß geworden, von Menschen, die überlebt haben, von Menschen, die ihre gesamte Familie verloren haben, und ihr nicht? […] Ich kann dir sagen, warum. Weil eure Großeltern nicht reden! Weil sie euch nichts erzählt haben. Zum Beispiel, wie es so war als SS-Offizier oder warum sie Hitler gewählt haben. Wie sie dabei zuschauten, als ihre Nachbarn abgeholt wurden, oder wie sie die verdammten Leichen aufeinandergestapelt haben. Ihr seid alle mit Großeltern aufgewachsen, die geschwiegen haben, und deshalb glaubt ihr, dass das alles Schnee von gestern ist.

Es ist wahr, dass inzwischen außerhalb des Klassenraums wenig über den Holocaust gesprochen wird. Kaum jemand hat noch lebende Verwandte, die während des zweiten Weltkriegs gelebt haben. Vieles wird zudem in deutschen Familien totgeschwiegen. Und trotzdem ist da bei so vielen ein unbewusstes Gefühl von Schuld. Ein Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen und das unangenehme Eingeständnis, dass wir nicht wissen wollen, welche Rolle unsere Großeltern oder Urgroßeltern zu dieser Zeit gespielt haben. Wir differenzieren ganz klar zwischen heute und damals.

Ich war letztes Jahr im Herbst in Krakau und war im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, sowie in Birkenau. Das, was wir dort gesehen haben, können Worte kaum beschreiben.
Man liest Zahlen getöteter, vergaster, verhungerter, gefolterter Menschen. Man hört eine Zahl toter Kinder, aber erst dort bekommen diese Zahlen eine Größe. Man kann sie ins Verhältnis setzen und das lässt den Atem stocken.
Besonders Birkenau, mit seiner riesigen, weiten Fläche und dem Zaun, den man aus Filmen kennt, lässt einen ganz still werden. Es sind Ausmaße eines Schreckens, die man sich sonst nicht vorstellen kann. In dieser Hinsicht kann ich verstehen, warum Lola, beziehungsweise die Autorin der Meinung sind, dass wir nicht vergessen sollten. Nicht relativieren und es als Vergangenheit abhaken. Man sollte nie aufhören, sich vor Augen zu führen, wie schnell sich Dinge verselbstständigen können und zu was für Taten Menschen fähig sind.

Fazit
Obwohl die Protagonistin Lola vor ihrem Leben in Berlin flüchtet, beschreibt die Autorin keine schwache Persönlichkeit. Im Gegenteil. Lola wirkt stark, in ihrer Meinung gefestigt und teilweise auch sehr exzentrisch und egoistisch. Das alles macht es sehr interessant, ihrer Geschichte zu folgen. Gleichzeitig war es an einigen Stellen aber sehr anstrengend Lolas Gedanken oder Handlungen nachzuvollziehen. Teilweise ging sie mir sogar ein bisschen auf die Nerven und sie ist definitiv keine Buchfigur, die ich in mein Herz geschlossen habe. Hervorzuheben ist ganz klar der Anstoß, sich als Leser Gedanken über Antisemitismus in Deutschland und das Leben in Tel Aviv zu machen. Für mich ist das Buch ganz klar eine Leseempfehlung.

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Informationen zum Buch: Gebundene Ausgabe: 352 Seiten ||Verlag: S. FISCHER (23. Juli 2015) || ISBN: 978-3-10-002419-0 || Preis: 19,99 €